Ein Klassiker ist zurück: Most-Könige der Region gesucht

von Redaktion

Früher galt Apfelwein als Getränk für Ältere, oft mit Essigstich. Doch er hat sich weiterentwickelt. In Schechen treten die besten Most-Hersteller bei einer öffentlichen Verkostung gegeneinander an, um zu zeigen, dass das Getränk ein neues Image verdient hat.

Schechen – Wer macht den besten Most des Landkreises? Das ermitteln die Gartenbauvereine Schechen und Rimsting jedes Jahr abwechselnd. Heuer mit einer Neuerung: Erstmals prämieren die Mosthersteller ihre Apfelweine, bevor sie die zehn besten Ende April öffentlich verkosten lassen.

Ihr Ziel: Den Apfelwein wieder „unter die Leute bringen“, sagt Klaus Ettenhuber. Und zeigen, was die heimischen Streuobstwiesen qualitativ hergeben. Denn der Most hat ein Imageproblem. Thomas Ettenhuber hat dafür eine einfache Erklärung: die Technik. „Wenn Sauerstoff dazukommt, ist der Most früher schnell gekippt und bekam diesen typischen Essigstich“, erklärt er. Doch diese Zeiten sind vorbei. Moderne Herstellung hat das Handwerk revolutioniert – heute sorgen etwa Reinzuchthefen, im Labor kultivierte Hefestämme ohne Bakterien und Schimmelpilze, für eine kontrollierte Gärung.

Der Anspruch an ihren Most ist hoch: Er muss „genauso blank und sauber sein wie ein Wein“, erklärt Thomas Ettenhuber. Bei der Prämierung können die Hersteller bis zu zwei Sorten mitbringen, die dann verdeckt verkostet werden. Punkte gibt es für Aussehen, Geruch und Geschmack, erklärt Klaus Ettenhuber das Prozedere. Die zehn besten Moste werden dann bei einer öffentlichen Verkostung am 24. April im Mesnerwirt Marienberg vorgestellt. Wie viel Herzblut in einer Flasche steckt, zeigt ein Blick in den Obstgarten der Brüder. Rund 400 Spalierbäume und 40 mächtige Apfelbäume bilden den Grundstock für ihr Hobby, das Mosten. Von August bis Oktober herrscht Hochbetrieb: Ernten, Waschen, Ausschneiden und Aussortieren. Denn „aus was Schlechtem wird nichts Gutes“, lautet das Credo von Thomas Ettenhuber. Nach dem Saftpressen in Tuntenhausen folgt die Verwandlung in geschlossenen Edelstahlfässern. Unter Zugabe von Reinzuchthefe, streng geschützt vor Sauerstoff, beginnt darin die Gärung. „Nach ein, zwei Tagen fängt es an zu gluckern“, beschreibt Thomas den Prozess, wenn die Kohlensäure aufsteigt. Nach etwa drei Wochen ist die Gärung abgeschlossen. Das Ergebnis ist ein Naturprodukt mit rund sechs Prozent Alkohol, ähnlich einem Weißwein.

Pur, als Schorle
oder mit Sirup gespritzt

Dass Most das Zeug zu einem modernen Getränk hat, möchte der Gartenbauverein mit seiner Veranstaltung zeigen. Denn das Naturprodukt ist vielseitig: Neben purem Most kann man ihn als Schorle oder trendigen „Spritzer“ mit einem Schuss Aroniasirup genießen. Ein Blick über die Grenze zeigt, wie sehr der Most in anderen Regionen geschätzt wird: „In Österreich sind sie schon einen Schritt weiter“, sagt Klaus Ettenhuber und verweist auf das Mostviertel in Niederösterreich, wo das Getränk Kultstatus genießt. Mit der Prämierung und Verkostung in Schechen soll nun auch im Rosenheimer Land ein Stück dieser lebendigen Mostkultur neu belebt werden.

Artikel 8 von 11