Humoriger Katastrophentourismus

von Redaktion

Theaterverein Halfing zeigt „Kaltgestellt“ im Pfarrheim

Halfing – Mit der Tragikomödie „Kaltgestellt“ von Arno Boas brachte der Theaterverein Halfing am vergangenen Samstag ein ebenso unterhaltsames wie nachdenklich stimmendes Gegenwartsstück im Pfarrheim auf die Bühne. Die Premiere lockte zahlreiche Besucher an; das Publikum reagierte mit vielen Lachern, wurde aber zugleich für das Thema Sensationslust und Katastrophentourismus sensibilisiert.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe sogenannter Gaffer, „Sensationstouristen“, die stets auf der Suche nach dem nächsten Sensationskick sind. Für ihren Ausflug verschlägt es die Ortsgruppe des „Bundesverbands der deutschen Schaulustigen-Vereinigung“ in eine Skihütte in den Bergen, wo sie hoffen, eine Lawine live mitzuerleben. Ihr selbstbewusst formulierter Leitspruch „Wo andere vor der Glotze hocken, da sind wir längst schon auf den Socken!“ macht rasch deutlich, wie sehr Sensationslust hier selbstverständlich geworden ist.

Als sie jedoch eingeschneit werden und gemeinsam mit drei weiteren Personen in der Hütte festsitzen, wird aus dem geplanten Spektakel eine unerwartete Bewährungsprobe. Enge, Kälte und knappe Vorräte sorgen für Spannungen, die zwischen pointiertem Wortwitz und nachdenklichen Momenten wechseln. Am Ende erleben die Gaffer tatsächlich eine Katastrophe – allerdings anders, als erwartet. Angeführt wird die Gruppe von Rudi (Andreas Hartl), der mit militärischem Organisationsdrang das Kommando übernimmt. Seine häufige Einleitung „Wenn du mich frogst …“ wird von seiner Frau Hertha (Angie Schuhmacher) regelmäßig trocken mit „Di frogt aber koaner“ beendet – ein Running Gag, der für viele Lacher sorgte und zugleich die Spannungen in dieser Ehe offenlegt.

Mit Sohn (Andi Fegl junior) und Schwiegertochter (Lisi Brechlin) in spe sowie zwei weiteren Gaffern (Robert Binder und Sandra Guggenbichler) entsteht rasch eine vielschichtige Gruppendynamik zwischen Pflichtbewusstsein, Eitelkeit und Überforderung. Als schließlich noch ein arbeitsloser werdender Familienvater (Marcel Brechlin) mit seiner schwangeren Frau (Sandra Fegl) sowie der karrierebewusste „Manager des Jahres“ (Max Zunhammer) in der Hütte Zuflucht suchen, verschieben sich die Fronten.

Regisseur Andreas Fegl senior inszenierte das gesellschaftlich relevante Thema des Gaffens mit feinem schwarzem Humor und sicherem Gespür für Tempo und Stimmungswechsel. Das detailreich gestaltete Bühnenbild einer eingeschneiten Skihütte unterstrich die Situation eindrucksvoll. Für Ton- und Lichttechnik zeichneten Robert Maier, Helmut Gruber und Charly Seidinger verantwortlich. Souffleuse Monika Ganserer sowie Maskenbildnerin Jacqueline Egold trugen ebenso zum gelungenen Gesamtbild bei.

Weitere Aufführungen finden am heutigen Samstag, 28. Februar, Freitag, 6. März, Samstag, 7. März, und Samstag, 14. März, jeweils um 20 Uhr, sowie am Sonntag, 1. März, um 14 Uhr und am Sonntag, 15. März um 18 Uhr im Pfarrheim Halfing statt.

Karten sind im Vorverkauf bei Schuh Flori sowie an der Abendkasse erhältlich.

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