Schechen – Schechen hat gewählt: Der Rathauschef bleibt der Gleiche, der Gemeinderat nur ein wenig über die Hälfte: Acht Gemeinderäte gehen, zwölf bleiben. Und auch eine neue Partei zieht mit zwei Sitzen erstmals in das Gremium ein: die AfD. Eingebüßt hat die Sitze die CSU. Ein Trend, der sich auch auf Bundesebene zeigt. Bislang war die CSU in Schechen mit zehn Sitzen im Gemeinderat vertreten – der Hälfte der insgesamt 20 Sitze. Bei der Sitzverteilung von Parteifreie Bürger Schechen (PBS) und SPD/ÜWG Schechen ändert sich nichts.
CSU verliert elf Prozent:
Schwappte Rott über?
Auch in Zahlen gesprochen hat die CSU am meisten Wählerstimmen einbüßen müssen. Für Bürgermeister Stefan Adam, selbst CSU, sei der allgemeine „Unmut in der Gesellschaft“ auch in Schechen spürbar. Während die Partei bei der Wahl 2020 noch 51,7 Prozent der rund 2400 Wählerstimmen holte, waren es 2026 nur noch 40,7 Prozent. Allerdings lag die Wahlbeteiligung 2020 bei 59,7 Prozent, jetzt, sechs Jahre später, machten 68,7 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz.
„Ich denke, dass die Stimmung aus Rott auf uns übergeschwappt sein könnte“, so Adam. Zum Vergleich: In Rott holte die AfD bei den Gemeinderatswahlen 10,4 Prozent und zwei Sitze im Gemeinderat. Auch die Freien Wähler holten zwei Sitze, Forum und SPD schieden aus. Allerdings schnitt der dortige AfD-Bürgermeisterkandidat Michael Maurer mit 5,7 Prozent deutlich schlechter ab als der Schechener AfD-Bürgermeisterkandidat Günther Kapser.
Sorgen um Eskalationen während der Gemeinderatssitzungen oder ein mögliches Verfehlen von Mehrheiten mache sich der Rathauschef aber nicht: „Wir haben klare Diskussionsregeln. Außerdem sind noch viele erfahrene Gemeinderäte dabei.“ Ein Fraktionszwang sei in Schechen nicht Usus. „Und das wird es auch nicht geben“, sagt der Rathauschef.
Neu in den Gemeinderat gewählt wurde bei der CSU Ingenieur Tobias Lechner (Listenplatz 10). Wiedergewählt wurden Andreas Rausch, Manfred Altenweger, Sabine Altendorfer, Johanna Murnauer, Josef Marinus Weber, Elisabeth Grabmaier und Stefan Adam. Da dieser aber als Bürgermeister wiedergewählt wurde und die Wahl auch angenommen hat, rückt Maximilian Winhart nach. Der 25-Jährige ist gelernter Werkzeugmechaniker, arbeitet im Außendienst beim Vermessungsamt Rosenheim und kandidierte auf Listenplatz 2 für die CSU. Nicht mehr dabei sind Stephan Sponfeldner, Maria Pindl, Petra Lechner und Florian Zeller.
Der große Gewinner der Wahl in Schechen ist die AfD. Erstmals trat die Partei mit einer eigenen Liste und Bürgermeisterkandidaten zur Wahl an und holte 7,8 Prozent. Damit erhält die AfD für diese Legislaturperiode zwei Sitze im Schechener Gemeinderat. Bei der Bürgermeisterwahl lag Günther Kapser mit zehn Prozent der Wählerstimmen hinter seinen Kontrahenten Stefan Adam (50,2 Prozent) und Michael Schmöller (PBS; 39,8 Prozent). Neben Kapser nimmt künftig Taxi- und Mietwagenunternehmerin Sonja Neumayr im Sitzungssaal Platz.
„Ich bin überrascht, dass es aus dem Stand heraus so gut geklappt hat“, sagt Kapser auf Nachfrage des OVB. Er selbst hatte auf zehn Prozent gehofft und sein Ziel erreicht. Im Gegensatz zu seinen Kontrahenten habe er keine kommunalpolitische Erfahrung und sei nicht in Vereinen aktiv. Zudem hätten er und seine Mitstreiter es im Wahlkampf nicht leicht gehabt: Zahlreiche Wirte hätten von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und es ihm nicht erlaubt, Wahlkampfveranstaltungen abzuhalten.
Ebenfalls bei den Wählern punkten konnten die Parteifreien Bürger Schechen (PBS): Sie steigerten sich von 35 Prozent (2020) auf 38,5 Prozent (2026). Den PBS fallen sieben Sitze im Gemeinderat zu. Für das Amt des Bürgermeisters hat es für Michael Schmöller (Listenplatz 12) nicht gereicht. Den Sprung in den Gemeinderat hat der selbstständige Schreiner aber geschafft, ebenso wie Elektroinstallateur Stefan Holzweger (Listenplatz 11) und Physiotherapeutin Gabriele Eberl (Listenplatz 5). Hans Neumayer schaffte es nicht, Roland Schinke und Georg Schildhauer stellten sich nicht erneut zur Wahl. Wiedergewählt wurden Martin Rinser, Maria Ganslmaier-Hainzl, Stephan Dialler und Stefan Brückmann.
SPD/ÜW bleiben
beim Ergebnis stabil
Ihr Wahlergebnis minimal verschlechtert im Vergleich zu 2020 haben die SPD/ÜW Schechen: Holten sie vor sechs Jahren 13,3 Prozent, kommen sie bei dieser Wahl auf 12,9 Prozent. Die Gruppierung behält somit ihre drei Sitze. Ein neues Gesicht im Gemeinderat bei der SPD/ÜWG ist Diplom-Betriebswirtin Nicole Lindner (Listenplatz 2). Markus Grabmayer und Volker Schmidt wurden wiedergewählt. Nur Lucas Rothstein (Listenplatz 3) schaffte es nicht und landete als Erster auf der Nachrückerliste.