Großkarolinenfeld – Sorgen um die Zukunft hat Lieselotte Wallner nicht. „Es sind wirklich gute Leute, die jetzt da sind“, sagt die Frau, die 18 Jahre lang Zweite Bürgermeisterin von Großkarolinenfeld war. Die vergangenen 24 Jahre saß sie dort auch im Gemeinderat. Zur Kommunalwahl am Sonntag (8. März) ließ sie sich nicht mehr aufstellen. „Ich bin jetzt 81 Jahre alt, ich bin in Rente gegangen“, sagt sie am Telefon und lacht. Den Ausgang der Wahl hat sie aber ganz genau verfolgt.
Vor allem sei sie über die Wahl von Anton Wallner zum neuen Bürgermeister froh. „Gott sei Dank hat er gewonnen“, sagt Lieselotte Wallner. Aber auch mit der neuen Besetzung des Gemeinderats sei sie sehr zufrieden. „Die Gruppierungen sind sehr ausgewogen“, sagt die langjährige Gemeinderätin. Die meisten Stimmen – 20.773 – fielen dabei auf die CSU, zumindest geht das aus dem vorläufigen Ergebnis hervor. Aus den 27,2 Prozent ergeben sich fünf von 20 Sitzen im neuen Gemeinderat – vor sechs Jahren erhielt die CSU noch sieben Sitze.
Knapp hinter der CSU landeten mit 19.877 Stimmen und 26,1 Prozent die Freien Wähler/GBV um den unterlegenen Bürgermeisterkandidaten Josef Baumann. Seine Partei ergatterte ebenfalls fünf Sitze, genauso viele wie bei der letzten Wahl. Drittstärkste Kraft ist die Parteilose listenfreie Wählerschaft (PLW). Die 17,6 Prozent und die 13.403 Stimmen bedeuteten, dass die PLW ihre vier Sitze im Gemeinderat verteidigen kann. Dahinter folgen die Grünen mit drei Sitzen – 12,8 Prozent und 9.736 Stimmen –, die AfD mit zwei Sitzen – 9,4 Prozent und 7.172 Stimmen – und die 6,9 Prozent und 5.286 Stimmen verhelfen der SPD am Ende zu einem Sitz.
So viel zu den reinen Zahlen. Besonders ein Punkt sorgt in Großkaro nach dem Wahltag für Wirbel und Kopfzerbrechen: Während die Grünen und die SPD wieder genauso viele Kandidaten in den Gemeinderat schicken können wie vor sechs Jahren, zieht die AfD dort zum ersten Mal ein. „Meine Vermutung ist, dass die verlorenen beiden Sitze der CSU zur AfD gewandert sind“, sagt der noch amtierende Bürgermeister Bernd Fessler am Tag nach der Wahl. Anton Wallner und die anderen Gemeinderäte müssten jetzt schauen, inwiefern die Zusammenarbeit funktionieren kann, bewertet Fessler den AfD-Einzug.
Ähnlich sieht es auch sein Nachfolger. „Ich habe mit beiden von der AfD noch keine Berührungspunkte gehabt, wir müssen abwarten, wie sie sich im Gremium verhalten werden und welche Bereitschaften sie signalisieren“, sagt Anton Wallner auf OVB-Anfrage. Ansonsten habe er einen Großteil der neuen Gemeinderatsmitglieder schon kennengelernt und Gespräche geführt. „Wir haben eine gute Durchmischung, zumindest aus allen demokratischen Gruppierungen. Nachdem keiner die Mehrheit hat, müssen wir als ‚Fraktion Karo‘ alle zusammenarbeiten“, sagt der designierte Rathaus-Chef. Die Partei-Ideologien müssten nach der Wahl wieder im Sinne der Gemeinde hinten angestellt werden.
Dankbar ist Anton Wallner auch, dass einige „alte Hasen“ es wieder in den Gemeinderat geschafft haben. „Mit Roman Hörfurter und Irmi Huber haben wir sehr erfahrene Mitglieder“, sagt der neue Bürgermeister. Einige Gesichter müssen sich aus dem Gremium allerdings auch verabschieden. Neben Erwin Gutsmiedl von den Freien Wählern/GBV, Yoon Tae Su von der CSU hat unter anderem auch Martin Rieder von der SPD den Einzug verpasst. „Das ist wirklich schade. Wenn er noch drin gewesen wäre und die AfD so eine Stimme weniger gehabt hätte, das hätte mich gefreut“, sagt Bernd Fessler.
Für Martin Rieder, der trotzdem Vorsitzender der Großkaro-SPD bleiben wird, gehe die Welt dennoch nicht unter. „Einerseits ist es schade, aber jetzt muss ich mir keine Gedanken machen, dass ich den AfD-Leuten die Hand geben muss“, sagt er auf OVB-Anfrage. Die Entscheidung sei der Wählerwille und den müsse man akzeptieren. „Und vielleicht dreht sich der Wind ja wieder, der Politik bleibe ich auf jeden Fall erhalten“, sagt Rieder.
Rieders Platz im Gemeinderat für die SPD nimmt in Zukunft Annette Steinbauer ein. Sie ist eines von acht neuen Gesichtern im Großkarolinenfelder Gremium. Neben Anton Wallner ziehen auch sieben weitere „Neuzugänge“ ein. Darunter sind neben den beiden AfD-Räten Thomas Lauricella und Hans Bodner, die am Montag (9. März) telefonisch nicht zu erreichen waren, unter anderem auch mit Maximilian Maicher und Patrick Bonnetsmüller zwei Neue im CSU-Team. Bei den Freien Wählern/GBV hat Jennifer Dürr den Sprung geschafft, bei den Grünen ist es Alexander Eremeev. Die PLW arbeitet in den kommenden Jahren mit derselben Besetzung wie die Jahre zuvor auch.
Lieselotte Wallner sieht die Gemeinde damit in guten Händen. Ein wenig traurig sei sie allerdings schon, nicht mehr dabei zu sein. „Das ist ein weinendes und ein lachendes Auge, es war immer eine tolle Truppe und wir haben viel auf den Weg gebracht“, sagt die 81-Jährige. Um alles Weitere müssten sich nun ihr Namensvetter und seine 20 Gemeinderäte kümmern.