Eine Grüne schreibt Geschichte

von Redaktion

Nach der Kommunalwahl in Rohrdorf gibt es sechs neue Gesichter im Gemeinderat. Erstmals in der Geschichte der Gemeinde zieht mit Nadine Salomon eine Vertreterin der Grünen in das Gremium ein. Dafür muss der Rohrdorfer Bürgerblock einen seiner bisherigen sieben Sitze abgeben.

Rohrdorf – So wirklich glauben kann es Nadine Salomon noch nicht, dass sie „Geschichte geschrieben“ hat. „Ich habe mich natürlich total gefreut, dass ich es auf Anhieb geschafft habe“, sagt die Frau, die bei der Kommunalwahl am 8. März als erste Grüne in den Gemeinderat von Rohrdorf eingezogen ist. Erst vor einem Jahr hätte sich der Ortsverband so richtig auf den Weg gemacht und später für die Wahl aufstellen lassen. „Das ist ein super Erfolg, wir haben uns aber auch sehr stark darum bemüht“, sagt Salomon am Telefon.

Erstes Mitglied der Grünen
im Rohrdorfer Rat

Bereits in den Jahren zuvor sei die Psychologin immer wieder in Sitzungen des Rohrdorfer Gemeinderats gewesen. „Da hat es mich ganz schön gejuckt, dass ich nicht drin sitze“, sagt sie. Dass sich das jetzt ändert, könnte auch daran liegen, dass sie eine Frau Anfang 40 ist, Kinder hat und es Menschen mit diesem Profil in den Gemeinderäten eher weniger gibt. „Das war den Wählern vielleicht wichtig“, glaubt sie. Trotz ihres Erfolgs sei Salomon aber auch ein wenig traurig, dass ihr Kollege nur ein paar Stimmen hinter ihr lag – und es so nicht als zweiter Grüner in den Gemeinderat schaffte.

Weil die Grünen dort nun einen Sitz erhalten haben, ist beim Rohrdorfer Bürgerblock (BR) ein Sitz weggefallen. Das glaubt zumindest Bürgermeister Simon Hausstetter, der im Amt bestätigt wurde. „Das war uns vorher eigentlich klar, dass, wenn die einen gewinnen, wir einen verlieren“, sagt er auf OVB-Anfrage. So hat der BR im neuen Gremium sechs Sitze, bislang waren es sieben. Auch prozentual hat der BR ein paar Punkte eingebüßt. Insgesamt holte die Fraktion des Bürgermeisters 29,5 Prozent und 18.293 Stimmen, vor sechs Jahren waren es noch 36,9 Prozent.

CSU stärkste Kraft nach der
Kommunalwahl am 8. März

Besser schnitt die CSU ab – am Ende standen dort 36,3 Prozent und 22.539 Stimmen. Bei den sieben CSU-Sitzen – so wie bisher auch – sind auch zwei neue Gesichter dabei: Markus Erlich und Vitus Schauer. Der 20-jährige Student ist bald das jüngste Mitglied im Gemeinderat. „Ich bin sehr froh, dass man auch so jungen Leuten ein Mandat zutraut“, sagt er ein paar Tage nach der Wahl am Telefon. Schauer habe schon ein paar Jahre im Kopf, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Dass es jetzt so früh geklappt hat, sei schön. Er wolle sich dafür einsetzen, dass sein Heimatdorf auch für künftige Generationen schön bleibe – und finanziell in einer stabilen Lage sei.

Neu im Gemeinderat sind auch Franz Steiner (FWBl) und Leo Fischbacher. Einige Gemeinderäte sind hingegen bald nicht mehr dabei. So sitzen ab Mai unter anderem Karl-Heinz Silichner (CSU) und Maria Scholz (BR) nicht mehr im Rat. Drittstärkste Kraft ist weiterhin der Freie Wählerblock Höhenmoos-Achenmühle (FWBl) mit drei Sitzen. Bei der Wahl sprangen 13,5 Prozent und 8.384 Stimmen heraus. Dahinter folgt die SPD mit 7,8 Prozent und 4.870 Stimmen – das entspricht zwei Sitzen, die Stefan Praxl und Dr. Christoph Habersetzer einnehmen. Jeweils einen Sitz haben weiterhin die Freien Wähler – 5,9 Prozent – und jetzt eben die Grünen – 7,0 Prozent – mit Nadine Salomon.

AfD ist im Rohrdorfer
Gremium nicht vertreten

Was auffällig ist: Die AfD fehlt im Gegensatz zu einigen Gemeinderäten im Landkreis im Rohrdorfer Gremium. „Das ist natürlich positiv, kein Mensch braucht die AfD im Gemeinderat“, sagt Simon Hausstetter. Der Rat sei wieder gut aufgestellt, sagt der wiedergewählte Bürgermeister. „Überraschungen gab es keine, keine Fraktion hat eine Mehrheit, man muss seine Mehrheiten dann suchen und kann sich nicht auf irgendwas verlassen. Das ist maximal demokratisch.“

Auf die Zusammenarbeit freut sich auch Nadine Salomon. Auch, wenn dafür an dem einen oder anderen Abend die „Familienzeit“ ausfallen muss. „Das wird natürlich die Familie zu spüren bekommen, aber mein Mann steht hinter mir – solange es erst mal beim Gemeinderat bleibt und nicht gleich der Kreistag auch noch wird“, sagt Salomon und lacht. In den Gemeinderat will die erste Vertreterin der Grünen andere Perspektiven hineinbringen. „Es gilt, sich für Gruppen wie Kinder, Familien oder Mieter einzusetzen“, sagt Salomon. Schließlich sollen vom Gemeinderat alle Rohrdorfer gehört werden.

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