Schechen/Hochstätt – Viele kamen auch, um andere Menschen zu treffen, ein paar freundliche Worte zu wechseln oder um sich eine seiner begehrten Bratensemmeln zum Mittag zu gönnen.
Gemischte Gefühle
über Selbstständigkeit
„So gerne ich es gemacht habe, es rechnet sich nicht“, sagt Georg Baumgartner. Zwar blickt der Soyener auf viele positive Erinnerungen seiner Selbstständigkeit zurück. Er sei integriert gewesen und habe sich stets wertgeschätzt gefühlt. Ein finanziell sorgenfreies Leben hätte es ihm aber nicht beschert.
Metzgerei war bald
einziger Nahversorger
Und das, obwohl er kaum Konkurrenz gehabt hat. Als er das Geschäft in Hochstätt von Vorgängerin Hannelore Gruber im Jahr 1998 übernahm, gab es im Ort zwar noch einen kleinen Edeka-Markt. Dieser zog ein Jahr später jedoch nach Schechen um. Baumgartners Metzgerei blieb als einziger Nahversorger in Hochstätt übrig.
Eine eigene Fleischerei hatte Baumgartner nicht. Er bezog seine Waren von der Metzgerei Palmberger aus Rosenheim. Auch das Ladenlokal war gepachtet. Zwei Faktoren, die man einpreisen muss. „Leider sind nur wenige bereit, mehr zu zahlen“, sagt Baumgartner. Mit den Preisen für abgepackte Fleischwaren in Supermärkten und Discountern könne er nicht mithalten. Dennoch hätte er „aus Idealismus weitergemacht“.
Steigende Auflagen
machen Leben schwer
Hinzu kämen steigende Personalkosten und Auflagen vonseiten der Behörden. So hätte er etwa eine neue Waage benötigt, denn diese muss in Deutschland – nach der sogenannten Kassensicherungsverordnung – den Anforderungen des Finanzamtes und des Eichamtes entsprechen. Aber auch die Räume seien Baumgartner zufolge zu sanierungsbedürftig, um weiterhin eine Metzgerei betreiben zu wollen. „Ich würde es keinem empfehlen“, sagt er. An den Ruhestand denken möchte Georg Baumgartner aber nicht. Der 68-Jährige möchte noch ein paar Jahre angestellt in Teilzeit arbeiten – um, wie er sagt, nach jahrelanger Selbstständigkeit seine Rente aufzubessern. Allerdings viel weniger Stunden als bislang. Denn es habe Zeiten gegeben, da habe er 60 bis 70 Stunden pro Woche gearbeitet.
Neben frischen Fleisch- und Wurstprodukten bot Baumgartner auch ein kleines Sortiment an anderen Grundnahrungsmitteln an: etwa Brot, Eier, Nudeln, Milchprodukte. Vor allem seit der Schließung des Nahkaufs gibt es in Hochstätt keine Einkaufsmöglichkeit mehr. Wer etwas braucht, muss zum Supermarkt nach Schechen oder Rott fahren. Wie groß das Bedauern der Hochstätter über das Aus von Baumgartners Metzgerei ist, brachten sie an seinem letzten offiziellen Arbeitstag zum Ausdruck. Gefühlt das ganze Dorf war gekommen, um den Metzgermeister zu verabschieden. Die Hochstätter Musi spielte ein Ständchen und Schechens Bürgermeister Stefan Adam richtete ein paar Worte an den 68-Jährigen.
„Wir bedauern, dass der Schorsch aufhört“
„Wir bedauern sehr, dass der Schorsch aufhört“, sagt Adam auf Nachfrage des OVB. Der Metzger wurde, sagt Adam, nicht nur aufgrund seines frischen Angebots, sondern gerade auch wegen seiner zuvorkommenden Art von den Hochstättern sehr geschätzt. „Der Laden war ein Treffpunkt für die Hochstätter“, so der Rathauschef.
Neuer Pächter
für Laden gesucht
Eine Versorgungslücke für Schechen und Hochstätt sieht Adam nicht. Denn im Dezember 2025 eröffnete in Schechen ein neu gebauter großer Edeka-Markt. „Die Lücke entsteht hauptsächlich in der Gesellschaft“, findet der Bürgermeister. Denn es seien die kleinen Läden, in denen die Menschen zusammenkämen. Deswegen wird auch ein Nachfolger für das Ladenlokal gesucht: „Denkbar wären wieder ein Metzger, Bäcker oder ein kleiner Lebensmittelmarkt“, sagt Adam. Wer Baumgartner und seine Schmankerl jedoch besonders vermissen wird, sind die Vereine des Ortes, betont Adam. Egal, ob Stockschützen oder Feuerwehr: Wenn einer der Ortsvereine Catering gebraucht hat, „der Schorsch“ hat sich drum gekümmert. „Manchmal auch spontan“, betont Bürgermeister Adam. Dann habe Georg Baumgartner notfalls noch bis nach Mitternacht in seinem Laden gestanden.