Keine Angst vor der eigenen Firma

von Redaktion

Mit 14 Jahren gründete Raphael Unterreiner (17) aus Stephanskirchen sein erstes Unternehmen. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch zusammengefasst. Nun will er mit einer App die Telefonangst der Generation Z bekämpfen.

Stephanskirchen – Raphael Unterreiner ist anders, als man sich einen durchschnittlichen 17-Jährigen vorstellt. Denn statt am Fußballplatz, auf Partys oder bei Freunden abzuhängen, verbringt der Stephanskirchener lieber seine Zeit mit Arbeiten. So nennt er es selbst. Denn bereits mit 14 Jahren gründete Unterreiner sein erstes Unternehmen: eine Agentur für Social-Media-Marketing. Die Erfahrungen, die er bei der Unternehmensgründung als Minderjähriger gesammelt hat, hat er in seinem Buch „Minderjährig Gründen – Wie du unter 18 dein eigenes Unternehmen aufbaust“ zusammengefasst.

Wunsch nach
eigener Modemarke

„Schon als Kind wollte ich Erfinder werden“, sagt Unterreiner. Damals malte er Bilder von Fabrikhallen oder Maschinen. Als Sohn zweier Lehrer sei er schulisch schon immer gut gefördert worden. Mit 13 Jahren hatte er erstmals die Idee, unternehmerisch tätig zu werden. Gemeinsam mit einem Freund wollte er erst eine eigene Modemarke für Streetwear gründen. „Das war aber nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Zu teuer, zu kompliziert – also verwarfen die beiden Teenager die Idee wieder und entwickelten den Plan, ein sogenanntes Dropshipping-Unternehmen zu gründen. Bei diesem Modell wären sie als eine Art Zwischenhändler für Produkte aufgetreten, die sie nicht selbst lagern, sondern direkt beim Großhändler ordern, der die Produkte dann auch direkt verschickt. „Ein Dreieckssystem im Prinzip“, erklärt der Schüler.

Im April 2023 stellten sie mit 14 Jahren einen Antrag beim Familiengericht. Denn unter 18 Jahren sind Jugendliche nur beschränkt geschäftsfähig. Unterstützung kam von den Eltern, denn ohne deren Einverständnis und Unterschrift kann das Gericht keine Erlaubnis erteilen und eine Unternehmensgründung wäre damit unmöglich. Der Abiturient erinnert sich genau daran, als er das erste Mal in einem Gerichtsgebäude war und durch den Ganzkörperscanner am Eingang gehen musste. „Das war auch ziemlich furchteinflößend, ich war sehr nervös vor dem Termin.“

Der Antrag wurde aber abgelehnt: „Nach Ansicht des Familiengerichts war das Geschäftsmodell zu riskant. Die Richterin befürchtete, wir könnten uns zu sehr an einen Großhändler binden.“ Doch der damals 14-Jährige wollte nicht aufgeben und schmiedete schon den nächsten Plan. Eine Marketing-Agentur für Social Media sollte es werden. Im Januar 2024 wandten sich Unterreiner und sein Freund also erneut an das Familiengericht. Dieses Mal mit Erfolg. „Es hat Spaß gemacht, mit einem Freund gemeinsam arbeiten zu dürfen, neben der Schule natürlich“, erinnert sich der 17-Jährige.

Laut IHK München und Oberbayern realisieren etwa 290 bis 610 Minderjährige pro Jahr eine Unternehmensgründung in Deutschland. Wie aus einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) hervorgeht, leben 24 Prozent und damit der bundesweit höchste Anteil aller minderjährigen Selbstständigen in Bayern. Wie IHK-Sprecher Florian Reil erklärt, handle es sich dabei überwiegend um Nebenerwerbsgründungen, häufig mit digitalen Geschäftsmodellen, etwa IT-Dienstleistungen oder Online-Handel. „Gründungen durch Minderjährige sind ein Nischenphänomen, aber klar vorhanden.“

Die rechtlichen Voraussetzungen sind laut Reil bundesweit einheitlich geregelt. Das Familiengericht prüfe unter anderem den Reifegrad, die kaufmännischen Kenntnisse sowie die Vereinbarkeit der Selbstständigkeit mit der Schulsituation. „Ein Antrag enthält idealerweise einen Businessplan, eine schulische Stellungnahme und einen Lebenslauf. Damit sollen die Jugendlichen nicht von einer Selbstständigkeit abgeschreckt werden, sondern vielmehr rechtlich und wirtschaftlich geschützt werden“, so der IHK-Sprecher.

Die Erfahrung aus der Arbeit mit Schulen, dem Projekt „Jugend gründet“ und „Start-up Teens“ zeige, dass minderjährige Gründer „hoch motiviert, digital versiert und gut vernetzt“ seien. „Die größten Hürden liegen im familiengerichtlichen Verfahren und im fehlenden Wissen über rechtliche sowie steuerliche Anforderungen“, erläutert Reil.

Da Raphael Unterreiner diesen Prozess bereits durchlaufen hat, lässt er sich von Bürokratie nicht abschrecken. Derzeit entwickelt er gemeinsam mit weiteren jungen Gründern, die er im Laufe des vergangenen Jahres 2025 über das Young Founders Network, ein deutschlandweites Netzwerk für junge Gründer, kennengelernt hat, eine weitere Idee, um junge Menschen zu unterstützen: „Wir wollen jungen Menschen helfen, ihre Telefonangst zu besiegen“, sagt Unterreiner. Denn laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom hat jeder Zweite der Generation Z, also der heute 16- bis 19-Jährigen, Angst vor dem Telefonieren. Grund dafür sei die überwiegende Nutzung von Textnachrichten zur Kommunikation.

„Manche erleben dadurch drastische Einschränkungen, wenn ein wichtiger Anruf ansteht und dann funktioniert es nicht“, sagt der 17-Jährige. Ihr Plan sei deshalb, eine App zu entwickeln, die es ermöglicht, in geschütztem Rahmen das Telefonieren zu üben. „Man kann mit einem KI-Sprachbot sprechen und verschiedene Szenarien durchlaufen, sei es, eine Pizza zu bestellen, eine Reservierung aufzugeben oder auch beim Amt anzurufen.“ Mit der Idee nahmen sie am Rosenheimer Gründerpreis teil. Die Bekanntgabe der Sieger und die Preisverleihung finden am Dienstag, 24. Februar, im Sparkassen Hochhaus in Rosenheim statt.

Neues Buch
erscheint bald

Neben seinem unternehmerischen Interesse ist Unterreiner auch Schülersprecher sowie politisch interessiert und in einer Partei (SPD) aktiv. In seinem neuen Buch „Kindermund tut Wahrheit kund“, das im April 2026 erscheinen soll, sollen auch wieder junge Menschen zu Wort kommen. „Ich habe verschiedene Leute aus verschiedenen Bereichen und mit politischem Hintergrund gefragt, ob sie dann einen Gastbeitrag schreiben möchten.“ Entstanden sei dabei eine Sammlung verschiedener Themen und politischer Thesen aus der Sicht junger Menschen.

Artikel 11 von 11