Bad Aibling/Großkarolinenfeld – Nein, es ist nicht gerade das gewöhnlichste Hobby. Während andere regelmäßig ins Fitnessstudio gehen oder ein Musikinstrument spielen, sammelt Alexander Smoljanovic in seiner Freizeit am liebsten – Mülltonnen. Der 26-Jährige kommt aus Wanzleben in Sachsen-Anhalt und besitzt mittlerweile über 275 echte Mülltonnen.
„Wie beim
Briefmarkensammeln“
„Prinzipiell ist es wie beim Briefmarkensammeln“, erklärt er gegenüber dem OVB. Es gebe verschiedene Formen, Farben, Versionen und Größen. „Als mir meine damalige Nachbarin eine Miniatur-Mülltonne schenkte, fing alles an“, erzählt der gelernte Versicherungsfachmann vom Beginn seiner Leidenschaft. Auf der Suche nach weiteren seltenen Exemplaren ist er nun auf die Region, speziell auf Bad Aibling und Großkarolinenfeld, gestoßen – und hofft hier, wie er es nennt, auf eine erfolgreiche „Mülltonnen-Safari“.
Hinter Smoljanovic‘ Hobby steckt nicht nur die reine Lust am Sammeln. „Mein Ziel ist es, die Historie zu bewahren“, betont er. Die Mülltonne sei ein interessantes Produkt, welches leider als viel zu selbstverständlich angesehen werde. „Dabei würde unsere Umwelt ohne die Mülltonne völlig anders aussehen.“
Seine immense Sammlung an unterschiedlichsten Mülltonnen bewahrt der junge Mann in drei Garagen auf, wo sie vor Staub und Dreck bewahrt würden. Dabei stellt er klar: „In diese Mülltonnen kommt kein Abfall hinein – nur Leidenschaft.“
Smoljanovic betreibt dieses Hobby seit Jahren, ist damit schon etliche Kilometer gefahren – auch ins Ausland. Mitte Januar führte ihn seine Suche nach besonderen Highlights der Abfallwirtschaft schließlich ins Mangfalltal. Denn über die Online-Verkaufsplattform „Kleinanzeigen“ standen damals fünf alte Mülltonnen aus dem Jahr 1978 von einem Anbieter aus Bad Aibling zum Verkauf. „Diese Mülltonnen waren vom Hersteller OTTO und hatten auf dem Deckel die Prägung ‚Zöllner Großkarolinenf.‘“, erzählt Smoljanovic, der davon ausgeht, dass sich die Abkürzung auf die Gemeinde Großkarolinenfeld bezieht. Eine der Tonnen habe zudem die Beschriftung „Blech Schraubverschlüsse“ getragen. Das Besondere an den Exemplaren: „Die Mülltonnen aus den 1970er-Jahren hatten eine komplett glatte Vorderseite und die Mülltonnen aus den 1980er-Jahren hatten eine abgestufte Vorderseite“, referiert der Tonnen-Experte.
Das historische Stück von 1978 habe sich indes durch eine glatte Vorderseite, welche mit einer schmalen Leiste versehen wurde, ausgezeichnet. Laut Smoljanovic also eine Art „Zwischenversion“. Deshalb übe diese Mülltonne auch so einen großen Reiz auf den 26-Jährigen aus. Schließlich fehle genau diese – mit einem 240-Liter-Volumen – noch zur Vollendung seiner Sammlung. Auf „Kleinanzeigen“ wurden die fünf Tonnen am 15. Januar „zu einem unschlagbaren Preis von 15 Euro angeboten“, erzählt Smoljanovic. Deshalb seien sie sehr schnell vergriffen gewesen, „ich hatte keine Chance“.
Doch der Sammler, für den die gesuchten Tonnen einen wesentlich höheren persönlichen Wert als besagte 15 Euro haben, will nicht aufgeben. Deshalb würde er einem Verkäufer, der ihm das gesuchte Exemplar in einem guten Zustand anbietet – „im Idealfall ist es sogar eine der fünf verkauften Mülltonnen vom Januar aus Bad Aibling“ – auch wesentlich mehr bezahlen, versichert der 26-Jährige.
Fünf Stunden Autofahrt
sind kein Hindernis
Er würde jedenfalls fast 600 Kilometer und fünf Autostunden Anfahrt in Kauf nehmen. „Ich bin schon weiter für Mülltonnen gefahren“, sagt er. „Ich wünschte mir, dass ich einen Moment früher auf die App geschaut hätte“, ärgert sich Smoljanovic rückblickend. Der Frust sei groß, „umso größer ist mein Kampfgeist, doch noch solch eine Mülltonne zu finden“, sagt der 26-Jährige, der hofft, dass sich womöglich der Käufer der historischen Mülltonne bei ihm meldet.
Wer sich mit ihm hierzu austauschen möchte, könne sich demnach bei ihm unter der Nummer 0171/ 8005494 oder per E-Mail an wbs.deutschland@ gmail.com melden. Denn es könne durchaus sein, dass die gesuchte Mülltonne bei jemandem unbeachtet im Keller oder Schuppen steht.