Oberaudorf – Die Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes plant den Ersatzneubau der Brücke über die Autobahn an der Anschlussstelle in Oberaudorf. In einer Informationsveranstaltung stellten Josef Seebacher, der für Kommunikation zuständig ist, und der Projektleiter Dominic Tzolov das Projekt vor.
Es zeigen sich
schon Risse
Grund für die Erneuerung ist laut Tzolov der aktuelle Zustand der Brücke. Da an einigen Stellen die Bewehrung frei liegt, sich Risse gebildet haben und Wasser durch die Brücke sickert, hat diese bei der jüngsten Prüfung die Zustandsnote drei Komma null erhalten. Dies bedeutet, dass „dringender Handlungsbedarf“ besteht. Die Brücke muss also durch einen Neubau ersetzt werden.
Die jetzige Brücke hat zwischen den beiden Widerlagern vier Felder, die auf drei Pfeilern liegen. Die neue Brücke wird ihre Widerlager näher an der Autobahn und nur einen Pfeiler in der Mitte haben. So sind nur zwei Brückenfelder mit einer Länge von jeweils 21 Metern nötig. Die Brücke wird somit kürzer, gleichzeitig aber breiter. Die Straße wird um einen Meter auf acht Meter verbreitert, der Geh- und Radweg auf der Nordseite wird drei Meter breit sein. Außerdem ist zum Schutz der Fußgänger und Radfahrer eine sichere Abtrennung ihres Bereichs von der Fahrbahn vorgesehen. Die Verbreiterung erfolgt nach Süden, sodass die Baumreihe im Norden erhalten bleiben kann.
Ein Oeraudorfer wollte wissen, ob eine Stahlbrücke schneller und kostengünstiger zu bauen wäre. Laut Seebacher hängen die Kosten bei Stahlbrücken stark vom aktuellen Stahlpreis ab, außerdem gibt es Probleme mit der Korrosion. Die einzige Stahlbrücke in der Region, die über die Tiroler Ache führt, weist schon nach 30 Jahren Schäden am Korrosionsschutz auf, sodass dieser aufwendig erneuert werden muss.
Während der Bauzeit kann der Verkehr über eine Behelfsbrücke laufen, die auch einen Geh- und Radweg hat. Nachdem die Bäume im Bereich der Zufahrt zur Behelfsbrücke bereits im Februar gefällt worden sind, sieht der weitere Zeitplan vor, dass im Mai diese Flächen gerodet werden. Ab September soll der Bau der Behelfsbrücke laufen.
Der Neubau der Brücke ist für den Zeitraum von Januar 2027 bis Februar 2028 vorgesehen. An einem Wochenende im Februar 2027 wird es dabei laut. Wenn bei Vollsperrung der Autobahn die Brücke abgebrochen wird, ist mit einem Lärm zu rechnen, der in ganz Oberaudorf zu hören ist. Abgeschlossen sollen die Bauarbeiten im April 2028 sein.
Für den Aufbau und die Demontage der Behelfsbrücke sowie den Abbruch und Neubau der Brücke muss die Autobahn mehrmals gesperrt werden. Diese Sperrungen sollen vor allem am Wochenende nachts erfolgen, wenn wenig Verkehr auf der Autobahn ist. Während der Faschingsferien sind keine Sperrungen geplant.
Bei Sperrung der Autobahn können Autofahrer den gesperrten Abschnitt westlich durch Oberaudorf oder östlich durch Österreich umfahren. Lastwagenfahrer hingegen können nur die Ausweichroute durch Österreich nehmen, da die Strecke durch Oberaudorf an drei Stellen – unter der Bahnlinie und im Burgtor – nicht die für Lastwagen nötige Durchfahrtshöhe hat. Die Fahrbahnen der Autobahn werden im Bereich der Baustelle nach außen verlegt, um einen sicheren Arbeitsraum für den Bau des Pfeilers zu schaffen. Außerdem wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer reduziert. Laut Seebacher ist dies kein Problem für die Leistungsfähigkeit der Autobahn: „Bei Tempo 80 bringe ich mehr Verkehr durch als bei 130.“
Die Gesamtkosten des Vorhabens sind mit rund zehn Millionen Euro veranschlagt, wovon acht Millionen Euro auf die Brücke entfallen. Der Rest entfällt vor allem auf den Bau eines Kreisverkehrs zwischen der Autobahn und dem Inn, durch den das geplante Gewerbegebiet nördlich der Tiroler Straße und die Flächen im Süden kreuzungsfrei angeschlossen werden.
Ein Besucher wollte wissen, ob eine Ampel an dieser Stelle nicht ausreichen würde. Diese hätte laut Seebacher den Nachteil, dass wartende Linksabbieger den Verkehr über die Innbrücke zurückstauen würden, was man vermeiden wolle. Der einspurige Kreisverkehr ist mit einem Durchmesser von 40 Metern geplant, sodass er auch mit Lastwagen problemlos passierbar ist. „Was kommt auf den Kreisverkehr?“, wollte ein Besucher wissen. Dies sei Sache der Gemeinde, so Seebacher. Ob in diesem Bereich Leitungen für Wasser, Kanal und Strom – oder wenigstens Leerrohre dafür – verlegt werden, bevor der Kreisverkehr gebaut wird, fragte ein anderer Besucher. Laut Bürgermeister Matthias Bernhardt ist dies in Absprache mit den Gemeindewerken vorgesehen. In der Brücke selbst werden aus technischen Gründen keine Leitungen verlegt, etwa weil Wasserleitungen einfrieren könnten.
Anlagen zur
Verkehrsbeeinflussung
Es gibt laut Tzolov an der Autobahn noch mehr zu tun. Geplant sind eine Erneuerung der Fahrbahndecke in diesem Bereich und die Aufstellung von Verkehrsbeeinflussungsanlagen. Dies sind elektronisch gesteuerte Anzeigen, die den Autofahrern immer aktuelle Informationen über den Verkehr und dessen Beschränkungen – etwa durch Blockabfertigung – liefern.
Die neue Brücke ist laut Seebacher für eine Haltbarkeit von 90 Jahren ausgelegt. Die nächste Erneuerung steht demnach voraussichtlich erst im Jahr 2116 an.