Geschichte lebendig erzählt: Gustl Lex begeistert in Frasdorf

von Redaktion

Vortrag über den „Hutzenauer“ Georg Eisenberger verbindet Politik, Dorfleben und Mundart

Frasdorf – „Es ist unglaublich, wie man die kompliziertesten politischen Ereignisse auf unterhaltsame und vergnügliche Weise in der bairischen Sprache darstellen kann und man dabei auch noch so viel über das bäuerliche und dörfliche Leben erfährt“, so Rupert Wörndl, der Vorsitzende des Frasdorfer Heimat- und Kulturvereins, über Gustl Lex, der über das Leben und Wirken des Georg Eisenberger, des „Hutzenauer“ aus Ruhpolding, berichtete. Bereits zum siebten Mal war Gustl Lex, Grabenstätter Ortsheimatpfleger, Chronist und Mundartdichter, nach Frasdorf gekommen, um über die „alte Zeit“, über besondere Personen oder geschichtliche Ereignisse zu berichten, und das immer in schönster Chiemgauer Mundart, wie sie auch in Frasdorf gesprochen wird. Mitveranstalter war der Verein bairische Sprache und Mundarten Chiemgau-Inn. Die Lebensleistung des Georg Eisenberger habe ihn in besonderer Weise angesprochen und zum 80. Todestag im letzten Jahr habe er sich an die Recherchen für diesen Vortrag gemacht, erklärte Gustl Lex. Auf dem Hutzenauerhof in Ruhpolding, den es noch heute gibt, kam Georg Eisenberger 1863 zur Welt. Von klein auf musste er auf dem Hof mitarbeiten und ihn dann auch übernehmen. Nebenbei ging er im Staatsforst zur Holzarbeit. Über den „Bund der Oberlandler Waldbauern“ kam er zum „Bayerischen Bauernbund“, dessen Vorsitzender er von 1901 bis 1930 war.

Seine politische Laufbahn begann im Gemeinderat in Ruhpolding und dann als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde. Seinen Einzug in den bayerischen Landtag verdankte er merkwürdigerweise seiner Aufstellung als Kandidat im niederbayerischen Wahlkreis Griesbach. Als Abgeordneter war ihm die Förderung der Almwirtschaft ein Herzensanliegen. Über die „Weimarer Nationalversammlung“ gelangte er schließlich in den Deutschen Reichstag, dem er bis 1932 angehörte. Nicht nur in München, auch in Berlin trug Eisenberger immer seinen „forstgrünen Anzug“ mit Hut und Gamsbart, statt Frack und Zylinder, wie es damals bei den Abgeordneten üblich war. Dank seiner Intelligenz und seines rhetorischen Talents erwarb er sich Anerkennung und Bekanntheit in ganz Deutschland. Manchen galt er gar als „Rebell“. Als dann die „Hitlerbuben“ kamen, mit denen er nichts zu tun haben wollte, zog er sich auf seinen heimatlichen Bauernhof zurück. Den Einmarsch der Amerikaner in Ruhpolding 1945, nach dessen Fortschritt er sich noch auf dem Sterbelager ständig erkundigt hatte, erlebte er nicht mehr. Am 1. Mai 1945 ist er im Alter von 82 Jahren verstorben. „Es gilt als sicher, dass Ludwig Thoma, der sich ja in Traunstein einige Zeit als Rechtsreferendar aufhielt, in seinem Roman ,Andreas Vöst‘ die Person Hutzenauer mitverarbeitet hat. Auch Ludwig Thomas ,Filserbriefe‘ und der Einakter ,Erste Klasse‘ lassen solche Einflüsse erkennen“, führte Gustl Lex aus. Eine große Besucherzahl hatte die Ausführungen interessiert und amüsiert verfolgt. „Eine schönere Geschichtsstunde kann man sich kaum vorstellen. Man könnte stundenlang zuhören“, bemerkte Marianne Steindlmüller, jahrelang Bürgermeisterin von Frasdorf und Mitglied im Verein Bairische Sprache. Zum Gelingen des Abends hatten auch Gaby Dicker und Norbert Hierl beigetragen. Sie lockerten den Vortrag durch Jodlerweisen, eigene landlerische Stücke mit Ziach und Gitarre oder Okarina und Gesangseinlagen auf.

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