Raubling/Brannenburg – Peter Gold, Mathias Lederer und Matthias Jokisch (Brannenburg); Josef Neiderhell und Olaf Kalsperger (Raubling). Diese fünf Männer standen in den vergangenen drei Jahrzehnten an der Spitze der beiden Inntal-Gemeinden, die am Sonntag (22. März) in die Stichwahl gingen. Eines hatten Raubling und Brannenburg dabei seit mehr als 30 Jahren gemeinsam. Sämtliche Bürgermeister kamen aus den Reihen der CSU.
Raubling seit 48 Jahren
mit CSU an der Spitze
„In Raubling ging das sogar 48 Jahre zurück”, meint Michael Linnerer, Stichwahl-Kandidat für die CSU in Raubling. Er unterlag der kommenden Bürgermeisterin Franziska Pfaffenhuber im entscheidenden Durchgang mit 61,6 zu 38,4 Prozent. Ein deutliches Zeichen, das einige überraschte. „Ich habe noch keine wirkliche Erklärung dafür”, sagte Linnerer direkt nach der Wahl gegenüber dem OVB.
Und damit ist Linnerer nicht allein. Auch in Brannenburg, Rimsting und auch Rosenheim ging die Stichwahl nicht zugunsten der CSU aus. Ein historisches Ergebnis, zumal in Raubling Linnerer und Pfaffenhuber beim ersten Wahlgang nur eine einzige Stimme trennte. In Brannenburg lag CSU-Kandidat Hubert Estner sogar mit knapp 150 Stimmen vor seinem Konkurrenten Christian Zweckstätter.
Grüne Wähler entscheiden über Bürgermeister
Aber welchen Grund gibt es für den deutlichen Umschwung bei den Stichwahlen? Zumindest in Brannenburg und Raubling liegt die Antwort wohl an den Wählern der Grünen, die sich nach dem ersten Durchgang umentscheiden mussten. In Brannenburg sammelte Josip Lackovic (Grüne) 567 Stimmen, in Raubling Martin Rutz (Grüne) 647 Stimmen. „Ich glaube schon, dass viele dieser Stimmen bei der Stichwahl nicht auf die CSU gefallen sind“, analysiert Pfaffenhuber.
Eine ähnliche Vermutung äußerten auch die beiden Brannenburger Kandidaten. So war Hubert Estner auch nicht allzu überrascht, als er von dem Wahlergebnis erfuhr. Während der CSU-Kandidat seinen Anteil von 43,5 „nur“ auf 44,4 Prozent steigern konnte, sammelte Zweckstätter gut 300 Stimmen mehr und kam von 39,4 Prozent auf entscheidende 55,6 Prozent bei der Stichwahl.
In Raubling allerdings drehte sich das Wahlergebnis um mehr als 1.000 Stimmen. Auch darüber äußerte Franziska Pfaffenhuber eine Vermutung. „Ich könnte mir vorstellen, dass einige, vor allem die Grünen-Wähler, gerne eine Frau als Bürgermeisterin sehen wollten“, vermutet sie.
CSU bleibt im Rat
stärkste Fraktion
Ein kleiner Lichtblick für die CSU: Sowohl in Raubling als auch in Brannenburg bleibt die Partei mit zehn beziehungsweise sieben Sitzen die stärkste Kraft. Auch wenn in der Kommunalpolitik die Parteizugehörigkeit laut der Stichwahl-Kandidaten nicht die übergeordnete Rolle spielt. Sowohl Estner als auch Linnerer, die beiden unterlegenen Bürgermeister-Kandidaten, waren dementsprechend nach der Wahl überzeugt, dass man im Gemeinderat gut mit den neuen Gesichtern an der Rathausspitze zusammenarbeiten wird.