Ein Glückstag für die Gebirgsschützen

von Redaktion

Beim Wiagsogl´n: Hauptmann Gelesch (links) und Bürgermeister Bernhard Schäfer.Fotos Ruprecht

Die beiden Fähnriche von Raubling (links) und Valley kreuzen die Fahnen.

Raubling – „Es muss ein Sonntag g´wesn sein“ – in dem legendären Lied vom Kraudn Sepp geht es um die Schönheit und den Stolz der bayerischen Landschaft und ihrer Menschen. „Es war ein Glückstag ganz gewiss, wie unser Bayernland entstanden is“, so der wiederkehrende Refrain. Treffender hätte die singende Anspielung auf einen „Glückstag ganz gewiss“ beim Patenbitten der Gebirgsschützenkompanie (GSK) Valley bei der GSK „Oberer Wasen“ Raubling im Huberwirtsaal nicht sein können. Mit einem Ehrensalut der „Patenbitter“ aus dem Mangfalltal im Landkreis Miesbach vor dem Gasthaus begann ein Novum an Patenbitten, wie es die Gebirgsschützen schildern: „Gebirgsschützenkompanien haben überwiegend jahrhundertealte Traditionen, und Patenbitten seien nicht überliefert.“ Nachdem die GSK Valley im Jahr 2024 wiedergegründet wurde, war die vor 22 Jahren wiedergegründete GSK Raubling der „Wunsch-Göd“, den man in einem humorvollen, harmonischen, bisher nicht dagewesenen Festabend als Paten auserkoren und ihn darum gebeten hatte.

Die Idee vom
Patenbitten

„Do geht des boarische Herz auf“, meinte „Osager“ Sepp Lausch, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, der auch erfahrener Hochzeitslader ist, als er auf den voll besetzten Saal blickte. „Patenbitten is a bisserl wia vor a Ehe, und wenn ma se wia um a scheens Madl bewirbt, dann muass ma scho durch a Tal der Tränen geh, bis ma zu am Ergebnis kimmt“, schmunzelte er und bezeichnete die GSK Raubling als „fesche Braut“ und die GSK Valley als „Bräutigam“ in seinen Wortspielen.

„Wia es für uns boarische Leit g´hört, machan mia des Patenbitt´n mit Anstand, zünftig und lustig, aba so, dass koana beleidigt sei muass“, so Lausch zum Programmablauf. Die GSK Valley hatte auch zur musikalischen Unterhaltung die Blaskapelle Helfendorf mitgebracht, die schneidig aufspielte. Robert Oschwald, Hauptmann der GSK Raubling, freute sich nicht nur über das Ansinnen der Gäste, sondern auch über viele Ehrengäste, an der Spitze die beiden Bürgermeister Olaf Kalsperger (Raubling) und Bernhard Schäfer (Valley) sowie Hubert Dorn, Bezirksrat und Ehrenmitglied der GSK Valley, und mehrere Abordnungen befreundeter Kompanien.

Loris Marco Gelesch, der Kompaniehauptmann von Valley, erzählte, wie sie auf den Gedanken kamen, in Raubling um Patenschaft zu bitten. Es sei eine lustige Begebenheit während der Wiedergründungsversammlung im Jahr 2024 gewesen, als uns einige „fremde Gestalten“ in der Runde auffielen. „Die haben recht g´scheid g´redt und bei näherer Unterhaltung erfuhren wir, dass sie von der GSK Raubling sind.“ Bis dato waren sie im Jahr 2004 die letzte Kompanie, die wiedergegründet wurde, und haben nicht damit gerechnet, dass überhaupt noch jemand nachfolgt. „De war´n von Anfang o sehr nett und so hat se ois entwickelt“, blickt er auf das erste Obandln zurück. „A Patenkompanie de zu uns passt, wo ma de Kameradschaft schätzt und acht, de si gern mit uns auf in a gemeinsame Zukunft macht. Uns glangat a scho a ganz oafachs Ja“, trug er in Versform vor.

Raublings Hauptmann Oschwald und Lausch baten nun die Valleyér Hauptmannschaft einschließlich Bürgermeister Schäfer auf die Bühne, denn reden alleine genüge noch nicht, jetzt müssten schon noch Taten folgen. In einer Fragerunde mussten bayerisches Brauchtum und Kultur beantwortet werden.

„Als Ehrenhauptmann nimm ihr mir das Recht, dass i zu derer G´schicht a no was sag´n mecht“, verfasste Wilhelm Schmidt eigens ein Gedicht über diesen besonderen Tag. Als die Raublinger schwere Holzscheite auf die Bühne trugen, ahnten die „Bittsteller“ nichts Gutes. Allerdings mussten sie nicht, wie andernorts durchaus schon geschehen, darauf bittend scheitelknien, sondern „nur“ mit der Wiagsog möglichst schnell das Scheit durchsägen. Hauptmann Gelesch und Bürgermeister Schäfer krempelten die Ärmel hoch und legten sich ins Zeug, dass sich sogar ein Handgriff selbstständig machte, trotzdem unter tosendem Applaus die „Pflicht“ erfüllten. Zwischendurch spielte immer wieder die Blaskapelle auf, und die beiden Bürgermeister grüßten in herzlichen Worten. „Es freut mich narrisch, dass ich bei einer so historischen, einmaligen und noch nie dagewesenen Veranstaltung dabei sein darf“, so Schäfer.

„Es ist eine große Ehre, dass ihr aus Valley bei uns da seid, und eine große Ehre für unsere GSK, dass bei ihr um die Patenschaft angefragt wurde“, sagte Kalsperger, für den ein Patenbitten persönlich in seiner 18-jährigen Amtszeit als Erster Bürgermeister eine Premiere war.

Kompaniefahnen
gekreuzt

Nach den bestandenen „Prüfungen und Aufgaben“ durch die GSK Raubling, Beratung und Verhandlung der Auslöse mit Zusatzforderungen, folgte als Höhepunkt die offizielle Zusage der Patenschaft, die beiden Kompaniefahnen wurden gekreuzt. Die Segnung des Patenbundes nahmen Pfarrer Martin Gehringer (Raubling) und Pater Michael De Koninck (Valley) vor, ehe die Übergabe der Patenurkunde, die Bayernhymne und die Kameradschaftspflege einen „Glückstag ganz gewiss“ ausklingen ließen.

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