Brauchtum lebendig vermittelt

von Redaktion

Workshop für Palmbuschenbinden des Obst- und Gartenbauvereins Oberaudorf, Niederaudorf, Mühlbach

Oberaudorf – Der Obst- und Gartenbauverein Oberaudorf, Niederaudorf, Mühlbach veranstaltete den Workshop „Palmbuschenbinden für Kinder“. Unter der Leitung von Gerda Lanzl-Burger tauchten die jungen Teilnehmer nicht nur in die praktische Arbeit ein, sondern erfuhren auch viel über die religiöse Bedeutung des Palmsonntags. Der Name „Palmsonntag“ erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem ihm die Menschen mit Palmzweigen zujubelten.

Im Mittelpunkt stand aber das Binden der traditionellen Palmbuschen. Dabei lernten die Kinder die verschiedenen Materialien und deren Symbolik kennen. Das Herzstück bildet das Weidenkätzchen, das unbedingt bereits Wochen vor Palmsonntag – noch vor der Blüte – geerntet werden muss, so Lanzl-Burger. Es darf nicht ins Wasser gestellt werden. „Der Name ‚Kätzchen‘ deutet auf den fellartigen Blütenstand hin, der gelbe Pollen dient als wichtige Nahrungsquelle für Honigbienen“, unterrichtet Lanzl-Burger. In die Mitte des Palmbuschens gehört der längste und schönste Kätzchenzweig, erfuhren die Kinder.

Die Weide steht im Palmbuschen für Lebenskraft und den Frühling. Weitere Bestandteile eines Palmbuschens tragen ebenfalls eine tiefere Bedeutung: Der Buchsbaum symbolisiert das Leben, das stärker ist als der Tod, da er den Winter übersteht und im Frühjahr neu austreibt. Die Stechpalme (Ilex) erinnert mit ihren stacheligen Blättern an die Dornenkrone Jesu, ihre roten Früchte stehen für das Blut Christi.

Ein besonderer Blickfang sind die bunten Bänder, die den Palmbuschen schmücken. Sie stehen für die Freude über den Einzug Jesu in Jerusalem sowie für die österliche Hoffnung. Jede Farbe hat ihre eigene Bedeutung, weiß Lanzl-Burger: „Rot symbolisiert das Blut Christi und die Liebe Gottes, Weiß steht für Reinheit und Auferstehung und Grün zum Beispiel für die Hoffnung auf ewiges Leben.“

Für das Binden selbst verwendeten die Kinder Draht sowie Gartenscheren, um die Zweige passend zuzuschneiden. In Oberaudorf ist es zudem Brauch, die Palmbuschen mit bunten Bändern und kleinen Brezen zu schmücken – ursprünglich eine kleine Belohnung nach der Prozession. Im Anschluss an die Prozession zogen die Kinder früher dann von Haus zu Haus, besuchten Nachbarn und Verwandte und überreichten die Palmbuschen, wofür sie häufig mit Süßigkeiten oder etwas Geld belohnt wurden, erinnert sich Lanzl-Burger. Die Kinder sind jedenfalls sehr zufrieden mit ihren selbst gebundenen Büschen: „Mir gefällt er super“, meint die neunjährige Franziska Horn aus Kiefersfelden.

Auch nach der Weihe behalten die Palmbuschen ihre Bedeutung: Sie werden traditionell im Herrgottswinkel hinter dem Kreuz aufgehängt, ein Jahr lang aufbewahrt und schließlich am Aschermittwoch des Folgejahres verbrannt. In der Landwirtschaft finden sie ebenfalls Verwendung, indem sie zum Schutz der Tiere an Stallungen angebracht werden. Der Workshop zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Brauchtum vermittelt werden kann – und wie wichtig es ist, dieses Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Der siebenjährige Lorenz Remlinger hat das verstanden, er möchte gut aufpassen und das Binden lernen, denn dann „kann ich es als Erwachsener später meinen Kindern zeigen“, so der Bub aus Oberaudorf. Die Freude der jungen Palmbuschenbinder lässt sich nachhören: Ein entsprechender Link ist auf der Homepage des Obst- und Gartenbauvereins unter www.ogv-oberaudorf.de zu finden.

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