Gemeinsam durch dick und dünn

von Redaktion

Stephanskirchener Paar verliert über 140 Kilo mit der Abnehmspritze – Das sind ihre Erfahrungen

Stephanskirchen – Über 140 Kilo weniger als noch vor anderthalb Jahren bringen Steffi Kroboth und Bastian Schmid aus Stephanskirchen auf die Waage. Wie sie das geschafft haben? Mit der Abnehmspritze. Warum das Paar eigentlich gar nicht abnehmen wollte und Steffi dann doch zum viel diskutierten Ozempic greifen musste.

„Ich war schon immer übergewichtig“ – in diesem Punkt ist Steffi Kraboth (37) immer ehrlich zu sich selbst gewesen. Die Stephanskirchenerin wog „in besten Zeiten“ 240 Kilogramm. Eine Zahl, die sich auch mit dem schmeichelhaftesten Outfit nicht kaschieren lässt. Aber: „Ich war auch schon immer sehr selbstbewusst und rede offen darüber“, sagt die 37-Jährige. Und genau dieser Offenheit hat sie wohl auch die 68.000 Abonnenten auf ihrem Instagram-Profil zu verdanken. Denn da teilt sie schonungslos offen ihre Abnehmreise, die eher unfreiwillig vor über zwei Jahren begonnen hat.

Offene Beine und die
Diagnose Typ-2-Diabetes

„Eigentlich hatte ich gar nicht vor, abzunehmen“, sagt Kroboth. Doch dann erhielt sie die „Abnehmspritze“ – bei der es sich eigentlich um ein Medikament für Betroffene von Typ-2-Diabetes handelt. Eine Diagnose, die auch sie unerwartet erhielt. Es begann, so erzählt es Steffi Kroboth, 2022 mit einem seltsamen Ausschlag an ihren Zehen, der sich rasch über beide Beine ausbreitete. „Meine Beine waren bis zu den Knien offen.“ Sie hätte verschiedene Ärzte aufgesucht, keiner von ihnen habe die Ursache bestimmen können. „Man hat mir gesagt, es könnte an der Corona-Impfung liegen“, sagt die 37-Jährige.

Deswegen habe Kroboth Ihren Hausarzt gewechselt. Ihre neue Ärztin habe eine Blutuntersuchung vorgenommen und dabei auch den Blutzuckerwert geprüft. Da dieser viel zu hoch war, war die Ursache schnell klar. Denn Wundheilungsstörungen – oft an den Füßen – sind ein typisches Zeichen für chronisch erhöhten Blutzucker. Die Hausärztin verschrieb ihr Ozempic. Ein Medikament zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, das nebenbei den Appetit zügelt und oft zu einem starken Gewichtsverlust führt.

So auch bei Steffi Kroboth. „Ich habe es sofort gemerkt. Mein Kopf war auf einmal still.“ Ihr Appetit war deutlich gedämpft, die Heißhungerattacken verschwanden. Ein Zustand, den sie nicht kannte. Schnell normalisierte sich der Blutzuckerwert und das Gewicht ging runter – über 100 Kilo. Zusätzlich habe sie ihre Ernährung umgestellt: weniger Fett und Kohlenhydrate, kein Zucker, dafür viele proteinhaltige Lebensmittel, die lange sättigen. „Ich fühle mich fitter, komme im Gegensatz zu früher problemlos Treppen rauf und runter und schwitze nicht mehr so schnell bei Bewegung.“ Später stieg die Stephanskirchenerin auf das Medikament Mounjaro um. Der Wirkstoff wird wie Ozempic einmal wöchentlich gespritzt und ist für Typ-2-Diabetiker sowie Adipositas zugelassen.

Beeindruckt von ihrem Fortschritt begann auch ihr Lebensgefährte Bastian Schmid mit der Abnehmspritze. Auch er ist übergewichtig und geht mit Steffi seit über 20 Jahren buchstäblich durch dick und dünn. Seine Bilanz: „Ich habe 40 Kilo abgenommen.“

Das Paar lernte sich 2005 kennen. Damals betrieb Schmid ein Internetcafé in Raubling. Gemeinsam führten sie später eine digitale Videothek, bevor sie ihr eigenes Unternehmen gründeten. „Es musste etwas aus dem Food-Bereich sein“, sagt sie und lacht. Inzwischen beschäftigen die beiden zwölf Mitarbeiter in ihrer Gewürzmanufaktur Biorausch in Stephanskirchen.

