Neubeuern mit guter Ausgangslage

von Redaktion

Präsentation des Klimaschutzkonzeptes durch Konrad Stuffer im Marktgemeinderat

Neubeuern – Bereits im Jahr 2022 hat der Marktgemeinderat Neubeuern den Beschluss gefasst, einen Klimamanager einzustellen. Der Klimamanager Giulio Cocco, der das nun vorliegende Klimaschutzkonzept erarbeitet hat, kann es aus persönlichen Gründen nicht selbst vorstellen. Die Gemeinderäte Konrad Stuffer (CSU), Hubert Lingweiler, Viola Frohwein und Johannes Gall (Grüne) haben das Konzept, das viele Seiten und Statistiken beinhaltet, in einer Präsentation mit den wichtigsten Inhalten zusammengefasst.

Blick auf die
Energiequellen

Mit den Worten „Es ist mir eine Ehre, dass ich als Schwarzer im Auftrag von drei Grünen ein Klimakonzept vortragen darf“ begann Konrad Stuffer mit der Vorstellung der Präsentation. Er erläuterte, dass dieses Konzept auf den Zahlen von 2022 basiert und sich in der Zwischenzeit sicher einiges geändert hat. Es gibt mittlerweile mehr E-Autos, mehr Photovoltaik und umgestellte Heizungen.

Klimaschutz ist nicht nur ein Beitrag zu nationalen und bayerischen Klimazielen, sondern auch eine kommunale Verantwortung und eine „Querschnittsaufgabe der Gemeinde“.

Der gesamte Energieverbrauch in Neubeuern betrug im Jahr 2022 77.600 Megawattstunden. Diese Summe umfasst Wärme, Strom und Verkehr. Diese Zahlen stammen aus Erhebungen, Datenbanken und Statistiken. Beim Verkehr gibt es Verkehrserhebungen beispielsweise bei der Stauumfahrung, das sind dann aktuelle Werte. Aber beim Binnenverkehr sind es Annahmen nach statistischen Vorgaben. Der Wärmesektor verursacht rund 63 Prozent des Endenergieverbrauchs und 51 Prozent der CO2-Emissionen der Gemeinde. Die hohe Belastung resultiert aus den vielen Ein- und Zweifamilienhäusern, die knapp die Hälfte des Wärmebedarfs ausmachen.

Der GHD-Sektor (er umfasst Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie Nichtwohngebäude wie Büros und Schulen) trägt mit 54 Prozent dazu bei, denn kommunale Gebäude heizen mit Heizöl und Strom und erzeugen trotz geringem Energieverbrauch überproportional hohe Emissionen. Die Energiequellen sind bei kommunalen Einrichtungen zu 55,4 Prozent Heizöl und 3,7 Prozent Strom, bei Gewerbe, Handel und Dienstleistungen 55 Prozent Heizöl, 15 Prozent Pellets und 21,4 Prozent Strom und bei privaten Haushalten 58 Prozent Heizöl, 16 Prozent Pellets und 21 Prozent Strom.

Im Bundesvergleich hat Neubeuern eine gute Ausgangslage. Der Anteil an erneuerbarem Strom liegt im Bund bei 46 und in Neubeuern bei 40 Prozent, der Anteil an erneuerbarer Wärme liegt im Bund bei 18,2 und in Neubeuern bei 17,4 Prozent.

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur kann man Neubeuern als Vorreiter bezeichnen, denn es gibt Ladesäulen beim Rathaus, beim Sportheim und beim Altenbeurer Friedhof.

Der Ausbau des ÖPNV ist ohne eigenen Bahnhof schwierig, aber zumindest das neue Gewerbegebiet in Heft erhält eine Bushaltestelle.

Einige der kommunalen Gebäude werden mit Photovoltaik mit Speicherlösungen ausgerüstet, um autark vom Fremdstrombezug zu werden.

Das Thema Biomasse wird auch in dem Gutachten angesprochen. Ein Viertel des Wärmebedarfs, sagt dieses Klimaschutzkonzept, könnte mit Biomasse, wie Holz und Biogas, ersetzt werden. Und auch Kurzumsatzplantagen, wie Elefantengräser oder Pappelwälder, die innerhalb ein paar Jahre wachsen und wieder abgeerntet werden, könnten als Biomassequelle dienen.

Voraussetzung für die Erschließung weiterer Wärmequellen wäre ein Wärmenetz, das im ersten Schritt mit einem Heizwerk realisiert werden könnte. Dort könnte man Solarthermie, Geothermie und Grundwasserwärme einbinden. Grundwasserwärme wurde schon beim Rathaus realisiert, aber auch viele Private haben das schon gemacht.

„Es ist nicht das Ziel“, ergänzte am Ende der Präsentation Bürgermeister Christoph Schneider (Unabhängige Neubeurer), „dass wir kleinteilig am Ratstisch über Maßnahmen diskutieren. Das Ziel ist es, CO2-neutral zu werden und Dinge in der Gemeinde zu verbessern mit dem Aufbau von Gemeindewerken. Ob das eine GmbH ist, ob das ein Zweckverband mit einer Nachbargemeinde ist, ob das vielleicht auch irgendeine Form der Genossenschaft ist, das wird die Zeit mit sich bringen. Letztlich ist das aber, glaube ich, die Basis für einen koordinierten und vernünftigen Weg in die Thematik. Ich bin überzeugt, dass man das in Neubeuern hinkriegt, weil wir vernünftige Leute am Ort haben, die man einbinden kann, weil wir vernünftige Möglichkeiten haben, auch Gelder zu generieren, und weil wir vernünftige Leute in der Bevölkerung haben, mit denen man zusammenarbeiten kann. Das ist für mich persönlich der Hauptgrund für Gründung und Aufbau der Gemeindewerke.“

Gründung von
Gemeindewerken

Dem ersten Beschluss, das vorliegende Klimaschutzkonzept anzuerkennen, wurde ohne Gegenstimme zugestimmt, ebenso dem, dass das Thema Klimaschutz und Energieeffizienz eine Querschnittsaufgabe des Marktes Neubeuern und aller seiner Einrichtungen ist. Auch der Gründung von Gemeindewerken zur Erreichung der Ziele wurde zugestimmt. Nach Möglichkeit sind diese Gemeindewerke interkommunal auszuschreiben.

Bis zum Aufbau der Gemeindewerke wird Gemeinderat Konrad Stuffer in Zusammenarbeit mit dem Technischen Bauamt als Klimaschutzbeauftragter tätig sein.

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