Landwirte zögern bei E-Traktoren

von Redaktion

Obwohl Landmaschinenhersteller die Vision einer e-mobilen Landwirtschaft verfolgen, lässt die Revolution auf dem Acker auf sich warten. Hohe Kosten und technische Hürden wie geringe Reichweiten sind die Hauptgründe, warum viele Landwirte, auch in der Region Rosenheim, vorerst skeptisch bleiben.

Mangfalltal – „Nachgefragt sind bei uns hauptsächlich Verbrenner, aber das liegt auch am Angebot“, berichtet Johannes Pritzl, Geschäftsführer von Pritzl Landtechnik. Denn die elektronische Produktpalette vieler Landmaschinenhersteller sei bislang überschaubar. E-Traktoren verkauft er bislang nicht. Damit derartige Großfahrzeuge wettbewerbsfähig werden, sind laut ihm deutlich größere Ladekapazitäten und Reichweiten erforderlich.

E-Lader sind noch doppelt
so teuer wie Verbrenner

Die „Big Player“ unter den Herstellern entwickeln leistungsstärkere E-Traktor-Prototypen, für die Serienproduktion seien diese jedoch bislang nicht bereit, weiß Martin Peus, Geschäftsführer der Rosenheimer Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes. Ihm zufolge „spielt die E-Mobilität in der Landwirtschaft aktuell so gut wie keine Rolle“. Kleinere elektronische Lader hingegen sind bei Pritzl seit einiger Zeit im Sortiment. „Allerdings kostet ein E-Lader grob 1,9-mal so viel wie ein Diesel-Fahrzeug mit ähnlichem Funktions- und Leistungsumfang.“

Auch bei der Tuntenhausener Eder-Gruppe ist die E-Mobilität Thema. „Erst seit letztem Jahr gibt es Serienfahrzeuge auf dem deutschen Markt, aber nur im niedrigen PS-Bereich“, weiß Verkaufsleiter Lukas Eisner. Von einer flächendeckenden Elektrifizierung ist die Landwirtschaft aus seiner Sicht weit entfernt, „außer bei autonomen Systemen wie beispielsweise Feldrobotern.“ Dennoch nehme die Nachfrage an Elektrogeräten in der Landwirtschaft stetig zu.

„Anfragen beziehen sich meist auf kleinere Geräte zwischen zwei und sechs Tonnen Einsatzgewicht“, ergänzt Georg Pfeilschifter, Geschäftsführer von Eder Baumaschinen und dem bayerischen Lely Center. Darunter fallen Radlader, Teleskop-Radlader oder kompakte Hoftraktoren. In Zahlen macht das rund 15 Prozent im Vergleich zu dieselbetriebenen Geräten aus, so Pfeilschifter weiter.

Locken wollte die Bundesregierung die Landwirte deshalb mit dem Bundesprogramm Energieeffizienz. Zuständig für dieses Förderprogramm ist seit vergangenem Herbst der Verein Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe: Gefördert werden elektronische Landmaschinen je nach Fahrzeugart mit einer Summe von 15 bis 30 Prozent des Kaufpreises. Allerdings hätte bislang keiner von Pritzls Kunden eine Auszahlung im Rahmen der Förderung erhalten und auch die Zukunft des Programms sei ungewiss.

Über die heimische Photovoltaikanlage ließe sich an vielen Höfen kostenloser Strom an der E-Zapfsäule tanken. Interessant wird das vor allem, wenn die 20-jährige Einspeisevergütung für die eigene PV-Anlage ausläuft. Die Energie lässt sich stattdessen nutzen, um Fahrzeuge an Steckdose oder Wallbox, einer herkömmlichen E-Auto-Ladestation, zu laden. „Neuere landwirtschaftliche E-Fahrzeuge lassen sich am entsprechenden Adapter mit Starkstrom, Wallbox oder an der Haushaltssteckdose laden“, so Pritzl. Seine Vorführmaschinen lädt Pritzl, der Geschäftsführer von Pritzl Landtechnik, ausschließlich mit Haushaltsstrom. Bei vielen Geräten dauert das Laden über die Kfz-Wallbox allerdings erheblich länger. Bei optimalen Ladebedingungen sei eine Vollladung in rund 45 Minuten jedoch möglich, so Eisner.

Doch auch wenn der kleine Hoftraktor kostenlos zu Hause an die Stromtankstelle angesteckt werden kann, ist die E-Mobilität aktuell nicht für jeden Betrieb rentabel, warnt BBV-Geschäftsführer Peus: Grund hierfür sind die noch hohen Kaufpreise für E-Fahrzeuge.

Je nach Ladestation, Fahrzeugbatterie und Nutzung sollen laut Pritzl Ladezeiten zwischen vier und acht Stunden im alltäglichen Betrieb realistisch sein. Flexibilität zählt somit nicht zu den Stärken der E-Maschinen. Vor allem im Winter können schwächelnde Batterien Probleme bereiten.

E-Traktoren wie etwa der Rigitrac SKE40 seien allerdings so konzipiert, dass die Temperatur der Batterie bei konstant 25 Grad gehalten wird, im Winter wie auch im Sommer. Allerdings ist das noch nicht der Regelfall unter den elektrisch betriebenen Landmaschinen, weiß Eisner. Grundsätzlich hält er Laufzeiten zwischen drei und fünf Stunden für „durchaus realistisch.” Die maximale tägliche Einsatzdauer liegt laut Eder-Geschäftsführer Pfeilschifter bei acht bis neun Stunden ohne Batterieladung.

Zukunftsweisend,
aber ausbaufähig

Ob nun der richtige Zeitpunkt zum Einstieg in die E-mobile Landwirtschaft sei, ließe sich laut Pritzl nicht pauschal beantworten. „Es muss zum Betrieb passen“, findet er. Häufige Langstreckenfahrten oder Winterdienst mit E-Antrieb hält er noch für unrealistisch. Doch bei wiederkehrenden Hofarbeiten wie Ausmisten oder Fütterung lassen sich E-Maschinen effizient einsetzen, findet Pfeilschifter.

Angenehmes Fahrgefühl und Lautlosigkeit sprechen aus Pritzls Sicht eindeutig für die E-Mobilität in der Landwirtschaft. Pfeilschifter geht währenddessen davon aus, dass sich in Zukunft bis zu 60 Prozent der Dieselmaschinen durch elektrisch betriebene Alternativmodelle ersetzen lassen.

Allerdings dauert es wohl noch eine Weile, bis der leistungsstarke E-Traktor seinem Diesel-Vorgänger den Rang abläuft.

Artikel 2 von 11