Bad Endorf – Eine große Trauergemeinde nahm dieser Tage von Ilse Luise Wälder, geborene Wibransky, die am 27. Januar im Alter von 89 Jahren friedlich eingeschlafen ist, sowie von ihrem geliebten Ehemann Franz Xaver Wälder, der ihr am 11. Februar im Alter von 93 Jahren folgte, Abschied.
Ilse Luise Wälder wurde am 2. Dezember 1936 in Ortelsburg in Masuren geboren. Als viertes Kind der Familie Wibransky erlebte sie schon früh die Härten des Krieges. Im Herbst 1944 floh ihre Mutter mit Ilse und ihrer Schwester Irmi nach Bremen, während der Vater und die Brüder im Krieg dienten. Hunger, Angst und Bombennächte prägten diese Zeit tief. Nach dem Krieg fand die Familie in Halfing eine neue Heimat, wo sie unter einfachen, beengten Verhältnissen lebte.
Ilse war eine fleißige und gewissenhafte Schülerin. Nach dem Besuch der Schule in Halfing absolvierte sie von 1950 bis 1953 die Mittelschule in Rosenheim. Von 1954 bis 1956 machte sie eine Lehre als Kaufmannsgehilfin im „Wollkammerl“ nahe dem Mittertor. Es war eine Zeit, an die sie besonders gerne zurückdachte. Sie liebte ihre Arbeit, lernte mit Freude und genoss trotz bescheidener Mittel ihre Jugendjahre. Später war sie bei Neckermann in Rosenheim beschäftigt. Franz Xaver Wälder wurde am 5. Juli 1932 in Fröndenberg in Westfalen als einziges Kind von Franz und Therese Wälder geboren. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten der 1920er- und 1930er-Jahre zwangen seine Familie, neue Wege zu gehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Westfalen kehrten sie nach Bayern zurück und bauten sich in Antwort eine neue Existenz mit einer eigenen Schmiede auf. Er besuchte zunächst die Grundschule in Antwort und später das Gymnasium in Rosenheim, das jedoch durch einen Bombenangriff total zerstört wurde. So musste er in die Volksschule zurückkehren, ein Umstand, den er zeitlebens bedauerte.
Er erlernte den Beruf des Kettenschmiedes. Mit dem Bezug des neuen Gebäudes in der Ströbinger Straße in Endorf im Jahr 1948 und der Eintragung ins Handelsregister begann offiziell die Geschichte der Kettenfabrik.
Mit Weitblick stellte Franz die Kettenherstellung von der Handarbeit am offenen Feuer auf maschinelle Fertigung um und führte den Betrieb erfolgreich in die Zukunft. 1955 lernten sich Ilse und Franz kennen – es war der Beginn eines gemeinsamen Lebensweges. 1957 heirateten sie. 1958 wurde Tochter Beate geboren, 1961 Sohn Franz Josef. In den schwierigen Anfangsjahren des Betriebs unterstützte Ilse ihren Mann tatkräftig und selbstverständlich. Sie war sich keiner Arbeit zu schade.
Während Franz in seiner Freizeit sportlich sehr aktiv war – ob beim Tischtennis, Tennis, Fußball, Faustball oder Skifahren – widmete sich Ilse mit ganzer Hingabe der Familie. Sie war eine liebevolle, gutmütige und humorvolle Mutter, die stets ruhig und besonnen blieb. Ihr warmherziges Wesen, ihre Geduld und ihr vorbildlicher Charakter prägten das Familienleben.
Als leidenschaftliche Hausfrau und hervorragende Köchin schuf sie ein Zuhause voller Geborgenheit. Franz Wälder engagierte sich neben seiner beruflichen Tätigkeit und dem Sport auch ehrenamtlich, unter anderem im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank in Rosenheim.
In den 1970er- und 1980er- Jahren unternahm das Ehepaar gerne Reisen mit den Kindern, später auch zu zweit. Während Franz ferne, exotische Länder schätzte, blieb Ilse am liebsten in ihrem gemütlichen Heim – ihrem Lebensmittelpunkt.
Gemeinsam feierten sie die goldene, die diamantene und 2022 die eiserne Hochzeit mit 65 Ehejahren. Besonders große Freude bereitete ihnen ihr erstes Urenkelkind. Das zweite Urenkelkind konnte Ilse leider nicht mehr wahrnehmen. In den letzten Lebensjahren verschlechterte sich Ilses Gesundheitszustand zunehmend. Seit 2023 wurde sie im Pflegeheim in Halfing liebevoll betreut.
Bis auf wenige Ausnahmen besuchte Franz seine Frau täglich. Am 27. Januar schlief Ilse friedlich ein. Den Verlust seiner geliebten Frau konnte Franz nicht überwinden – nur zwei Wochen später verstarb er am 11. Februar zu Hause.
Nach dem Trauergottesdienst in der Pfarrkirche St. Jakobus zu dem die Orgel spielte, der Chor sang und den Pfarrer Philipp Werner zelebrierte, wurde das Ehepaar gemeinsam auf dem Friedhof in Bad Endorf beigesetzt. Mit ihnen gingen zwei Menschen, die durch Fleiß, Bescheidenheit, Zusammenhalt und tiefe gegenseitige Liebe beeindruckten. Ihr Leben war geprägt von Entbehrung und Aufbau, von Verantwortung und Fürsorge – vor allem aber von einer außergewöhnlichen Verbundenheit. amf