Kein Wandervolk, sondern friedlich kooperierende Siedler

von Redaktion

Andrea Krammer, Leiterin des Städtischen Museums Rosenheim, spricht in Schnaitsee über „Die Römer im Chiemgau“ und die Herkunft der Bajuwaren

Schnaitsee – Mit der bisherigen Lehrmeinung, die Bajuwaren wären während der Völkerwanderung aus dem Osten eingewandert, räumte Andrea Krammer nach neuesten Erkenntnissen beim Referat über „Die Römer im Chiemgau“ in Schnaitsee auf.

Der Vortrag, den der Heimatverein Schnaitsee angeboten hatte, befasste sich mit den Römern und ihrer Wirkung bis in die Gegenwart in unserer Gegend. Andrea Krammer, Archäologin und neue Leiterin des Stadtmuseums Rosenheim vermittelte den beinahe 80 Besuchern eine umfassende Einsicht auf das römische Reich während seiner 500-jährigen Herrschaft in den Bereichen nördlich der Alpen. Die Region des heutigen Altbayerns, des Südosten Bayerns mit dem Chiemgau und dem Rupertiwinkel sowie den heutigen österreichischen Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und Steiermark, war etwa um 200 vor Christus ein keltisches Königreich.

Während die westlichere Region Rätien – im heutigen Schwaben, dem westlichen Österreich, sowie großen Teilen der Schweiz – durch massive Kämpfe der Römer im ersten Jahrhundert vor Christus eingenommen wurde, entschieden die keltischen Fürsten der Region Noricum, sich kooperativ mit den Römern zu einigen. Grund war sicherlich auch, dass bereits langzeitige Handelsverbindungen mit Rom bestanden – besonders gefragt war das „Ferrum Noricum“, ein Stahleisen, das die Noriker aus Erzstätten in Kärnten durch eine besondere Verhüttung gewannen. Es hatte schon die Eigenschaften von modernem Stahl. Von besonderem Interesse war auch der Untersberger Marmor, den die Römer bei ihren Niederlassungen in Noricum gerne verbauten.

Diese friedliche Kooperation zeichnete sich dann auch in der späteren Zeit der Völkerwanderung aus, denn sie führte nicht zu Konfrontationen mit den einwandernden Stämmen, sondern zu einer Assimilation, sodass sich daraus die später „Bajuwaren“ genannte Bevölkerung entwickelte. Archäologisch ist dies nachweisbar durch Gräberfunde, in denen die unterschiedlichsten Kulturen sich gemeinsam abzeichnen.

Andrea Krammer, aufgewachsen in Marzoll bei Bad Reichenhall fühlte sich bereits früh zur Archäologie hingezogen, denn nahe ihrer Heimat befand sich in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts eine Ausgrabungsstelle, bei der ein römischer Gutshof verortet wurde. Nach dem Studium der Archäologie, war sie am Römermuseum in Seebruck beschäftigt, arbeitete in der Folge an mehreren Projekten, wie zum Beispiel „Römerregion Chiemsee“ – einem Zusammenschluss von elf Gemeinden rund um den Chiemsee mit Exponaten römischer Geschichte. Mittlerweile leitet sie das Städtische Museum in Rosenheim.

Dort baut sie gerade eine Sammlung römischer Exponate auf und ist auch beteiligt an der Ausstellung im Lokschuppen 2026 „Römer – Gesichter eines Weltreiches vom 20. März bis 1. August.

In der Folge zeigte Krammer noch Reste römischer Grabsteine, die als Fundamente für Altäre, Kapellen oder Quellenfassungen verwendet wurden. Römische Bauten waren in der nachrömischen Zeit begehrte „Baugruben“ für den Bau von Häusern und Kirchen, deutlich zu sehen an der Kirche St. Thomas und St. Stephan in Seebruck. rih

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