Frasdorf – Bei den Kommunalwahlen in Frasdorf hat die Parteifreie Wählergruppe Frasdorf (PWGF) die meisten Wählerstimmen erhalten und trotzdem einen Sitz im Gemeinderat eingebüßt. 8.301 Stimmen entsprechen knapp 33,6 Prozent. 2020 erreichte die PWGF 34 Prozent, also nur 0,4 Prozentpunkte mehr. „Viele Gemeinderäte haben schon in der Verwaltung nachgefragt, wie das zu erklären ist“, erzählt Bürgermeister Daniel Mair (CSU).
Neues Verfahren soll
gerechter sein
Die Antwort heißt „Sainte-Laguë/Schepers“ und ist ein Auszählungsverfahren, das seit 2020 auch bei den Kommunalwahlen in Bayern angewandt wird. „Das Verfahren wurde eingeführt, um kleine Parteien oder Gruppierungen nicht zu benachteiligen“, erklärt Mair. Das Verfahren soll gerechter sein als ältere Methoden, denn alle Parteien bekommen so viele Sitze, wie es ihrem Stimmenanteil möglichst genau entspricht.
Wie die komplizierte mathematische Berechnung funktioniert, wird vom Innenministerium so erklärt: Die Stimmenzahlen jeder Partei werden durch ungerade Zahlen (1, 3, 5, 7 …) geteilt. Die Sitze werden dann der Reihe nach an die Partei vergeben, die die größte Zahl nach der Teilung hat. Wenn mehrere Parteien die gleiche höchste Zahl haben, bekommt den Sitz die Partei, deren Kandidat die meisten persönlichen Stimmen erhalten hat.
Unterm Strich hat die PWGF mit einem Wahlergebnis von 33,6 Prozent fünf Sitze im Gemeinderat. Die CSU, die mit 27,7 Prozent auf Platz zwei in der Wählergunst kam, erhielt ebenfalls fünf Sitze. Damit konnte sie das Ergebnis von 2020 um 2,5 Prozentpunkte verbessern und einen Sitz zurückgewinnen. Mit der Stimme des Bürgermeisters hat die CSU damit sechs von 16 Stimmen, also noch immer keine Mehrheit.
„Fraktionen oder politische Mehrheiten haben in der Geschichte des Frasdorfer Gemeinderates noch nie eine Rolle gespielt“, sagt Bürgermeister Daniel Mair. „Entscheidungen fallen hier überparteilich. Und das ist auch gut so.“ Mair trat 2020 zum ersten Mal zur Bürgermeisterwahl an und wurde von 80,6 Prozent der Frasdorfer gewählt. Nach seiner ersten Legislaturperiode wurde er von allen Parteien und Gruppierungen des Gemeinderates in seiner Kandidatur als Bürgermeister unterstützt. 1.493 Bürger der Gemeinde und damit 95,3 Prozent der Wähler schenkten ihm das Vertrauen.
Als die Frasdorfer am Wahlsonntag (8. März) vor dem Rathaus noch ihre Wahlparty feierten, trudelten schon die Ergebnisse der Gemeinderatswahl ein. Und die trübten bei zwei engagierten Gemeinderäten ein wenig die Freude, weil sie den Einzug in den Rat knapp verfehlten.
Die 16 Sitze im Gemeinderat werden ab Mai von elf erfahrenen und fünf neuen Räten ausgefüllt. Die PWGF bringt mit Julian Richter (993 Stimmen), Josef Enzinger (939), Zweitem Bürgermeister Josef Prankl (766) und Meike Buchauer (719) viel Erfahrung mit. Der Neue im PWGF-Team heißt Martin Haller (744).
Für die CSU sind Franz Voggenauer (778), Christine Domek-Rußwurm (735) und Lorenz Baumgartner (660) wieder mit dabei. Xaver Brehmer (446) und Veronika Schneiderbauer (376) kommen neu hinzu. Mit 3.898 Stimmen und 15,7 Prozent hat die Freie Wählergemeinschaft Wildenwart (FWW) ihre drei Sitze im Gremium verteidigt. Die Gemeinderäte Christian Stocker (563) und Georg Bohrer (563) wurden wiedergewählt. Maximilian Kronast kommt neu hinzu. Die Freie Wählergemeinschaft Umratshausen (FWGU) kommt mit 15 Prozent der Stimmen (3725) auf zwei Sitze im Rat. Dritte Bürgermeisterin Gabriele Stein (719) und Gemeinderat Klaus Ofner (549) treten ihre nächste Legislaturperiode an. 1.951 Stimmen (7,8 Prozent) und damit einen Sitz im Rat erhielt die Bayernpartei. Kreisrat Helmut Freund (697) zieht neu in den Frasdorfer Gemeinderat ein.
In der aktuellen Legislaturperiode finden noch zwei Gemeinderatssitzungen statt. Schon in dieser Woche (17. März) stehen zwei brisante Themen auf der Tagesordnung: das Gebiet am Frasdorfer Anger und das Feuerwehrhaus in Frasdorf. „Das wird eines unserer größten Projekte werden“, kündigt der Bürgermeister an. In einer ersten Studie geht es darum, ob ein Ausbau des Gerätehauses mitten im Ort möglich ist und was ein Neubau an anderer Stelle kosten würde. „Die Entscheidung wird der neue Gemeinderat treffen“, so Mair.
Drei neue
Feuerwehrfahrzeuge
Eine große Investition hat der alte Rat noch auf den Weg gebracht: 1,5 Millionen Euro für drei neue Feuerwehrfahrzeuge. Das Frasdorfer ist schon angekommen, die für Umratshausen und Wildenwart sollen in diesem Jahr fertig werden. Priorität auf der Investitionsliste der Gemeinde hat auch die neue Turnhalle an der Grundschule. Spannend wird es, wenn die A8 zwischen Achenmühle und Bernauer Berg ausgebaut wird. In der Ortslage Frasdorf soll der Verkehr in einem Tunnel mit grünem Deckel verschwinden. „Während der Bauarbeiten müssen wir unsere Bürger bestmöglich vor Ausweichverkehr schützen“, blickt Mair voraus.