Weidenkätzchen, Buchs und bunte Bänder

von Redaktion

Nußdorfer Kinder pflegen alten Palmsonntagsbrauch

Nußdorf – Wenn der Palmsonntag näher rückt, wird es im Garten des Nußdorfer Obst- und Gartenbauvereins traditionell geschäftig: Zweige werden sortiert, Weidenkätzchen gebündelt und bunte Bänder zurechtgeschnitten.

Die Kindergruppe des Vereins trifft sich jedes Jahr in der Karwoche, um gemeinsam Palmbuschen zu binden. Unter Anleitung von Maria Liegl, der ehemaligen Vorsitzenden, und weiteren helfenden Eltern des Nußdorfer Obst- und Gartenbauvereins entstehen kleine Kunstwerke mit religiöser Bedeutung.

In der katholischen Kirche erinnern die gesegneten Zweige an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem die Menschen Palmzweige auf den Weg legten. In vielen Regionen Bayerns und Tirols wachsen jedoch keine Palmen. Stattdessen verwenden die Gläubigen Palmbuschen aus heimischen Pflanzen. Diese Sträuße werden vor oder zu Beginn des Gottesdienstes gesegnet und anschließend von den Gläubigen mit nach Hause genommen.

Auch die Nußdorfer Gartenkinder orientieren sich bei ihrer Arbeit an diesem überlieferten Brauch. Als Grundlage dient meist ein Haselnussstock, an den die Zweige zu einem großen Strauß gebunden werden. Verwendet werden unter anderem Palmkätzchen der Weide, Zweige von Buchs, Wacholder oder Stechpalme sowie frische Haselzweige. Immergrüne Zweige gelten dabei traditionell als Zeichen des Lebens, das stärker ist als der Tod. Früher waren außerdem Eichenzweige üblich, deren Blätter noch vom Vorjahr am Ast hängen. Mit Schnur oder Draht werden die Zweige festgebunden, anschließend schmücken die Kinder ihre Palmbuschen mit bunten Bändern und kleinen Verzierungen.

Maria Liegl erklärt den Kindern dabei nicht nur die Technik des Bindens, sondern auch die Bedeutung der Pflanzen und des Brauchs. So lernen die jungen Teilnehmer, dass die gesegneten Palmbuschen später oft im Haus aufgestellt werden – etwa im Herrgottswinkel oder hinter einem Kreuz – und als Zeichen für Schutz und Segen im kommenden Jahr gelten. Manche Familien bringen sie auch in Stall oder Garten. Der Brauch verbindet damit religiöse Tradition, Naturwissen und gemeinschaftliches Tun.

Die Kinder präsentierten am Ende stolz ihre fertigen Palmbuschen. 16 Kinder im Alter zwischen sieben und 13 Jahren beteiligten sich an der Aktion. Für den Obst- und Gartenbauverein ist das Projekt zugleich ein wichtiger Teil der Nachwuchsarbeit: Die Kinder lernen Pflanzen kennen, verbringen Zeit in der Natur – und erleben, wie aus einfachen Zweigen ein Stück gelebter Brauchtumskultur entsteht.

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