Aschau im Chiemgau – „Unser Bergsteigerdorf hat es verdient, dass sich eine verträgliche Lösung findet, mit der alle leben können – die Einwohner, der Investor und die künftigen Gäste“, fasst eine Sachrangerin ihre Hoffnung in Worte. Sie war nicht die Einzige, die aus Sorge um die Zukunft des Dorfes zur Zwangsvollstreckung des „Sachranger Hofes“ nach Bad Aibling gekommen war.
Auch Bürgermeister Simon Frank, Zweiter Bürgermeister Michael Andrelang, Gemeinderat Sebastian Pertl sowie Bürger und Hoteliers der Gemeinde saßen im Publikum. Fünf Grundstücke in Sachrang sollten unter den Hammer kommen – allesamt Teil der einst beliebten Wirtschaft „Sachranger Hof“.
VR-Bank betreibt
Zwangsvollstreckung
Eigentümerin des Grundstücks ist seit 2021 die Springwater Group über ihre Tochtergesellschaft, die D3.Invest GmbH & Co. KG Tegernsee. Die Zwangsvollstreckung wurde von der „meine Volksbank Raiffeisenbank“ betrieben. Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger hatte den Verkehrswert des 3.688 Quadratmeter großen Grundstücks mit Bauruinen auf 589.000 Euro festgesetzt.
Ein erstes Aufatmen von Gemeinde und Sachranger Bürgern war zu spüren, als die VR-Bank im Termin verkündete, dass die fünf Flurstücke an der Dorfstraße nicht einzeln, sondern nur als Paket angeboten werden. Damit soll eine Zersplitterung vermieden werden, die die Entwicklung des Standorts noch schwieriger gemacht hätte. Auf dem Grundstück sind Grundschulden und Hypotheken in Höhe von mehr als 4,2 Millionen Euro im Grundbuch eingetragen, wie der zuständige Rechtspfleger im Termin ausführlich erläuterte. Die eingetragene Grundschuld sagt nichts darüber aus, wie hoch die tatsächlichen Schulden des Eigentümers sind. Sie dient der Bank als Sicherheit für ein Darlehen.
Die 4,2 Millionen Euro setzen sich wie folgt zusammen: Die eingetragene Grundschuld der VR-Bank liegt bei 1,2 Millionen Euro. Für zwei weitere Finanzunternehmen sind Grundschulden in Höhe von jeweils 1,5 Millionen Euro eingetragen. Hinzu kommen diverse Zwangssicherungshypotheken von insgesamt etwa 7.500 Euro.
Der Rechtspfleger erläuterte die Wertgrenzen, die zum Schutz der Gläubiger gelten.
So hätte das Amtsgericht einem Gebot unter 294.500 Euro, also der Hälfte des gerichtlich festgesetzten Verkehrswertes, von Amts wegen den Zuschlag verweigern müssen. Die VR-Bank als betreibende Gläubigerin hätte einem Gebot von weniger als 412.300 Euro, also 70 Prozent des Verkehrswertes, den Zuschlag versagen können.
Vertreter der VR-Bank stellten im Termin klar, dass sie das Grundstück nicht unter einem Preis von 789.000 Euro abgeben werden. Zudem beantragten sie eine Zuschlagsaussetzung. „Die Bank ist Herrin des Verfahrens“, erläuterte der Rechtspfleger. Bieter könnten im Zwangsversteigerungstermin so viel bieten, wie ihnen das Grundstück wert sei. Danach hätte die Bank zwei Wochen Zeit, um dem Gebot den Zuschlag zu erteilen oder das Verfahren abzubrechen. Der Gläubiger entscheide, wie das Verfahren weitergehe.
„Alle fünf Grundstücke gehen lastenfrei weiter“, betonte der Rechtspfleger. Mit der rechtskräftigen Erteilung des Zuschlags für das Paket „Sachranger Hof“ verliere der bisherige Eigentümer sein Recht zum Besitz, das auf den „Ersteher“ übergeht.
Um 9.24 Uhr begann die auf 30 Minuten angesetzte Bietzeit. Doch im Saal blieb es still – abgesehen von vereinzelten privaten Gesprächen. Ein Vertreter der VR-Bank ging durch die Reihen, sprach mögliche Interessenten an und tauschte Kontaktdaten aus. „Wir wünschen uns eine gute und baldige Lösung, denn auch wir wollen, dass sich in Sachrang etwas bewegt, und wir die Entwicklung in gute Bahnen bekommen“, sagte er gegenüber dem OVB.
Kurz vor Ablauf der Bietzeit meldete sich ein Interessent aus dem Landkreis Rosenheim. Er gab ein Gebot in Höhe von 412.300 Euro ab und erreichte damit die erforderlichen 70 Prozent des festgesetzten Verkehrswerts. Die gesetzliche Sicherheitsleistung in Höhe von zehn Prozent des Verkehrswerts – also 59.800 Euro – hatte er hinterlegt.
Bieter rechnet nicht mit
Bank-Zustimmung
Zu seinen Plänen für das Areal in Sachrang wollte sich der Bieter gegenüber dem OVB nicht äußern. Er rechnet damit, dass die VR-Bank dem Zuschlag nicht zustimmen wird. Denn die Bank will 789.000 Euro. Der Bieter machte aber auch deutlich, dass er keinen höheren Preis für das Grundstück zahlen werde.
Das Gelände des ehemaligen „Sachranger Hofes“ ist nicht nur mit einer Bauruine belastet, sondern möglicherweise auch durch eine ehemalige Tankstelle kontaminiert. Kosten für Abriss, Erdarbeiten und im schlimmsten Fall die Spezialentsorgung des Bodens müssen daher eingeplant werden. Nach Einschätzung erfahrener Hoteliers, die am Termin teilnahmen, wären für den Neubau eines Hotels mit Restaurant oder eines Komplexes aus Tourismus, Gastronomie und Handel an der Dorfstraße in Sachrang mindestens zehn Millionen Euro erforderlich.
Die Geschichte des Sachranger Hofes ist nicht zu Ende. „Aber er könnte es schaffen“, ist sich eine Sachrangerin sicher, die den Bieter persönlich kennt. Ob er den Zuschlag der VR-Bank erhält, wird am 25. März um 10 Uhr in der Außenstelle Bad Aibling des Amtsgerichts verkündet.