Frasdorf – Die Niggl-Schwestern aus dem Frasdorfer Ortsteil Pfannstiel sind nach einem langen, erfüllten Leben friedlich heimgegangen. Anna Hamberger verstarb am 1. Februar 2026 im gesegneten Alter von 101 Jahren. Nur zehn Tage später – am 11. Februar, dem Tag der Beerdigung von Anna – trat ihre Schwester Margaretha ihre letzte Reise an. Sie wurde 98 Jahre alt.
Innerhalb weniger Tage musste eine große Trauergemeinde, darunter 14 Neffen und Nichten mit ihren Kindern, die Mitglieder der Singgemeinschaft Frasdorf und die Nachbarschaft aus Pfannstiel, Abschied von zwei außergewöhnlichen Menschen nehmen. Als Niggl-Dirndl Nani und Gretl waren die beiden unverheirateten Schwestern nach dem Hofnamen ihres elterlichen Hofes bekannt.
Pfarrer Paul Janßen, assistiert von Diakon Dr. Christian Elsen, konnte bei beiden Requien auf nahezu den gleichen Lebensweg eingehen. Die beiden Schwestern hatten als Kleinkinder ihren Vater verloren und wuchsen mit vier Geschwistern, geleitet von einer starken Mutter und später auch von einem liebevollen Stiefvater, auf dem heimatlichen Nigglhof auf. Schon früh mussten sie kräftig mitarbeiten, vor allem als die beiden Brüder Lenz und Sepp in den Krieg eingezogen worden waren. Zum Glück kamen beide wieder zurück: Sepp, der später hochgeschätzte und vielfach ausgezeichnete Bildhauer Josef Hamberger, allerdings sterbenskrank. Er konnte sich allmählich wieder erholen und ist vor wenigen Jahren ebenfalls hochbetagt verstorben.
Jahrzehntelanger
Dienst im Kirchenchor
Mit ihrem Bruder Lenz bewirtschafteten die beiden Schwestern nach dem Tod der Mutter und des Stiefvaters den Hof allein. Als der Lenz allmählich ins Rentenalter kam und die Landwirtschaft verkleinert und schließlich an den Neffen übergeben wurde, machte Nani noch den Führerschein und eine Ausbildung zur Schwesternhelferin. Als solche arbeitete sie dann im Krankenhaus in Prien.
Im Rentenalter begaben sich die Schwestern mit ihrem ebenso unverheirateten Bruder Lorenz nicht selten auf größere Reisen. In den vergangenen Jahrzehnten, nach dem Tod des Bruders, wurden sie vom Großneffen Lorenz und seiner Frau Verena umsorgt, die sich in dem großen Niggl-Anwesen eine Wohnung einrichten konnten.
Pfarrer Janßen hob besonders die Verdienste der beiden Schwestern für den Frasdorfer Kirchenchor hervor. Schon als zehnjährige Mädchen durften sie in die Chorproben gehen. Ihr Gesang sei schließlich „zur Ehre Gottes“, meinte die Mutter damals. Im Namen der Pfarrgemeinde sagte Janßen „Vergelt‘s Gott für einen über 70-jährigen Dienst“. Während er bei Nani den Evangelientext von Lazarus und seinen Schwestern Maria und Martha zum Thema der Predigt machte, war es bei Gretl die Vita der heiligen Margaretha und die Deutung ihres Namens als „Perle“.
Bernadette Osterhammer, die Dirigentin der Frasdorfer Singgemeinschaft, würdigte die beiden Schwestern als „ideale Chorsängerinnen“. Ihr ganzes Leben lang hätten sie Dienst im Frasdorfer Kirchenchor und später in der Singgemeinschaft gemacht. Dabei sei ihnen der Übergang vom damaligen Chorregenten Alois Osterhammer, als man an jedem Sonntag, eine lateinische Messe zu singen hatte, zur geänderten Messgestaltung nach der Liturgiereform in den 1960er-Jahren, nicht leichtgefallen. Aber schnell fanden sie sich in der Gemeinschaft mit vielen jungen Sängern und neuen Chorleitern zurecht. Schließlich waren sie ganz selbstverständlich Teil des neuen Chores und nahmen an sämtlichen Vereinsfesten und Ausflügen teil.
Zeitzeugen der
Frasdorfer Geschichte
Rupert Wörnd erinnerte an die wertvollen Beiträge von Gretl und Nani für Heimatforschung und Erinnerungsarbeit in Frasdorf. Als Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins Frasdorf würdigte er, dass die beiden Schwestern immer wieder für Gespräche sowie Ton- und Fernsehaufnahmen zur Verfügung standen. Selbst im hohen Alter, ausgestattet mit klarem Verstand und beeindruckendem Erinnerungsvermögen, berichteten sie lebendig von der Zeit vor und während des Krieges, vom Autobahnbau sowie von den Mühen und Herausforderungen der bäuerlichen Arbeit.
Besonders gern erzählten sie auch von ihrem Bruder, dem Bildhauer Josef Hamberger, und dessen künstlerischer Laufbahn. Er hatte unter anderem in den 1980er-Jahren Volksaltar, Ambo und Osterkerzenleuchter für die Frasdorfer Pfarrkirche geschaffen – und das zum Selbstkostenpreis.
Die Singgemeinschaft Frasdorf unter Leitung von Bernadette Osterhammer und Christine Klinger sowie Neffe Rupert Schäffer mit zwei Großneffen haben die beiden Trauergottesdienste für Anna und Margaretha Hamberger würdevoll gestaltet.