Der Hias derbleckt Vogtareuther Wahlkampf

von Redaktion

Hochzeitslader Matthias Frai glänzt mit seiner Fastenpredigt beim Starkbierfest in der Turnhalle

Vogtareuth – Der Trachtenverein Unterinntaler Vogtareuth unter Vorstand Helmut Hofstetter rief zum Starkbierfest mit Fastenpredigt, und die Vogtareuther strömten in großer Zahl in die Schulturnhalle. Alle warteten gespannt auf das Derblecken durch den Hias, alias Matthias Frai, bekannt auch als Hochzeitslader. Wem würde so kurz vor der Kommunalwahl der Kopf gewaschen, wie würden die beiden Wettbewerber um das Amt des Bürgermeisters wegkommen?

Doch bis es so weit war, mussten sich die Gäste in der voll besetzten Turnhalle gedulden, die hübsch mit weiß-blauen Tischtüchern und bunten Primeln auf den Tischen geschmückt war. Zu einer solchen Predigt brauchte es eine solide Grundlage mit fester und flüssiger Nahrung sowie musikalischer Unterhaltung durch die Vogtareuther Musi.

Eröffnungsgedicht
„politisch frai“

Dann ging es los mit einem Eröffnungsgedicht in Mundart, in dem sich Hias als „politisch frai“ outete und „an schena Starkbierdog“ wünschte. Für ihn selbst sei der Tag eher stressig gewesen, denn die Sache sei vertrackt: Eine Journalistin bewerbe sich um einen Platz im Gemeinderat, die zudem noch über seine Fastenpredigt schreibe. Er werde ihr aber genau auf die Finger schauen.

Den „schena Starkbierdog“ hatten die Vogtareuther dann tatsächlich. Ein ums andere Mal traf der Fastenprediger den Nerv des Publikums, es wurde gelacht und geklatscht. Schließlich stand die Rede ganz im Zeichen des Kommunalwahlkampfes – und der Hias kennt schließlich die kleineren und größeren Schwächen seiner Mitbürger. Nahezu alle politischen Akteure und solche, die es werden wollen, bekamen ihr Fett weg – durchaus deftig, aber fair: vom scheidenden Bürgermeister, von dem im vergangenen Jahr nichts mehr zu vermelden war, bis hin zu beiden Bürgermeisterkandidaten mit ihren Kandidaten-Teams.

Genüsslich zerlegte er das Wahlplakat der AfG/ÜWG. Hier buhlten auf einer blühenden Wiese bei „am richtig scheena Sommerdog“ die Kandidaten mit Jacke, Mantel und Mütze um die Stimme des Wählers. Wie konnte das sein? Und auch die einst umstrittene Umgehungsstraße war nicht zu sehen. „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“.

Merkwürdigkeiten gab es auch auf der Liste der CSU/Parteifreie: Im Vogtareuther Gemeindeblatt waren nur die Namen der Kandidaten von Listenplatz eins bis acht zu lesen. Die Kandidaten ab Platz neun zählen wohl nur „unter anderem“, vermutete Hias. Ernst wurde er, als er an einen Kandidaten erinnerte, der sich stets in den Dienst der Partei stellte, aber keinen Listenplatz bekommen hatte: „Das ist menschlich nicht gut!“

Wenig fotogen getroffen waren auf den Prospekten die beiden Bürgermeisterkandidaten Hans Bürger-Schuster (CSU) und Alois Anetsberger (AfG), fand Hias. „Die grauen Haare vom Hans glänzen fast weiß hervor vor dem blauen Hintergrund der CSU, passend zu den Farben unseres Himmels Weiß und Blau.“ Alois hatte ein Bild gewählt, „des is a bissel älter, da is er halt a bissel jünger“. Um bekannter zu werden, machte der Kandidat Alois Anetsberger Haustürwahlkampf. Einen solchen Haustürwahlkampf empfahl der Fastenprediger dem CSU-Bürgermeisterkandidaten Bürger-Schuster allerdings nicht: Dieser wäre wohl ein halbes Jahr unterwegs, weil er bei jedem Zweiten einkehren müsste.

Lösungen
sind gefragt

Zum Schluss mahnte der Fastenprediger eindringlich alle Kandidaten: Lösungen seien jetzt gefragt bei dem Thema, das den Wahlkampf bestimmt – das Wasser! Nicht die Schuld nur auf den Bürgermeister schieben, auch der jetzige und vorherige Gemeinderat „hat einiges verbockt“.

Mit einem Lacher und viel Schlussapplaus endete die einfallsreiche und gelungene Rede des Fastenpredigers: Wer sich bei den Gemeindegrenzen nicht so gut auskenne, dem sei im Winter geraten: „Ab da, wo geräumt ist, da beginnt die Nachbargemeinde!“

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