Niederaudorf – Es war ein Abend, wie ihn sich ein Dorf für seine Blasmusik nur wünschen kann: Die Turnhalle in Niederaudorf war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Erwartung spürbar hoch, und am Ende stand ein Publikum, das mit lang anhaltendem Szenenapplaus dankte. Das Josefikonzert der Musikkapelle Niederaudorf geriet zu einer eindrucksvollen Demonstration dessen, was eine musikalisch ambitionierte, zugleich tief in der Gemeinde verwurzelte Kapelle leisten kann, wenn kluge Programmdramaturgie, diszipliniertes Musizieren und hörbare Spielfreude zusammenfinden.
Musikvorstand Martin Schweinsteiger hieß die zahlreichen Ehrengäste, Freunde und Wegbegleiter der Kapelle willkommen, dankte der Gemeinde, den Ortsvereinen und allen Unterstützern für die verlässliche Zusammenarbeit und vergaß auch die vielen Helfer im Hintergrund nicht – von den Aushilfen über die Familie Heppel für die Beleuchtung bis zur Petö-Schule, die die Turnhalle zur Verfügung stellte. Auch der Blumenschmuck von Kathi Trattner fand seine verdiente Erwähnung. Nebenbei kündigte Schweinsteiger noch das erste Klosterfest am Samstag, 23. Mai, ab 18 Uhr im Klosterhof an.
Josef Kern lockerte den Abend auf, ohne ihm je die Konzentration zu nehmen. So entstand ein Programmfluss, der nicht nur informierte, sondern das Publikum geradezu an die Hand nahm.
Musikalisch setzte die Kapelle unter der Leitung von Martin Kurz von Beginn an ein Zeichen. Richard Wagners „Sei uns gegrüßt!“ verlangt von einem Blasorchester mehr als bloß festlichen Klang. Hier braucht es Haltung, klangliche Balance und einen Dirigenten, der Pathos nicht mit Schwere verwechselt. Genau das gelang: Kurz formte die Festmusik mit sicherem Blick für Spannungsbögen, ließ die Blechbläser strahlen, ohne die Holzstimmen zuzudecken, und sorgte damit für einen ebenso würdigen wie beweglichen Auftakt.
Besonders heikel – und gerade deshalb bemerkenswert – geriet das „Largo“ aus Vivaldis „Winter“ in der Bearbeitung von Philip Sparke. Solche barocken Vorlagen können im sinfonischen Blasorchester leicht zu dicht oder zu pauschal klingen. Die Niederaudorfer fanden jedoch einen feinen, transparenten Ton. Der Satz atmete, die Phrasen waren sorgsam modelliert, und die Kapelle bewies jene Disziplin im Leisen, die oft mehr über ihr Niveau verrät als jeder Fortissimo-Effekt. Martin Kurz hielt die Linien zusammen und ließ zugleich Raum für jene Ruhe, die diese Musik braucht.
Ganz andere Tugenden waren bei der „Petersburger Schlittenfahrt“ gefragt. Der Galopp lebt von Präzision, federnder Leichtigkeit und blitzsauberem Zusammenspiel – sonst kippt er rasch ins bloß Hastige. Doch die Musikkapelle Niederaudorf meisterte die rhythmischen Klippen und Tempowechsel mit hörbarer Souveränität. Hier zeigte sich eine Kapelle, die technisch bestens vorbereitet war und auch in den turbulenteren Passagen nie die Kontrolle verlor.
Mit „Frühling im Inntal“ bekam der erste Konzertteil dann jene warme, heimatverbundene Farbe, die dem Abend eine zusätzliche Dimension gab. Der volkstümliche Konzertwalzer wurde nicht sentimental überzuckert, sondern mit Eleganz und Sinn für den großen Atem musiziert. Gerade in solchen Stücken entscheidet sich, ob eine Kapelle nur sauber spielt oder wirklich erzählen kann. Die Niederaudorfer konnten es. Der „Frühjahrsparademarsch“ von Robert Stolz setzte schließlich einen Glanzpunkt zum Abschluss des ersten Teils: schwungvoll, klar konturiert und mit jener Selbstverständlichkeit vorgetragen, die gute Marschmusik erst zu jener Kunst erhebt, als die sie an diesem Abend zu hören war.
Nach der Pause gehörte die Bühne zunächst dem Jugendorchester mit Nachwuchsmusikanten aus Oberaudorf, Niederaudorf und Mühlbach. Mit eigens ausgewählten Stücken setzte der gemeinsame Auftritt der jungen Musiker ein sympathisches und musikalisch engagiertes Zeichen gelebter Nachwuchsarbeit. Mit „Intrada Majestica“ kehrte die Musikkapelle Niederaudorf dann auf die Bühne zurück und eröffnete den zweiten Konzertteil. Bei „Olympic Fanfare and Theme“ beeindruckte, mit welcher Entschlossenheit und klanglichen Vorstellungskraft das Orchester dieses repräsentative Werk gestaltete.
Das verlangt rhythmische Sicherheit, tragfähigen Blechklang und Mut zur großen Geste. Auch „Musik liegt in der Luft“, die „Perger Polka“ und der kraftvolle „Abschied der Slawin“ wurden mit Verve und beachtlicher Geschlossenheit musiziert – ein zweiter Konzertteil, der die stilistische Bandbreite und die musikalische Geschlossenheit der Niederaudorfer eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Die Zugaben „Honigmond“, „Weinkellerpolka“ und „Marsch der Medici“ wurden gefeiert. re