Neubeuern – Dem voll besetzten Saal im Beurer Hof nach zu urteilen, ist der Neubeurer Nockherberg anscheinend doch jedermanns Sache. Das große Thema seiner Rede war für Sebastian Berndt, Autor und Regisseur des Singspiels, in diesem Jahr natürlich die Kommunalwahl. Aber er verwies auch darauf, dass in diesem Jahr der Name Christoph in drei Teile zerfallen ist. Es gibt Christoph, den Heiligen, das ist der Pfarrer. Christoph, den Bürgermeister, und Christoph, den Narren, das ist der diesjährige Faschingsprinz.
Gewerbegebiet sorgt
für Traum-Wahlergebnis
Er berichtete, dass sich der Bürgermeister Schneider so ganz ohne Gegenkandidaten zuerst gar nicht recht wohlgefühlt hat, denn ein Sieg ohne Gegner fühle sich eben nicht wie ein Sieg an. Aber schlussendlich war er doch der Meinung, dass er schon 100 Prozent der Stimmen bekommen müsste. Doch durch ein paar Abweichler sind es dann doch nur 99,2 Prozent geworden.
Die neu gewählten Gemeinderäte haben auch keine ganz leichte Aufgabe. Weil Neubeuern den „BauTurbo“ gezündet hat, damit auch Junge bauen können, muss mittlerweile bei jedem Spatenstich ein Mediator dabei sein, weil die Nachbarn auf die Barrikaden gehen. Neubeuern, das ist irgendwie der FC Hollywood unter den Gemeinden. Schön, geil, erfolgreich – aber es geht halt nie ohne Drama. „Jetzt kommt noch was, was uns ganz, ganz wichtig ist und uns ganz stark am Herzen liegt“, fügte Sebastian Berndt noch an. „Wir wollen mit ganz, ganz viel Dankbarkeit und Freude an unseren Freund, an den Grabl Tommi erinnern, der plötzlich und unerwartet verstorben ist. Er war über 20 Jahre ein unersetzbares Mitglied der Nockherberg-Familie. Er war jeden Tag vom Aufbau bis zum Schlussapplaus mit dabei. Er ist ein unglaublich toller, toller Mensch gewesen und jeder von euch, glaube ich, hat ihn in Erinnerung. Er war immer unfassbar positiv. Und diesen positiven Vibe und diese Dankbarkeit für das gemeinsame Erlebnis wollen wir noch mal für euch und für ihn und für uns in ein kleines Lied packen.“
Fabian Berndt und Markus Leitner sangen für ihn, im Hintergrund begleitet von den anderen Nockherberg-Schauspielern: „Aber nu, schaust du von oben zu. Du bist dabei, jederzeit, wir erinnern uns mit Freud, an die Momente mit dir. Und ganz egal, wie viel Zeit bei uns herum vergeht, wir vergessen di nia. Grabl Tommi e’bello…“
Nach diesem bewegenden Moment öffnete sich die Bühne für das Singspiel und alle befanden sich mitten im Geschehen am Zapfpunkt am Hochstraßer See. Das ist der neue Hotspot im Grenzgebiet zwischen Rohrdorf und Neubeuern. Shorty (Josef Mager) und der Lang Michi (Sebastian Heibler), zwei Neubeurer Originale, unterhalten sich mit Helmei, dem Wirt vom Zapfpunkt (Markus Leitner) darüber, was sich in der letzten Zeit in Neubeuern so getan hat.
Als erster Gast kommt der Bürgermeister (Fabian Berndt) und singt: „Angie, danke für das Gewerbegebiet“. Gemeint ist Angelika von der Familie Schnitzenbaumer-Dieterich, die der Marktgemeinde das Grundstück überlassen hat. Und er freut sich weiter: „So sehen Sieger aus – Stimmenkönig – Erdrutschsieg. Und endlich fließt wieder Geld in unsere Gemeindekassen. Wir haben ein Gewerbegebiet, dank mir.“
Doch der Shorty meint: „Herr Bürgermeister, jetzt gehst doch bitte mal einen Schritt zurück, du stehst mit einem Fuß in Rohrdorf.“ Und der Wirt vom Zapfpunkt ergänzt: „Wir sind hier im Dreiländereck. Da ist ein bisschen Rohrdorf, da ein bisschen mehr Raubling. Da ist aber ganz viel Neubeuern.“ Und weiter: „Du, Christoph, ein Freund von mir, der Bäcker Markus Leitner, der hätte auch noch ganz gern ein Stück vom Gewerbegebietskuchen. Geht da gar nichts mehr?“ Der Bürgermeister antwortet: „Ich kann der lieben Angie beim besten Willen nichts mehr abringen. Die Amtsgeschäfte machen sich auch mit einem Jahrhundertwahlergebnis nicht von alleine.“ Mit diesen Worten verabschiedet sich der Bürgermeister und begrüßt dabei Dominik Babel (gespielt von seinem Bruder Florian Babel), vom Reisebüro Elegant Travel und murmelt: „Ein guter Gewerbesteuerzahler.“
Dominik Babel hängt nach seinem Auftrittslied sofort wieder am Handy: „Ja, Herr Benko, grüß Gott! Ach, Sie können die nächsten zehn Jahre nicht mehr reisen? Ja. Das ist sehr schade. Doch, die Malediven gibt’s dann immer noch.“
Jetzt kommt noch Anna, die Tochter vom Wirt (gespielt von Miriam Thoma), dazu und sie unterhalten sich über den grandiosen Neubeurer Jubiläumsfasching. Anna kann, als Gardemädchen, viele Geschichten dazu beitragen. Doch dann kommt das Gespräch auf den Jedermann. Und die Anna meint: „Holi Aperoli, das war spitze, da war ich auch dabei.“
Zum Ende erklingt das
Lied vom Wackelkontakt
Der Heinz, der Klarei (Heinz Baumgartner, Gesamtleiter und Vorstand der Theatergemeinschaft), hätte sich wieder völlig übertroffen. Er habe auch dem Ex-CEO vom Schatt eine halbe Stunde lang erklärt, wie man eine Folie richtig zusammenfaltet – und einem Schreinermeister erklärt, wie man einen Spax gerade ins Holz hineinschraubt. „So ist er, der Heinz, von der kleinen Schraube bis zum Hauptdarsteller hat er alles im Griff“, ergänzt noch der Lang Michi.
Am Ende betritt noch der Peter Brandtner, Bauleiter und Stenz von Neubeuern, (auch von Fabian Berndt gespielt) die Bühne und macht Party mit dem Lied vom Wackelkontakt. Da ist auch das Publikum nicht mehr zu halten und singt und klatscht begeistert mit.