Über ihren Weg spricht Kroboth offen in den sozialen Medien. „Das ist für mich wie ein Tagebuch.“ Auf ihrem Instagram-Account teilt sie Rezepte und bewirbt die Gewürze ihrer Firma. Gleichzeitig gibt sie ihren Followern Einblicke in ihre Abnehmreise und die Erfahrungen mit Mounjaro. Sie teilt auch ihre Gefühle, wie sie mit den Nebenwirkungen der Abnehmspritze umgeht, und versucht, mit Tabus rund um Übergewicht zu brechen. Auch mit den Nebenwirkungen der Abnehmspritze, in ihrem Fall Haarausfall, und der hängenden Haut nach der Abnahme geht sie transparent um. „Ich glaube, dass wir mehr davon brauchen.“ Denn so will sie anderen Betroffenen Mut machen und zeigen: „Du bist nicht allein.“

Die Angst vor
dem Jo-Jo-Effekt

Die Abnehmreise ist für Steffi Kroboth aber noch nicht beendet. Die Abnehmspritze absetzen will sie noch nicht. „Man ist sofort im Rebound, also nimmt wieder zu.“ Das bestätigen Experten. Nachdem Patienten erfolgreich mit der Abnehmspritze Gewicht verloren haben, müssen sie die Therapie langfristig, oft sogar lebenslang, fortsetzen, teilt Elisabeth Siebeneicher, Sprecherin des Romed-Klinikums, mit. Patienten müssten dauerhaft ihre Ernährung umstellen, sich regelmäßig bewegen, sowie Portionskontrolle und ärztliche Kontrollen durchführen, um Muskelmasse zu erhalten und Jo-Jo-Effekt zu vermeiden.

Im Adipositaszentrum Bad Aibling werden Menschen, die an krankhaftem Übergewicht leiden – meist ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 – behandelt. Die leitenden Ärzte Prof. Dr. Kai Nowak und Dr. Sandra Sommerey setzen auf eine „multimodal konservativ-therapeutische“ Behandlung. Das heißt, es werden Operationen zur Behandlung des Übergewichts durchgeführt, aber auch Ernährungsberatung, Bewegungstherapie, psychologische Therapie und Nachsorge werden angeboten.

Die Basis sei, so Siebeneicher, immer eine Lebensstiländerung. Medikamente und eine Operation kämen bei schwerer Adipositas oder fehlendem Erfolg hinzu. Aber auch Begleiterkrankungen spielen eine Rolle, etwa Typ-2-Diabetes: Die Blutzuckererkrankung trete bei Adipositas sehr häufig auf, Übergewicht gelte als stärkster Risikofaktor. „Etwa 80 bis 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig oder adipös“, so die Klinik-Sprecherin.

Die Kosten für die Abnehmspritze können sich nur Privatversicherte erstatten lassen. „Ob eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, hängt vom konkreten Einzelfall ab“, erklärt ein Sprecher des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen auf Nachfrage. Gesetzliche Krankenversicherungen dürfen laut des Verbandes Gesetzlicher Versicherungen die Kosten für Arzneimittel, die etwa zur Regulierung des Körpergewichts eingesetzt werden, nicht erstatten.

Abnehmspritze als
Alternative zu Operationen

Zu den chirurgischen Möglichkeiten, Übergewicht langfristig zu behandeln, gehören der sogenannte Magenbypass oder der Schlauchmagen. Dabei handelt es sich um Verfahren, bei denen der Mageninhalt verkleinert wird. Allerdings ist der Eingriff irreversibel. Lebenslange Nachsorge und Vitaminsupplementation seien laut den Experten des Adipositaszentrums nötig. Allerdings sei die Erfolgsquote bei Operationen höher: Denn die Abnehmspritzen erreichten meist nur zehn bis 15 Prozent Gewichtsverlust, hinzu käme der starke Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen. Zudem spreche die hohe Remissionsrate, also das Verschwinden der Symptome des Typ-2-Diabetes, für eine Operation.

Für Steffi Kroboth käme eine Operation nicht infrage. „Ich würde gerne noch fünf bis zehn Kilo abnehmen, das Gewicht ein Jahr halten und dann eine Therapie machen“, sagt sie. Das ist ihre Strategie, um das Medikament absetzen zu können. Auch diesen Weg will sie teilen und weiterhin „missionieren gehen“.

Welche Abnehmspritzen sind überhaupt zugelassen?

Vortrag zur Abnehmspritze

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