Rohrdorf/Thansau – Kein lästiges Zugpfeifen mehr, das die Anwohner von Thansau und Rohrdorf schon seit Jahrzehnten nervt, dafür ein deutlich attraktiverer öffentlicher Nahverkehr: Das erhoffen sich die Grünen im Landkreis von einer Reaktivierung der einstigen Bahnverbindung zwischen Rosenheim und Rohrdorf. Einen entsprechenden Antrag haben sie bereits im Kreistag als erste Entscheidungsinstanz eingebracht, über ihn wird nach der Anfang März anstehenden Kommunalwahl entschieden werden.
Personenverkehr
nach Rohrdorf
Auf einer Infoveranstaltung in Thansau stellte Victoria Broßart, Obfrau der Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestages, die Idee nun näher vor. Der Kern der Überlegung hinsichtlich des Zugpfeifens ist, dass bei einer Wiederaufnahme des Personenverkehrs die Strecke grundlegend überholt werden müsste, um dem dann deutlich erhöhten Zugverkehr gerecht zu werden.
Derzeit wird die Strecke bis Rohrdorf ja nur von Güterzügen zum Rohrdorfer Zementwerk und zur Müllumladestation im Gewerbegebiet Grießenholz befahren. Die Strecke für erhöhten Betrieb zu ertüchtigen, würde zwangsläufig auch eine sogenannte technische Absicherung aller Bahnübergänge voraussetzen, an denen derzeit meist nur ein Andreaskreuz steht, was das Zugpfeifen zwingend notwendig macht.
Was die Verbesserung des Nahverkehrs anbelangt, so sind die Grünen überzeugt, dass eine Zugverbindung deutliche Vorteile gegenüber dem jetzigen Busverkehr haben könnte: Dann wäre zum Beispiel eine Anbindung an Rosenheim auch am Sonntag und abends nach 18.30 Uhr gegeben, die per Bus derzeit nicht angeboten wird. Auch die Mitnahme eines Fahrrads wäre möglich, was den individuellen Aktionsradius deutlich erweitern würde.
Der Münchner Verkehrsverbund jedenfalls habe eine Reaktivierung der Bahnstrecke schon länger auf einer Liste der wünschenswerten Verbesserungen in der Region, so Victoria Broßart. Die Hürden für eine Reaktivierung, das verschwieg Victoria Broßart nicht, sind allerdings durchaus erheblich: Eine positive Entscheidung des Kreistags ist nur der allererste Schritt, im späteren Verfahren müsste nachgewiesen werden, dass es genügend potenzielle Zugpassagiere gäbe, und schließlich müsste eine Kosten-Nutzen-Berechnung ergeben, dass die Vorteile für Bürger, Wirtschaft und Umwelt die Kosten überwiegen. Dass dies nicht von heute auf morgen gehen würde, ist nachvollziehbar. Victoria Broßart sprach von einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren, bis der erste Personenzug fahren könnte.
Das erscheint sehr lang, ist aber wohl deutlich kürzer als das Bemühen, alle Bahnübergänge technisch zu sichern und es insgesamt beim reinen Güterverkehr zu belassen.
Jeder Bahnübergang
ein eigenes Projekt
Denn wie Bürgermeister Simon Hausstetter auf der Veranstaltung erläuterte, wird die Bahn – anders als es wohl bei einer Reaktivierung der Fall wäre – nicht alle der rund 20 Bahnübergänge in einem Aufwasch in Angriff nehmen. Vielmehr würde jeder Einzelne als ein eigenes Projekt angesehen. Das bedeutet auch, dass diese Projekte nicht parallel, sondern wahrscheinlich nacheinander abgewickelt würden – immer vorausgesetzt, die dafür zuständige Bahngesellschaft, die InfraGo, hat dafür Zeit, Personal und Mittel.
Denn aus den Reihen des Publikums wurde darauf hingewiesen, dass die Bahn derzeit ja mit einem gravierenden Investitionsstau zu kämpfen habe, der wohl auf zwanzig Jahre hinaus Personal und Mittel bände, um nur die größten Probleme zu beseitigen. Es sei deshalb fraglich, ob da noch die Bereitschaft vorhanden sei, sich um eine Verbesserung einzelner kleiner Bahnübergänge zwischen Rosenheim und Rohrdorf zu kümmern.
Zustimmung von
rund 70 Besuchern
Der Vorschlag der Grünen fand bei den rund 70 Besuchern in der Mehrheit eine grundsätzliche Zustimmung, wenn auch Vorbehalte laut wurden: Eine Ertüchtigung der Strecke würde höhere Fahrtgeschwindigkeiten erlauben, auch einen deutlich erhöhten Zugverkehr. Es gäbe dabei dann zwar kein Pfeifen mehr, eine Befürchtung, die geäußert wurde, war aber, ob hier nicht dennoch unter dem Strich mit mehr Lärm zu rechnen sei.
Zu lösen sei auch die Frage, wie Fahrradwege entlang der Bahnstrecke zu führen seien und nicht zuletzt, wie für die Landwirte die Zugänglichkeit ihrer Felder erhalten bliebe: Man befürchtete, zu viele derjenigen Übergänge, die in erster Linie von Landwirten benutzt werden, könnten einfach aufgelöst werden.
Diese Fragen, darüber wiederum herrschte Einigkeit, sollten zunächst unter den Gemeindebürgern, vor allem unter den Anliegern, eine konsens- und mehrheitsfähige Antwort finden. Es sei entscheidend, so war auch aus dem Publikum zu hören, dass alle Punkte, die man als problematisch ansehen könnte, vorab angesprochen und diskutiert sein müssten, etwa im Rahmen einer Bürgerinitiative. Nur so könne man zu einer gemeinsamen Haltung kommen, die wesentlich dafür sei, das Projekt, so man sich mehrheitlich dafür entscheide, voranzubringen.