Landkreis Rosenheim – Mit 22 Jahren will Influencerin Lea Jell einen ehemaligen Kuhstall in eine „Pferdeoase“ für ihre Pferde verwandeln. In den sozialen Medien begeistert sie damit über eine Million Abonnenten. Die Bauarbeiten für den eigenen Stall laufen bereits, doch die junge Frau steht noch vor einigen Herausforderungen.
Riesen Herausforderung und viel Zuversicht
„Es ist ein riesen Haufen“, sagt Lea Jell (22) mit Blick auf ihr aktuelles Projekt. Sie steckt gerade mitten im Umbau. Ihr neuer Pferdestall entsteht aus einem ehemaligen Kuhstall – somit wird aus einem landwirtschaftlichen ein gewerblicher Betrieb. „Das ist nicht immer leicht, aber ich bin zuversichtlich und hoffe, dass alles klappt“, sagt die Influencerin. Die Zustimmung vom Gemeinderat hat sie bereits, doch auch ein paar andere Genehmigungen braucht sie noch. „Ich hoffe, dass wir aus dem Stall etwas Schönes machen können“, sagt sie.
Der Traum von
einem eigenen Stall
Auf Instagram, YouTube und TikTok gibt sie ihren Abonnenten Einblicke in die Arbeit mit ihren Pferden und ihr Leben. Viele Videos entstehen an ihrem aktuellen, gepachteten Stall. Die Idee, einen eigenen zu besitzen, habe sie schon lange gehabt, doch die passende Immobilie habe gefehlt. Zurzeit muss sie lange fahren, um zu ihren fünf Pferden zu kommen. Das würde sich durch die nähere Lage bei ihrem neuen Stall ändern. „Ich spare mir dadurch Lebenszeit, dass ich nicht jeden Tag eine Stunde durch die Gegend gurke“, sagt sie. Das bedeute für sie auch mehr Flexibilität und eine Möglichkeit, noch mehr Projekte mit ihren Pferden umzusetzen.
Auch diese Projekte teilt sie in den sozialen Medien. Dort bekommen ihre Abonnenten aktuell die verschiedenen Baumaßnahmen rund um den neuen Stall mit. Insgesamt soll die Fassade gleichbleiben, aber innen sei einiges geplant: drei Offenställe für die Pferde, eine große Sattelkammer, ein Waschplatz, ein Putzplatz, ein Geräteraum, Pferdeboxen, wenn ein Tier etwa krank ist, und auch ein Stüberl, also ein Aufenthaltsraum. „Das soll unsere kleine Oase werden. Ich will dort für immer bleiben – das ist mein Lebensprojekt“, sagt Lea Jell.
Ein Lebensprojekt, das sie komplett selbst finanziert. „Dadurch spüre ich etwas Druck, schließlich ist es eine Riesensache, die ich selbst stemmen muss. Das ist furchteinflößend“, sagt die 22-Jährige. Beim Überblicken des Umbaus ist sie allerdings nicht ganz allein und kann auf die Unterstützung ihrer Eltern setzen. Ihre Mutter sei sofort dabei gewesen, als sie von ihrem Plan erzählt habe, nur ihren Vater habe sie überzeugen müssen.
Doch der helfe ihr jetzt bei den Dingen, von denen sie nicht so viel Ahnung habe. „Aktuell geht es um die Entwässerung und davor um das Auffüllen der Güllegrube“, sagt sie. Bei diesen Punkten sei sie froh, dass sie auf seine Unterstützung zählen könne. Mehr Ahnung habe sie allerdings vom Interieur: „Am Designen habe ich am meisten Spaß. Wo kommt was hin, wie soll es mal aussehen? Das ist das Schönste“, sagt sie. Denn grundsätzlich würde sie alles selbst gestalten.
„In dem Moment finde ich es nicht mehr lustig“
Nur für einen entsprechenden Plan, den sie auch der zuständigen Gemeinde vorlegen musste, habe sie einen Architekten gebraucht. Der Entwurf kam beim Gemeinderat gut an, er stimmte dem Vorhaben zu. Auch habe das Gremium das detailliert ausgearbeitete Konzept für gut befunden, erzählt Lea Jell. Die Verwaltung habe in der Sitzung betont, dass es sich um eine sinnvolle Nutzung einer bereits bestehenden Bausubstanz handele, heißt es im zugehörigen Bericht aus dem Gemeinderat. Um welche Gemeinde es sich genau handelt, soll nach dem Wunsch der jungen Bauherrin jedoch geheim bleiben. Denn durch ihre Internetpräsenz hat Lea Jell auch ein Problem: Einige ihrer Abonnenten besuchen die aktuelle Baustelle und klingeln auch beim nebenliegenden Haus, sagt sie. „Ich verstehe, dass man an dem Ganzen interessiert ist, aber es ist immer noch ein Privatgrund“, sagt sie.
Zurzeit sei es für ihre Nachbarn blöd, da diese dadurch gestört würden. Für Lea Jell sei es aber vor allem dann ein großes Problem, wenn ihre Pferde dort wohnen. „In dem Moment finde ich es nicht mehr lustig. Mich mag vielleicht nicht jeder, der dann vorbeischaut, und ich möchte nicht, dass meinen Tieren dann etwas gefüttert wird oder Ähnliches“, sagt die 22-Jährige. Auch wenn der Stall dann videoüberwacht ist, würde es ihr Sorgen bereiten. Deshalb appelliert sie an alle, aus Respekt vor den Tieren und Anwohnern, die Privatsphäre zu schützen.
Aktuell wird am alten Stall noch viel zurückgebaut, wozu auch das Ausräumen und Auffüllen der Güllegrube gehört. Doch es gehe voran und ihr Plan sei, im September umzuziehen. „Ich habe aber noch Sorge, dass wir es zeitlich nicht schaffen und länger brauchen“, sagt sie. Trotzdem hätten sie den Pachtvertrag von ihrem jetzigen Stall bereits gekündigt.
Den ganzen Prozess werden ihre Abonnenten auch künftig auf ihren Kanälen in den sozialen Medien miterleben können und auch sehen, ob am Ende alles so klappt wie geplant.