Flintsbach – Mit einer Mischung aus Stolz, Erleichterung und spürbarer Vorfreude hat das Volkstheater Flintsbach bei seiner Jahresversammlung die Weichen für die neue Spielsaison gestellt.
Während die Proben für die Premiere im Juni laufen, hat der Verein ein Projekt abgeschlossen, das für die Zukunft des Hauses von elementarer Bedeutung ist: die umfassende Sanierung des Theaterdachs. Was über Jahre hinweg geplant wurde und aus finanziellen Gründen immer wieder verschoben werden musste, wurde im vergangenen Herbst endlich in Angriff genommen.
Historischer Dachstuhl
statisch ertüchtigt
Zunächst wurde der historische Dachstuhl statisch ertüchtigt, jeder Sparren von innen verstärkt – eine unsichtbare, aber entscheidende Maßnahme für die langfristige Stabilität. Es folgte die Entfernung der alten, asbesthaltigen Eindeckung. Schließlich erhielt das Gebäude mit rund 21.000 Biberschwanzziegeln eine neue, dem historischen Erscheinungsbild angepasste Dachdeckung samt moderner Dämmung.
4.200 Arbeitsstunden,
428.000 Euro
Rund sechs Monate dauerte die Bauzeit, etwa 4.200 Arbeitsstunden flossen in das Projekt. Ursprünglich war die Maßnahme mit 378.000 Euro kalkuliert. Doch wie so oft bei Sanierungen im Bestand traten zusätzliche Arbeiten zutage, die zuvor nicht absehbar waren. Am Ende wird das Projekt voraussichtlich rund 428.000 Euro kosten – rund 50.000 Euro mehr als geplant. Zwar konnte der Verein Fördermittel einwerben, unter anderem aus dem Kulturfonds Bayern, von Stiftungen sowie regionalen Unterstützern. Doch ein erheblicher Teil der Zuschüsse ist bislang nur teilweise ausbezahlt oder an Prüfverfahren gebunden. Trotz externer Unterstützung bleibt daher eine Finanzierungslücke von deutlich über 160000 Euro, die das Volkstheater aus eigener Kraft stemmen muss. Ein Bankkredit sichert die Liquidität, möglicherweise muss dieser sogar noch ausgeweitet werden, bis entsprechende Fördermittel vollständig fließen. Für einen ehrenamtlich getragenen Kulturverein ist das eine enorme Belastung.
Gleichzeitig versteht man die Investition als klares Bekenntnis zur eigenen Tradition und zur kulturellen Verantwortung vor Ort. Das Theaterhaus, das seit Jahrhunderten das Ortsbild prägt, ist nun baulich für die kommenden Jahre gerüstet. Dass sich das Raumklima durch die neue Dämmung spürbar verbessert, dürfte nicht nur dem Publikum, sondern auch den Darstellern zugutekommen.
Nach dem arbeitsintensiven Jubiläumsjahr richtet sich der Blick nun nach vorn – auf einen Theatersommer, der Mitte Juni mit Johann Nestroys Posse „Einen Jux will er sich machen“ Premiere feiert. Doch bevor sich der Vorhang hebt, lohnt ein Blick auf das, was hinter den Kulissen geleistet wurde – künstlerisch wie baulich.
Spielleiter Martin Obermair stellte den Mitgliedern und Gästen zunächst den Autor des Stücks vor. Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy, 1801 in Wien geboren, war Schauspieler, Sänger und einer der bedeutendsten Dramatiker des Alt-Wiener Volkstheaters. Seine Werke gelten als leichtfüßig und unterhaltsam, doch unter der lockeren Oberfläche verbirgt sich oft scharfe Gesellschaftskritik.
Nestroy verstand es, mit Sprachwitz, musikalischen Einlagen und virtuosen Verwechslungsspielen politische und soziale Missstände zu kommentieren – nicht selten zum Missfallen der Zensur. Bis heute gehören Stücke wie „Der Talisman“ oder „Der Zerrissene“ zum festen Repertoire vieler Bühnen im deutschsprachigen Raum.
Posse mit Gesang ums Abenteuer Freiheit
Mit „Einen Jux will er sich machen“ hat sich das Flintsbacher Ensemble für eine Posse mit Gesang in vier Aufzügen entschieden, die wie geschaffen scheint für einen lebendigen Theatersommer. Im Mittelpunkt steht der Handlungsgehilfe Weinberl, der dem Korsett seines Alltags entkommen möchte. Einmal ausbrechen, einmal „einen Jux“ machen, das freie Leben kosten – mehr verlangt er zunächst nicht. Doch der Ausflug in die vermeintliche Freiheit entwickelt eine eigene Dynamik.
Maskeraden, Missverständnisse und turbulente Begegnungen treiben die Handlung voran, bis Weinberl erkennt, dass das Abenteuer reizvoll, das bürgerliche Leben aber womöglich doch nicht das schlechteste ist. Nestroys feine Ironie bleibt stets spürbar: Das Stück ist heiter, aber nie belanglos; es amüsiert und hält einen Spiegel vor.
Neues altes Dach und
frecher Klassiker
So beginnt die Spielsaison 2026 unter neuen Vorzeichen – mit einem frisch sanierten Dach über dem Kopf und einem Klassiker des Volkstheaters auf der Bühne. Wenn sich am 13. Juni der Vorhang hebt und Weinberl seinen „Jux“ wagt, dann steht dahinter nicht nur ein literarisches Erbe, sondern auch die enorme Anstrengung eines Vereins, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen – für sein Haus, seine Geschichte und für die Zukunft des Theaters in Flintsbach. re