Kolbermoor – Es hätte für Anne Willkommen (38) aus Kolbermoor ein weitgehend sorgenfreier Tag werden sollen: der 28. Februar, an dem die 38-Jährige, eigentlich im November geboren, ihren zweiten Geburtstag feiert. Denn am 28. Februar 2022 hatte der an Leukämie erkrankten Frau ein Fremder Stammzellen gespendet – und ihr damit das Leben gerettet. Doch zum Feiern wird der 38-Jährigen nicht zumute sein. Schließlich ist der Krebs zurück, ebenso die kräftezehrende Chemotherapie sowie die Angst um das eigene Leben.
Doch zurück ist auch etwas, das ihr Hoffnung und zusätzlichen Lebensmut geben wird: Das „Team Anne“, das sich bereits nach ihrer ersten Leukämie-Diagnose gegründet hatte, rührt schon wieder kräftig die Werbetrommel, um möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich typisieren zu lassen. Was letztlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen möglichen Lebensretter für Anne Willkommen zu finden.
3.000 Teilnehmer
sind das große Ziel
Der Glaube an einen positiven Ausgang bei ihrer Mädelsclique, dem „Team Anne“, ist ungebrochen: „Für uns gibt es keine andere Option, als dass ein passender Spender gefunden wird“, sagen die beiden Team-Mitglieder Nancy Gläsner (35) und Kathrin Schmidtschläger (35). „Alles andere ist nicht vorstellbar.“
Als ihr Anne von der neuerlichen Leukämie-Erkrankung berichtet hat, habe es ihr „den Boden unter den Füßen weggezogen“, schildert Gläsner. Ähnlich ging es Kathrin Schmidtschläger: „Ich hab‘s nicht fassen können.“ Doch der Schock war schnell dem Tatendrang gewichen. Die Mitglieder der siebenköpfigen Mädelsclique besannen sich darauf, was sie schon 2021 so stark gemacht hatte: der gemeinsame Kampf für ihre Freundin Anne. Im Mittelpunkt steht auch jetzt wieder das Ziel, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich typisieren zu lassen, um die Chancen, einen geeigneten Stammzellenspender für Anne Willkommen zu finden, zu erhöhen.
Und gleichzeitig passende Spender für andere Menschen zu finden, die an Leukämie erkrankt sind. Hatte das Team 2021 noch eher regional agiert und beispielsweise, unterstützt von Franz Stettner junior von der gleichnamigen Obstbrennerei in Kolbermoor, eine große Typisierungsaktion organisiert, will die Mädelsclique ihr Engagement jetzt auf ganz Bayern ausdehnen.
Dazu hat das „Team Anne“ unter dem Titel „Lass mal Leben retten“ die „stärkste bayerische Pokalmeisterschaft gegen Leukämie“ ausgerufen. Die Pokalmeisterschaft, deren Schirmherrschaft Franz Stettner junior übernommen hat, richtet sich dabei an alle Vereine im Freistaat – vom Autoclub bis zum Zuchtverein, von der Frauengemeinschaft bis zum Männergesangsverein. Aufgabe der teilnehmenden Vereine ist es, eine Typisierungsaktion auf die Beine zu stellen, die dann von der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) fachmännisch unterstützt wird.
Ob diese Typisierungsaktionen dann mit oder ohne „Rahmenprogramm“ stattfinden, ist letztlich jedem Verein selbst überlassen. Vom Frühschoppen über ein sportliches Event bis zur Lebensretter-Party – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. „Unser Ziel ist es, so viele Typisierungen wie möglich zu erreichen“, sagt Nancy Gläsner. Kathrin Schmidtschläger ergänzt: „Vor sechs Jahren haben wir unser Ziel, 3.000 Menschen zur Typisierung zu bewegen, leider nicht ganz erreicht. Dieses Mal wollen wir die 3.000 aber schaffen.“
Anmelden können sich Vereine, die sich als Lebensretter engagieren wollen, bis Sonntag, 15. März, unter der E-Mail-Adresse kontakt@team-anne.de. Folgende Angaben sollten per E-Mail gemacht werden: Name, Ort und Größe des Vereins, Ansprechpartner mit Telefonnummer beziehungsweise E-Mail-Adresse sowie Angaben zur Aktion, die zur Typisierung geplant wird, inklusive des Datums der Veranstaltung. Die Typisierungsaktion selbst muss spätestens bis Freitag, 15. Mai, durchgeführt sein.
Auch wenn der größte Gewinn für die teilnehmenden Vereine zweifelsohne das gute Gefühl sein wird, mit der Aktion Leben zu retten, winkt ihnen doch noch ein spezieller Gewinn: So wird der Verein, der im Verhältnis zu seiner Mitgliederzahl die meisten Typisierungen einsammelt, den Titel des Pokalsiegers tragen dürfen – inklusive echtem Pokal. Zudem macht sich das „Team Anne“ derzeit über weitere mögliche „Belohnungen“ Gedanken.
Anne Willkommen
kämpft im Krankenhaus
Während für bayerische Vereine nun also der Wettlauf gegen den Teilnahmeschluss beginnt, kämpft Anne Willkommen in einem Münchner Krankenhaus mit aller Kraft gegen die aggressive Erkrankung. Die erste Phase ihrer Chemotherapie hat die tapfere junge Frau, die sich seit Jahren im Verein „24h gegen Krebs“ für Präventionsmaßnahmen engagiert, hinter sich gebracht. „Ihr geht es derzeit den Umständen entsprechend“, sagt Gläsner, die die 38-Jährige bereits zweimal im Krankenhaus besuchen konnte. Das „Team Anne“ wird nun in den kommenden Wochen voller Elan darauf hinarbeiten, dass sich so viele Vereine wie möglich am Typisierungswettbewerb beteiligen. Und somit die Wahrscheinlichkeit, dass ein passender Spender für Anne Willkommen gefunden wird, nach und nach steigt. Denn das Ziel der Mädelsclique ist klar: Ihre Kolbermoorer Freundin soll so schnell wie möglich nicht nur zwei, sondern gar drei eigene Geburtstage in ihrem Kalender stehen haben.
Registrierungsset unter www.dkms.de/aktiv-werden/spender-werden