Großkarolinenfeld – Bereits im vergangenen Jahr wurde die Wiedereröffnung der Karolinenkirche in Großkarolinenfeld feierlich begangen. Dem schloss sich nun die Weihe des neuen Geschichtsortes an. Dieser ist Teil des Leader-Projekts „Kulturort Karolinenkirche“, wodurch die Medientechnik der Kirche Förderung erhielt. Die Karolinenkirche soll künftig als attraktiver Kulturort in der Region durch Kunst, Musik und unterschiedliche Veranstaltungen vielen Menschen offenstehen.
Neuer Geschichtsort
eröffnet
Das Projekt hat einen Gesamtumfang von 120.000 Euro. Die Leader-Fördersumme beträgt 49.000 Euro. In Beisein von Bürgermeister Bernd Fessler und dem Gemeinderat sowie Vertretern der Leader-AG Mangfall Inntal und aller Projektbeteiligten wurde kürzlich mit der Eröffnung des Geschichtsorts auch der Abschluss des Gesamtprojekts gefeiert.
Der neu gestaltete Kirchenraum ist ideal, um bildende Kunst, Musik und Literatur zur Geltung zu bringen. Jedoch fehlte es bisher an Material zur Vermittlung der Geschichte sowie an Ton-, Licht- und Veranstaltungstechnik. Gemeinsam mit dem Förderverein ist jetzt ein multimedialer Geschichts- und Kulturort entstanden, als Treffpunkt für die Großkarolinenfelder und Gäste.
Der Leiter des Projektes, Dr. Richard Graupner, eröffnete die Zeremonie. „Kirchen gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des Kulturerbes in Europa. Leider nutzen aber immer weniger Menschen diese Räume“, beklagte er in seiner Rede. Deshalb müsse gehandelt und verändert werden, so der Geistliche, bevor man gezwungen werde, zu schließen. „Wir tun das aus Überzeugung, weil diese Transformation eine Bereicherung für die Kirche und den Ort ist.“
Bürgermeister Bernd Fessler betonte die Einmaligkeit der Ökumene in Großkarolinenfeld und bedankte sich bei der LAG Leader Mangfalltal für die Unterstützung. „Ich erlebe hier einen Ort ohne Hürden, einen Ort ohne Distanz“, sagte Anna Bruckmeier, Behördenleiterin des AELF Rosenheim. Viele Menschen aus der Umgebung würden auf Großkarolinenfeld blicken, sagte Bruckmeier, weil es nicht überall möglich sei, „Räume dieser Qualität und mit dieser Ausstrahlung in einer Gemeinde zu haben“.
Der Vorsitzende des LAG Mangfalltal Simon Haustetter war vom Ergebnis geradezu begeistert. Er erinnerte sich an seine Jugend, als es noch Usus war, dass auf der rechten Seite vom Pfarrer aus die Frauen saßen und auf der linken Seite die Männer. „Hier in Großkaro aber sind keine Hemmnisse, sind keine Barrieren“, so der Rohrdorfer Bürgermeister.
Für Dieter Volk von der Bayern-Pfalz-Stiftung sei es ein absolutes „Muss“ gewesen, hier mitzumachen. Und auch der Förderverein Karolinenkirche mit Jörg Gottfriedsen an der Spitze freute sich über das „absolut gelungene Werk“. Stephan Niedermaier schilderte den erstaunten Gästen, welche Tontechnik in der Kirche verbaut worden sei – vom Beamer bis zur zentralen Handysteuerung der Anlage.
So könnten nun auch die Liedtexte an die Wand projiziert werden. Am Ende hatten dann die Historiker um Monika Müller-Rieger und Hans-Christian Täubrich die Ehre, Worte an die Zuhörer zu richten. Sie standen, wie Täubrich sagte, vor der großen Frage: Was passt in diesen kleinen Raum, was eignet sich für diesen Anlass?
Auch für Kinder
gut verständlich
Und dann kam man auf ein überdimensioniertes Buch, das in seitenweisen Abhandlungen die Geschichte der evangelischen Christen in Großkarolinenfeld in einfacher, aber erklärender Art darstellt. Fotos und Illustrationen machen alles verständlich – auch für Kinder. Das Buch mit Zeichnungen und zahlreichen Fotografien aus den Archiven, gestaltet vom Münchner Büro Müller-Rieger, ist damit ab sofort zugänglich für alle Besucher der ältesten evangelischen Kirche Altbayerns. Dr. Graupner und Monika Müller-Rieger enthüllten das mit einem Tuch verdeckte Geschichtsbuch und blätterten seitenweise durch.