Raubling – Rund 11.000 Raublinger bekommen eine neue Bürgermeisterin. Franziska Pfaffenhuber (Freie Wähler Raubling) gewinnt die Stichwahl und setzt sich gegen Michael Linnerer (CSU) durch. Mit 61,6 Prozent gewinnt sie die entscheidende Wahl und wird damit die erste Frau an der Spitze des Rathauses.
„Dass es so deutlich wird, hätte ich nicht erwartet“, sagt Pfaffenhuber, kurz nachdem die Ergebnisse feststehen. Sie wirkt sehr gefasst, für das, was sie in den vergangenen Wochen geleistet hat. „Das ist, denke ich, meine Art. Viele haben mich vor der Entscheidung gefragt, ob ich nicht total gestresst bin. Aber ich war eher positiv gespannt“, sagt die gefragteste Raublingerin an diesem Abend. Trotzdem sei sie froh, dass das Ergebnis so deutlich ausfiel. „Das zeigt, dass die Bürger wirklich dahinterstehen“, betont Pfaffenhuber.
Pfaffenhuber
die deutliche Siegerin
Dabei sah es lange so aus, als ob es knapp werden würde. Wie zuletzt 1996, als Josef Neiderhell sich mit nur sieben Stimmen Vorsprung gegen Heinz Rothdauscher durchsetzte. Bis heute war dies die knappste Stichwahl-Entscheidung seit der Archiverfassung im gesamten Rosenheimer Landkreis.
Die Vorzeichen versprachen ein ähnliches Drama – beim ersten Wahldurchgang bekam Linnerer 1.615, Pfaffenhuber 1.614 Stimmen. Für beide Kandidaten, die damit auf jeweils 44,5 Prozent aller Stimmen kamen, war damit im Vorfeld alles offen.
Doch bei der Stichwahl ergab sich ein vollkommen anderes Bild. Pfaffenhuber sammelte 3.412, Linnerer lediglich 2.129 aller abgegebenen Stimmen.
Linnerer zeigte sich direkt nach der Wahl als sehr fairer Verlierer. „Wir haben nicht mit so einem Ausgang gerechnet. Der Wähler hat ein deutliches Zeichen gesetzt“, sagt der CSU-Kandidat, den das Ergebnis überraschte. Er habe mit seinem Team bis zum Schluss gekämpft, um die Kontinuität an der Rathausspitze beizubehalten. Denn seit 48 Jahren stellte ausschließlich die CSU den Bürgermeister. Diese Historie wurde nun durchbrochen. Für Linnerer wird es somit als Gemeinderat weitergehen. „Dort sind wir mit zehn Sitzen weiterhin die stärkste Kraft und werden auch mit der neuen Bürgermeisterin gut zusammenarbeiten“, verspricht Linnnerer mit Blick auf die Zukunft.
Wahlbeteiligung lag
bei 60,9 Prozent
Die Wahlbeteiligung zur Stichwahl lag bei 60,9 Prozent. Ab dem 1. Mai beerbt Pfaffenhuber damit Olaf Kalsperger (CSU), der 18 Jahre lang an der Spitze der Gemeinde stand. Nach drei Amtsperioden seit dem Jahr 2008 trat der amtierende Bürgermeister nicht mehr zur Kommunalwahl an.
Schon wenige Minuten nach der Wahl prasselten die ersten Anfragen auf Pfaffenhuber ein. „Ich werde das jetzt Stück für Stück angehen“, sagt die Siegerin auf dem Weg zu einer kleinen Feier beim Alten Wirt. „Da wird es für die einen Bier und für die anderen Apfelschorle geben“, meint Pfaffenhuber lächelnd. Auf die Frage, was es für die Wahlsiegerin gibt, ist die Antwort klar. „Apfelschorle. Denn morgen um acht Uhr geht es schon wieder weiter.“