Gefahr trotz Tempolimit auf der RO5

von Redaktion

Radfahrer der Gemeinden Rohrdorf, Stephanskirchen und Riedering haben lange für ein Tempolimit an der Kreisstraße RO5 gekämpft. Die neue Begrenzung auf 70 km/h ist für sie jedoch nur ein Teilerfolg. Anwohner und Radler sind weiterhin besorgt und fordern zusätzliche Maßnahmen für mehr Sicherheit.

Stephanskirchen – Sieht aus wie ein Schutzstreifen für Radfahrer, ist es aber nicht. Wer mit dem Rad von Ziegelberg in Richtung Niedermoosen unterwegs ist, kennt das Problem: Am Kreisel läuft der gut ausgebaute Radweg weiter Richtung Rohrdorf. Entlang der Lauterbacher Straße – der Kreisstraße RO5 – in Richtung Niedermoosen (Riedering) gibt es diesen nicht.

Tempo 70 an der
RO5 eingeführt

Stattdessen ist die Fahrbahn links und rechts gesäumt von einem weißen Streifen. Rechts von diesem Streifen ist die Straße auch mindestens einen Meter breit geteert. Allerdings ist es Radfahrern und Fußgängern eigentlich nicht erlaubt, diesen Streifen zu nutzen. Denn es handelt sich nicht, wie von den meisten angenommen, um einen Fahrradschutzstreifen. Wer es sich traut, links der Linie zu fahren, wird angehupt oder teilweise dicht überholt. Denn auch Autofahrende gehen davon aus, dass es sich um einen Radweg handelt.

Auf der Teilstrecke galt bislang ab dem Kreisverkehr Tempo 100, bevor Autofahrer in Niedermoosen ihre Fahrgeschwindigkeit auf 60 Kilometer pro Stunde reduzieren mussten. Mitte Januar 2026 erhielten die Radler ein kleines Geschenk: Die Geschwindigkeit wurde auf dem gefährlichen Streckenabschnitt auf 70 Kilometer pro Stunde reduziert, bestätigt Sybille Gaßner-Nickl, Sprecherin des Landratsamtes.

In puncto Radweg gibt es aber noch nichts Neues. Bei dem vorhandenen Seitenstreifen handelt es sich laut Gaßner-Nickl um einen Mehrzweckstreifen, der generell von Radfahrern genutzt werden könne. Als das Landratsamt die Straße im Sommer 2025 sanieren ließ, keimte bei den Radlern ein Funken Hoffnung auf, dass sich doch etwas ändern könnte. Allerdings blieb alles beim Alten, lediglich der Straßenbelag wurde instand gesetzt. Im Juni 2025, kurz nach der Sanierung der Kreisstraße, erklärte Gaßner-Nickl dem OVB, dass Radfahrer diesen Bereich jedoch nicht befahren sollten, da dort „die geltenden Sicherheitsanforderungen für den Radverkehr nicht gegeben sind“. Wer trotzdem rechts der Linie fährt, nehme eine Gefährdung in Kauf.

Seit Jahren kämpfen daher die Stephanskirchener, in deren Gemeindegebiet der gefährliche Abschnitt der Kreisstraße liegt, gemeinsam mit den Rohrdorfern und Riederingern für einen Geh- und Radweg auf der Südseite der Straße sowie eine Querungshilfe für Fußgänger zur Bushaltestelle Winterhollerweg. Trotz Unterstützung von Landrat Otto Lederer sowie den Bürgermeistern der Nachbargemeinden sind Versuche, die entsprechenden Grundstücke dafür zu erwerben, bislang gescheitert. Das wollten die Anwohner des Winterhollerwegs und der Fahrradbeauftragte Frank Wiens so nicht stehen lassen und forderten eine Nachbesserung. Unterstützung kam dabei auch vom Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Uwe Hammer, Vorstandsmitglied der ADFC-Ortsgruppe Rosenheim, wohnt selbst in Lauterbach und fährt die Strecke mehrmals pro Woche mit dem Rad. Er weiß, wie gefährlich es ist, dort zu fahren. Aber: „Es gibt keine Alternative.“

Gemeinsam mit Wiens hat der ADFC nach der Straßensanierung Beschwerde beim Landratsamt eingelegt. Im September 2025 trafen sich die Bürgermeister und der Landrat vor Ort, um weiter an Lösungen zu arbeiten. Denn, da ist sich Hammer sicher, es sei Glück, dass es noch zu keinem Unfall gekommen sei. Der ADFC hätte Messungen durchgeführt, die zeigen, dass der Überholabstand bei 85 Prozent der Überholvorgänge unterhalb der vorgeschriebenen zwei Meter lag und bei fast 50 Prozent unterhalb von 1,5 Metern.

Neben der Temporeduktion stellte das Landratsamt, in dessen Zuständigkeit Kreisstraßen fallen, im Bereich des Winterhollerwegs in beiden Fahrtrichtungen Schilder „Achtung Kinder“ mit dem Zusatzschild „Schulweg“ auf. Ein „erster Teilerfolg“, wie Bürgermeister Karl Mair (Parteifreie Bürger) bei der jüngsten Sitzung des Stephanskirchener Gemeinderates verkündete.

„Das ist hauptsächlich dem hartnäckigen Einsatz von Frank Wiens zu verdanken“, sagt Uwe Hammer vom ADFC gegenüber dem OVB. Anerkennende Worte kamen auch von den Gemeinderatsmitgliedern. Aber es blieben auch Zweifel daran, dass die Temporeduktion eine endgültige Lösung darstellt. „Auch mit Tempo 70 bekomme ich als Mutter Schweißausbrüche bei dem Gedanken daran, dass meine Kinder dort an der Bushaltestelle stehen müssten“, sagte Janna Miller (Grüne). Christian Ladner (Parteifreie Bürger) wollte wissen, ob er mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müsse, wenn er als Radfahrer den Streifen befahre. Denn er traue sich nicht, links des Streifens auf der Straße zu fahren.

Um die Sicherheit für Schulkinder zu erhöhen, könnte der Bau einer Querungshilfe an der Bushaltestelle Winterhollerweg eine Lösung sein: „Dazu sind aber ein Grunderwerb in nicht geringem Umfang und eine Verlegung der Bushaltestelle erforderlich“, so Gaßner-Nickl auf Nachfrage.

Frank Wiens macht klar, dass das Thema für ihn nicht erledigt sei. In seinem Radkampagne-Newsletter schreibt Wiens Ende Januar 2026: „Das Landratsamt wird weiterhin Post von mir bekommen.“ Während der Gemeinderatssitzung brachte er Piktogrammketten auf der Fahrbahn als mögliche Alternative ins Spiel. Die auf der Fahrbahn angebrachten Fahrradsymbole würden die Aufmerksamkeit für Radfahrer erhöhen und oft auch dazu beitragen, dass Autofahrer rücksichtsvoller überholen und fahren, so der Fahrradbeauftragte.

„Der Landkreis wird
einen Radweg bauen“

Auch das Landratsamt hat die Pläne für einen Radweg nicht verworfen und macht Zusagen. Auf Nachfrage des OVB, ob die Idee des Radwegs weiterverfolgt werde, hieß es: „Selbstverständlich. Der Landkreis wird einen Radweg bauen, sobald der erforderliche Grunderwerb erfolgt ist.“ Die Zuständigkeit dafür liege bei den Gemeinden.

So viel Abstand ist einzuhalten

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