Wasserburg – Manchmal, gibt Vera Berninger zu, findet sie es auch selbst ein bisschen gruselig, was sie tut. „Dann muss ich mein Zeug beiseitelegen und mich mit etwas anderem beschäftigen, sonst wird es zu dystopisch“, sagt sie.
Denn Berninger ist Leiterin eines neuen Kurses bei den Johannitern in Wasserburg. „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ heißt dieser. Basierend auf einem Programm des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe möchte sie Laien kostenfrei in zwei Lehrinhalten beibringen, wie sie sich auf den Katastrophenfall vorbereiten können.
Keine Erfahrungen
mit Krisensituationen
Schließlich seien die wenigsten Laien auf ein solches Szenario vorbereitet. „Viele haben oder wollen sich auch aus psychischen Selbstschutzgründen gar nicht damit beschäftigen“, sagt Berninger. Was auch verständlich sei. „Im Idealfall haben wir alle noch gar keine Erfahrungen mit wirklichen Krisensituationen gemacht.“ Schließlich könnten sich die wenigsten noch an die Nachkriegszeit erinnern und auch Naturkatastrophen gebe es bei uns kaum.
Gleichzeitig gelte aber: „Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert, ist gestiegen“, stellt Berninger fest, und meint dabei nicht nur den Kriegsfall. Statistisch sei inzwischen auch die Wahrscheinlichkeit für Naturkatastrophen oder andere Krisensituationen, wie tagelangen Stromausfall, erhöht. „Da braucht man nur an Berlin zu denken“, sagt Berninger.
Dabei gebe es vieles, was man im Vorfeld vorbereiten könne. Das fange bei Dokumenten an. Nach einem Häuserbrand, ebenfalls ein Szenario, das im Kurs behandelt werde, sei oft das Hauptproblem, dass der Ausweis, die Geburtsurkunde oder auch die Dokumente für die Brandschutzversicherung verbrannt seien. „Und wir leben leider in einem bürokratischen Land, wo diese Dokumente dringend benötigt werden“, sagt Berninger. „Da kann es schon helfen, den Ausweis zu digitalisieren oder eine Kopie der Geburtsurkunde bei Verwandten unterzubringen.“
Geht auch um
das Thema Bergung
Auch einmal im Kopf durchzuspielen, wer sich bei einem Stromausfall um die Oma kümmere, könne helfen. „Das in der Familie durchzusprechen und sich zu überlegen, wer sie im Ernstfall zu sich nach Hause holen kann. Wer etwa den Platz und ein möglichst barrierefreies Zuhause hat, erleichtert es, die Krise im Ernstfall zu bewältigen.“
Bevorratung nennt sich dieser Teil des Kurses. Daneben werden Berninger und ihr Team viel über Erste Hilfe sprechen. „Wir werden ein paar Handgriffe zeigen, die über den Inhalt von normalen Erste-Hilfe-Kursen hinausgehen“, so Berninger. So werde es viel um das Thema Bergung gehen. „Wir werden Möglichkeiten aufzeigen, wie man Personen mit einfachen Mitteln transportieren kann. Wie man Tragen baut, wenn keine Trage zur Verfügung steht“, erklärt Berninger. Ziel sei es aber auch, es nicht zu übertreiben. „Ich bin privat auch nicht vorbereitet auf einen Atomschlag“, sagt sie. Das sei deshalb auch nicht das Ziel des Kurses.
Viel eher wolle sie „Hürden im Kopf“ abbauen und die Menschen dazu bringen, einmal darüber nachzudenken, was sie sichern müssen, und ihnen Möglichkeiten an die Hand geben, um sich selbst im Katastrophenfall schützen zu können.