Eggstätt – Nach turbulenten Jahren haben die Wähler in Eggstätt ein klares Zeichen gesetzt: Die Freien Bürger errangen die absolute Mehrheit im Gemeinderat und stärken damit Bürgermeister Christoph Kraus den Rücken.
Keine Bürgermeisterwahl, keine Stichwahl, nur noch drei statt vier Listen zur Wahl für den Gemeinderat: In Eggstätt hat sich in sechs Jahren zwischen zwei Kommunalwahlen viel verändert. 2020 gingen Hans Plank (CSU) und Christian Glas (FBE) noch in die Stichwahl. Drei Jahre später trat Bürgermeister Glas aus gesundheitlichen Gründen zurück. Bei der Bürgermeisterwahl im Oktober 2023 machte Christoph Kraus (FBE) mit 54,3 Prozent der Stimmen das Rennen. Bis 2029 ist er im Amt.
Schwieriger Start
als Bürgermeister
Sein Start als Bürgermeister war alles andere als einfach. „Dass es eine Herausforderung sein würde, war mir klar“, sagt er rückblickend. Doch dass in der Gemeinde „so viel im Argen liegt“, dass es so viele Querelen und Sticheleien im Gemeinderat geben würde, damit hatte er nicht gerechnet. Die Verwaltung wurde mit Unterstellungen angefeindet. Eine Sondersitzung des Gemeinderates im Juni 2024, die eigentlich Frieden stiften sollte, artete zum „Bauerntheater“ aus. Und die Hoffnung, dass endlich alle für die Gemeinde an einem Strang ziehen würden, erfüllte sich auch danach nicht.
Querelen wirken
bei Kommunalwahl nach
An den Verwaltungsmitarbeitern und auch an Bürgermeister Christoph Kraus sind die Streitigkeiten der letzten Jahre nicht spurlos vorübergegangen: „Die zahlreichen Störfeuer kosteten mich und natürlich auch die Verwaltung viel Zeit und Kraft.“ Nun wurde ein neuer Gemeinderat gewählt. Von den 15 amtierenden Gemeinderäten traten lediglich fünf erneut an. Auch Zweiter Bürgermeister Hans Plank (CSU) und Dritter Bürgermeister Gerhard Eder (ÜWG) kandidierten nicht noch einmal. Die Grünen, bislang mit drei Sitzen im Rat vertreten, stellten keine eigene Liste auf. Zur Wahl standen damit nur zwei Gruppierungen: die gemeinsame Liste aus CSU und Überparteilicher Wählergemeinschaft (ÜWG) sowie die Freien Bürger Eggstätt (FBE). Beide schickten jeweils 14 Kandidaten für 14 Sitze im Gemeinderat ins Rennen. Der Bürgermeister gehört kraft seines Amtes dem Gemeinderat an.
Die Eggstätter hatten die Wahl und haben ein klares Zeichen gesetzt. Die Freien Bürger Eggstätt erzielten einen fulminanten Wahlsieg. Mit 12.550 Stimmen trauen die Eggstätter dem parteiunabhängigen Bündnis zu, die Zukunft der Gemeinde zu gestalten. Die FBE konnte ihr Wahlergebnis verdoppeln und holte satte 61,5 Prozent der Stimmen. 2020 hatte die Liste noch 27,2 Prozent erreicht und damit vier Sitze im Gemeinderat. Nun erzielte die FBE die absolute Mehrheit mit neun von 14 Sitzen im Gemeinderat. Da auch Bürgermeister Christoph Kraus zur FBE gehört, hat das Bündnis also automatisch zehn von 15 Stimmen, was das „Regieren“ in der Gemeinde wesentlich vereinfachen dürfte.
So setzt sich der neue
Gemeinderat zusammen
Kajetan Huber (1.496), Stefan Meier (1.221) und Florian Erb (1.048) gehörten der FBE-Fraktion im Gemeinderat bereits an. Marianne Schönhuber (1.007) ist bislang für die ÜWG im Gremium und trat dieses Mal für die FBE an. Zudem haben die Eggstätter Sigrun Schuster (1.024), Alexander Wieland (985), Jürgen Pfluger (862), Jörg Mauser (854) und Sophia Herrmann (815) das Mandat für den Gemeinderat erteilt.
Die CSU kam 2020 noch auf 30,9 Prozent und damit vier Sitze. Die überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜWG) erreichte 20,6 Prozent und drei Sitze. Mit einer gemeinsamen Liste sammelten die beiden Gruppierungen nun 7.852 Stimmen und damit 38,5 Prozent der Stimmen. Das entspricht fünf Sitzen im Gemeinderat. Gemeinderat Bene Lange (1.245 Stimmen) wurde wiedergewählt. Neu im Gemeinderat sind Centa Birner (997), Georg Blank (850), Katharina Hekele (647) und Martin Staiger (633).
„Die Bürger wollen Frieden. Sie wünschen sich, dass wir Eggstätt gemeinsam voranbringen“, sagt Bürgermeister Kraus. „Wichtig ist, dass auch im Gemeinderat spürbar wird, dass wir eine Dorfgemeinschaft sind und für unsere Gemeinde zusammenarbeiten.“
Mit der absoluten Mehrheit im neuen Gemeinderat wird das für den Bürgermeister zwar einfacher, aber nicht anders: „Wir arbeiten genauso weiter wie bisher. Alle Fakten kommen auf den Tisch und auf deren Grundlage wird beraten und entschieden.“
Wirklich einfach wird es aber nicht, denn die „Altlasten“ der Gemeinde sind längst nicht beseitigt. „Der Projektstau ist enorm. Wir müssen ein Projekt nach dem anderen abarbeiten“, erklärt Kraus. Der Umweltskandal in Natzing von 2021 hängt der Gemeinde nach und verursacht Millionenkosten. Das neue Retentionsfilterbecken funktioniert noch immer nicht. Immer mehr Ungereimtheiten kommen zutage. Jetzt musste sich die Gemeinde sogar einen Rechtsbeistand für mögliche Regressansprüche zur Seite holen.
Eggstätt badet bis heute Fehlentscheidungen aus den Vorjahren aus – so den fehlenden Brandschutz an der Schule oder die überdimensionierte Kindertagesstätte „Hartseewichtel“, die für 4,7 Millionen Euro gebaut wurde und 74 Kindern Platz bietet. Doch nur 34 Kinder werden betreut. Die Konsequenzen sind hart: Möglicherweise muss die Gemeinde einen Teil der Fördermittel für den Bau zurückzahlen. Der staatliche Zuschuss für die Betriebskosten ist „kindbezogen“. Das bedeutet, für 40 freie Plätze gibt es keinen Cent. Das Defizit von etwa 220.000 Euro pro Jahr muss die Gemeinde stemmen.
Gemeinde braucht
„positive Schlagzeilen“
Der Investitionsstau ist groß. „Wir sind auf einem guten Weg, arbeiten ein Projekt nach dem anderen ab“, ist der Bürgermeister optimistisch. Die Verwaltung sei ein gutes Team, das sich den Herausforderungen stelle. Die Gemeinde komme gut voran. Auch das Feedback aus der Bevölkerung sei positiv. „Die Menschen fühlen sich gut aufgehoben in ihrer Gemeinde“, sagt Kraus. Für die Zukunft von Eggstätt wünscht sich der Bürgermeister „positive Schlagzeilen“. Eine ist schon bestellt: Ende des Jahres soll das neue Feuerwehrfahrzeug in Eggstätt anrollen.