Aschau – Zur Ölberg-Andacht lädt der Pfarrverband Oberes Priental am Donnerstag, 26. März, ab 19 Uhr in die Aschauer Pfarrkirche Darstellung des Herrn ein. Das Besondere daran ist, dass sich die lebensgroßen Figuren des Fastenbildes am Hochaltar während der Andacht mechanisch bewegen. Während Jesus betet, fallen die Jünger Petrus, Johannes und Jakobus immer wieder in den Schlaf. Der Mond zieht währenddessen durch die Kulisse. Später steigt ein Engel aus den Wolken hernieder, um dem betenden Jesus Stärkung zu reichen. Eine bildhafte Darstellung, eine, die für Aschau eine besondere Bedeutung hat. Pfarrer Paul Janßen zieht im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen das Lexikon für Theologie und Kirche heran.
Trostengel
mit dem Kelch
Dort heißt es, dass in Jerusalem schon gegen Ende des vierten Jahrhunderts der Todesangst Christi in Gethsemani (Ölberg) gedacht wurde. Das Ölbergleiden gehört zur Motivwelt mittelalterlicher Passionsfrömmigkeit. Seit dem 15. Jahrhundert bis in die Barockzeit wurden besonders in Süddeutschland und Österreich in und an Kirchen plastische Ölberggruppen errichtet. Dargestellt sind kniender Christus, Trostengel mit Kelch, drei schlafende Jünger. Es entstanden eigene Ölbergandachten an den Donnerstagen in der Fastenzeit, zum Teil sogar mit szenischen Darstellungen. Erste Anregungen zur Wiedereinführung der Ölbergandacht in der Aschauer Pfarrkirche, die in den 1950er- Jahren einschlief, kamen dann um die Jahrtausendwende vom damaligen Vorsitzenden des Aschauer Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), Hans Rucker, und von Korbinian Gabriel, der immer wieder als „Aushilfs-Meßner“ in der Kirche zu tun hatte. Wolfgang Bude, der 1984 den HGV gründete, weiß noch, dass seinerzeit die Mechanik für die beweglichen Figuren nicht mehr richtig funktionierte, aber dass sich Gabriel noch sehr gut an den Bedienungsmechanismus erinnerte. Und dass der Engel, der Jesus den Kelch bringt, nicht mehr auffindbar war. Deshalb beauftragte man den Künstler Franz Feistl, einen neuen zu erschaffen. Im Zuge der Renovierungs- und Aufräumarbeiten auf dem Dachstuhl der Kirche fand man später den alten Kelch wieder, stieß auch auf Kulissenteile des alten Heiligen Grabes. Insofern könne man sagen, meint Bude, dass die Ölbergandacht die Initialzündung für das Aschauer Auferstehungsspiel 2005 in der Festhalle und die Auferstehungsspiele des renovierten Heiligen Grabes 2019 in der Aschauer Pfarrkirche war. Doch zurück zur Ölbergandacht, die vor 25 Jahren erstmals wieder mit musikalischer Begleitung durchgeführt wurde. Nachzulesen in einem Artikel der OVB-Heimatzeitungen. Bude erinnert sich, dass damals die Kirche gut gefüllt war und dass sich die Gläubigen über die Belebung der althergebrachten Andacht freuten. Pfarrer Janßen zieht noch ein weiteres Buch heran: „Aschau wie es früher war“ aus dem Jahr 1964, in dem Max Ziegmann heimatkundliche Aufzeichnungen zusammenfasst.
Dort steht, dass der Ölberg 1839, also weit nach der Errichtung des Heiligen Grabes (erste Aufzeichnung 1619, 1627 Vergrößerung und 1797-1799 höherer Aufbau und Neuanstrich, Anm. der Red.) errichtet wurde. Wortwörtlich heißt es weiter bei Ziegmann: „Ebensowenig liturgisch und nach Ansicht vieler Kirchenbesucher auch zu theatralisch, hängen die Aschauer doch auch an ihm mit großer Zähigkeit.“
Bewegender
Eindruck
Ziegmann schreibt, dass ein Kind, das von der Ölbergandacht einst nach Hause kam, behauptete, der Engel hätte es angeschaut und ihm zugewinkt, und dass dieser Eindruck „noch im hohen Alter bei ihm unverlöschbar“ war. Die Ölbergandacht samt mechanisch bewegter Szenerie will auf die Fastenzeit einstimmen.
Musikalisch gestaltet wird die Ölbergandacht heuer von den Riederinger Sängerinnen und Erich Gawlik, Pfarrer Paul Janßen übernimmt die Andacht mit Wechselgebeten.