Neue Schockanruf-Masche in der Region

von Redaktion

Mehrere ältere Menschen in und um Riedering erhielten kürzlich schockierende Anrufe. Telefonbetrüger gaben sich als Ärzte aus und gaukelten eine angebliche Krebserkrankung der Tochter vor, um an Geld zu gelangen. Die Polizei warnt vor der perfiden Masche und gibt Tipps zum Schutz.

Riedering – „Ihre Tochter hat Krebs im Endstadium“ – diese Worte möchte kein Elternteil hören. Egal, wie alt das Kind ist, eine solche Nachricht kann einem im ersten Moment den Boden unter den Füßen wegreißen. Dass es sich bei diesem Anruf aber um keine echte Hiobsbotschaft, sondern um eine perfide Betrügermasche handelt, hat Sebastian Hamberger aus Söllhuben glücklicherweise schnell durchschaut. Nach dieser Erfahrung möchte er andere potenzielle Betroffene warnen.

Anrufer wirken am Telefon
zunächst sehr seriös

Am 11. März hatte Hamberger einen Anruf erhalten, dass seine Tochter wegen starker Schmerzen in die Uniklinik nach München gekommen sei. Dort sei festgestellt worden, dass Darm und Leber bereits „völlig verkrebst“ seien. „Ich habe dann den Fehler gemacht und den Namen meiner Tochter genannt“, berichtet Hamberger. So sei das Gespräch persönlicher weitergegangen. Die Dame am Telefon habe „astreines Deutsch“ gesprochen und sich gebildet ausgedrückt. „Ich dachte wirklich, ich spreche mit einer Ärztin.“

Die Betrügerin am Telefon sprach dann von einer neu entwickelten Chemotherapie aus der Schweiz, die aber extra bezahlt werden müsse. „Als ich anfing, über Chemotherapie zu wettern, legte sie einfach auf“, so der Söllhubener. Da war ihm klar: Das war einer dieser Schockanrufe – und versuchter Betrug. Denn als er die Nummer suchte, um zurückzurufen, bemerkte er, dass diese unterdrückt war.

Hamberger habe daraufhin in seinem Bekanntenkreis herumgefragt – und gleich mehrere Bekannte berichteten ihm, sie hätten dieselben Anrufe erhalten. „Hereingefallen ist glücklicherweise niemand.“ Denn es seien auch Leute angerufen worden, die gar keine Tochter haben. Auch dann sei immer direkt aufgelegt worden.

Auffällig: Bei den Betroffenen handelte es sich überwiegend um ältere Menschen mit kurzen Festnetz-Telefonnummern. Deswegen habe Hamberger über seinen Whatsapp-Status, mit Rundmails und persönlich vor dem Telefonbetrug und der Masche gewarnt.

Daraufhin habe er diverse Rückmeldungen von Bekannten in und um Riedering erhalten, auch von einer Bekannten aus Frasdorf und Taufkirchen an der Vils (Landkreis Erding), dass es auch dort mindestens einen solcher Schockanrufe gab. „Mein Tipp bei solchen Anrufen: Einfach den falschen Namen nennen“, sagt Hamberger. Sein Eindruck sei: Je komplizierter das Gespräch wird, umso schneller legen die Betrüger auf.

Für die Polizei sind derartige Schockanrufe nichts Neues: „Die gibt es leider immer wieder in verschiedenen Abwandlungen“, sagt Michael Spessa, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Auch wenn das Problem inzwischen in der Bevölkerung größtenteils bekannt sei, hätten die Telefonbetrüger immer wieder Erfolg mit ihrer Masche. „Das Thema fordert uns als Polizei sehr stark“, erläutert der Polizeikommissar.

Denn wie Spessa erklärt, werden Betroffene oft „eiskalt erwischt“: nämlich in Alltagssituationen. „Die Betrüger spielen bewusst mit der Angst der Menschen und setzen sie so sehr unter Druck, dass die Vernunft regelrecht ausgeschaltet wird.“ Egal, wie gut man informiert sei, könne es in unmittelbaren Alltagssituationen jeden treffen.

Polizei rät zu Skepsis
und zu Rückruf

Die Polizei rät daher: „Es ist wichtig, ein gesundes Bauchgefühl walten zu lassen und gleichzeitig äußerst skeptisch zu sein“, sagt Spessa. Wird nach finanziellen Verhältnissen, Geld oder Wertgegenständen gefragt, so sollen diese niemals preisgegeben oder gar ausgehändigt werden. Am besten ist es, einfach aufzulegen. Außerdem, so empfiehlt der Polizeikommissar: „Rufen Sie zurück.“ Jedoch nicht direkt bei der Nummer. Wenn jemand sich beispielsweise als Arzt einer Klinik ausgegeben hat, sei es ratsam, die offizielle Nummer des Krankenhauses zu recherchieren, dort anzurufen und nach der Person zu fragen.

„Hinter diesen Maschen steckt ein ausgeklügeltes System, das leider gut funktioniert“, sagt Spessa. Deshalb sei es wichtig, sich für diese Thematik zu sensibilisieren. Wichtig sei deshalb, auch wenn das Thema oft schambehaftet sei, seine Erfahrungen mit dem persönlichen Umfeld zu teilen. „Auch die mittlere Generation der Söhne und Töchter kann helfen, indem sie ihre Eltern auf diese Tricks aufmerksam macht und sie warnt“, so Spessa.

Zu guter Letzt sollten sich Betroffene an die Polizei wenden und den Vorfall melden. Auch das Kürzen oder Streichen des Vornamens oder gar des gesamten Telefonbucheintrags kann schützen.

Sebastian Hamberger setzt auf Skepsis: „Wenn eine fremde Person am Telefon Geld will, kann es nicht mit rechten Dingen zugehen.“

Artikel 4 von 11