Wirtshaus Bajuwaria – eine bairische Rhapsodie

von Redaktion

Theaterpremiere vom Trachtenverein D’Bachecker Hirnsberg-Pietzing schlägt voll ein

Bad Endorf/Hirnsberg – Stolz und erleichtert waren Autor und Regisseur Uwe Drahtschmidt und seine Theaterspieler nach der Premiere am vergangenen Freitagabend. Und das zurecht. Es war das erste Stück, das Uwe Drahtschmidt selber zu Papier gebracht hatte. Da war die Aufregung groß.

Doch das Theater des Trachtenvereins D’Bachecker Hirnsberg-Pietzing hat sein Können wieder einmal unter Beweis gestellt und ein Schauspiel vom Feinsten auf die Bühne gebracht. Das Stück spielt im 18. Jahrhundert während der Französischen Revolution. Alleine die Kostüme und die Kulisse rissen die Zuschauer mit und ließ sie eintauchen in die Geschichte, die sich Drahtschmidt so herrlich amüsant ausgedacht hat.

Jede einzelne Rolle
passgenau besetzt

Rund ein Vierteljahr probten die Spieler für dieses Werk. Uwe Drahtschmidt betonte, dass sich das Team schnell zusammengefügt habe und die Proben wirklich großen Spaß machten. Dabei hat er jede der Rollen so einzigartig genial besetzt, dass es besser nicht möglich gewesen wäre. In Hirnsberg kann er auf Ausnahmetalente zurückgreifen, die jedes Jahr für ausverkaufte Reihen sorgen. Für jeden der Bühnencharaktere hatte sich Drahtschmidt eine eigene kleine Vorgeschichte ausgedacht, welche er liebevoll in einem Begleitheft zum Stück zusammenfasste. Zum Schluss fügte sich jede der Rollen zu einem ganzen Bühnenstück zusammen.

Immer wieder gelang es den Schauspielern mit Wortwitzen in der Geschichte, großartigen musikalischen Darbietungen, spannenden und dramatischen Einzelszenen und einer Zeitlupen-Rauferei zum Ende des Stücks, das Publikum zu fesseln. Dafür wurden die Theaterspieler mit viel Applaus belohnt.

Uwe Drahtschmidt hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte umzuschreiben. Es sei nicht Sinn der Sache, als Theaterspieler die Vergangenheit eins zu eins wiederzugeben. Ein Theater lebe davon, sich die sahnig-kirschigen Einzelheiten herauszupicken und die Geschichte neu zu erschaffen.

Er erzählt in seinem ersten Bühnenstück von der Kurfürstin Maria Leopoldine, gespielt von Leni Lex, welche mit 18 Jahren an den 71-jährigen Kurfürsten Karl Theodor von Bayern (Günther Maier) verheiratet wird und nun kompromisslos ihren Weg der Selbstbestimmung geht.

Dabei stößt sie auf Général Jean-Jacques Deperdu, gespielt von Michael Neumeier. Ein französischer General, der aufgrund geheimer Mission während der Kriegszeit versucht, inkognito im Gasthaus Bajuwaria in Hirnsberg unterzukommen. Dieses betreibt ein stummer Wirt (Hannes Lang) der einst im verlassenen Wirtshaus zusammen mit drei Landstreicherkindern (Xaver Stein, Nicki Brückner und Luisa Drahtschmidt) ein Zuhause gefunden hat.

Maria Brückner spielt die Wirtin Anna, die gute Seele des Gasthauses. Sie versucht, Ordnung zu bewahren. Aber dass dies im Kurfürstentum während der Kriegszeit nicht leicht ist, dürfte jedem klar sein.

Vier Musikanten mitten im
Geschehen

Immer wieder zieht es auch vier Musikanten zurück zum Ort des Geschehens. Sie untermalen die Szenen mit perfekt ausgesuchten Stücken. Mal dezent als Hintergrundmusik, mal laut im Vordergrund in den Hauptrollen und dabei so einfühlsam von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Vero Reiser, Anna und Lena Pfisterer sind zusammen das Ensemble „Endton“ und werden von Jonathan Drahtschmidt begleitet. Ein Zusammenspiel, welches das Theater zu einem einzigartigen Erlebnis für alle Zuschauer machte.

In den weiteren Rollen: Simon Russwurm als Geheimrat Hering , rechte Hand des Kurfürsten. Matthias Jehl als Butterbeni, der verzweifelt versucht, aus seiner Rolle auszubrechen. Matthias Haupt als Bäckergeselle Anton, dem seine Tollpatschigkeit oft einen Strich durch die Rechnung macht. Der aber mit seiner Chefin Magda (Maria Frankenberger) und dem flinken Geist der Kurfürstin aus Bayern ein Königreich macht. Die wohl kürzeste, aber definitiv eine entscheidende Rolle zum Ende haben Maxi und Nicki Brückner, die sich die Rolle teilen. Sie spielen niemand geringeren als Napoleon, der den Bayern einen König gab.

susanne Deindl

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