Antrag bringt Bewegung in Umweltskandal

von Redaktion

Ein Bürgerantrag der Freien Wähler bringt die seit Jahren bekannte Verschmutzung durch Plastikgranulat im Halfinger-Ameranger Freimoos zurück auf die Agenda des Gemeinderats. Damit soll geprüft werden, ob weiterhin Kunststoff in die Gewässer gelangt und welche Umweltbelastungen daraus entstehen.

Amerang – Ein Bürgerantrag, initiiert von den Freien Wählern, bringt erneut Bewegung in ein Thema, das Behörden und Gemeinden seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigt: Kunststoffgranulat in den Seen des Halfinger-Ameranger Freimoos. Neue Einträge wurden seit Jahren nicht mehr festgestellt – eine Lösung für vorhandene Rückstände bleibt jedoch schwierig. Mit einem Bürgerantrag wollen die Freien Wähler nun eine Prüfung einleiten, um herauszufinden, ob weiterhin Plastikgranulat in das Freimoos gelangt und ob daraus mögliche Umweltbelastungen entstehen.

Bürgermeister Konrad Linner informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung über einen angekündigten Bürgerantrag zum Thema, der mit einem Informationsgespräch bei der Gemeinde eingereicht wurde. „Es ist ein Umweltskandal, das ist unstrittig“, stellte Linner im Hinblick auf die Verschmutzung der Gewässer klar. Innerhalb eines Monats muss nun zunächst über die Zulässigkeit des Antrags entschieden werden. Er steht demnach auf der Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung. Linner erinnerte daran, dass es viele Bemühungen zur Schadensbegrenzung gegeben habe, bisher jedoch ohne Erfolg. Betroffen sind der Zillhamer See, der Ameranger See sowie die Zillhamer Ache. Der Bürgermeister nutzte die Gelegenheit, um die Hintergründe der seit Jahren bekannten Problematik darzustellen. Dabei betonte er, dass die Gemeinde Amerang trotz fehlender eigener Zuständigkeit stets an der Aufarbeitung mitgewirkt habe.

Zuständig für das Verfahren ist das Landratsamt Rosenheim im Bereich Wasserrecht, beteiligt sind unter anderem das Wasserwirtschaftsamt und die Untere Naturschutzbehörde. Der Eintrag von Kunststoffgranulat in die Seen ist spätestens seit 2007 bekannt. Nach damaligen Erkenntnissen gelangte das Material aus dem Dorfgebiet der Gemeinde Halfing über die Oberflächenentwässerung zunächst in den Zillhamer See und den Ameranger See und von dort weiter in die Zillhamer Ache.

Das Landratsamt Rosenheim wies die Gemeinde Halfing bereits 2007 auf ihre Verantwortung hin. Zunächst wurde die Firma Profol als mögliche Verursacherin vermutet. Das Unternehmen stellte daraufhin jegliche Einleitung von Oberflächenwasser in den Regenwasserkanal ein; ein Ingenieurbüro bestätigte diese Maßnahmen 2010. Analysen von Proben aus dem Jahr 2017 ergaben jedoch keine Übereinstimmung mit Materialproben der damals in Halfing ansässigen kunststoffverarbeitenden Betriebe. In den folgenden Jahren wurde die Entwässerungsanlage der Gemeinde Halfing regelmäßig überwacht, ohne dass weiterer Granulateintrag festgestellt werden konnte. Auch eine 2021 von der Gemeinde Amerang selbst durchgeführte Probenahme wurde den zuständigen Fachstellen gemeldet.

Reinigung der
Uferbereiche unmöglich

Auf Initiative der Kreisrätin Martina Visser fanden 2022 ein runder Tisch sowie ein Ortstermin mit Behörden, Gemeinden und Beteiligten statt. Laut aktueller Sachlage wurde dabei deutlich, dass eine Reinigung der Uferbereiche aus naturschutzfachlichen Gründen kaum möglich ist, da Eingriffe in die sensiblen Strukturen mehr Schaden als Nutzen verursachen könnten. Auch ein Abfischen von angeschwemmtem Material gilt als schwierig und seine Wirksamkeit als unklar.

Nach den zahlreichen Untersuchungen gehen die Fachstellen inzwischen davon aus, dass seit vielen Jahren kein neuer Eintrag von Kunststoffgranulat erfolgt. Rückstände befinden sich jedoch weiterhin in den Gewässern und Uferbereichen. Aufgrund der komplexen Situation konnte bislang keine tragfähige Lösung für deren Entfernung gefunden werden.

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