Prutting – Ihr Bürgermeister ist ein Multitalent, das wissen die Pruttinger. Bislang noch nicht aufgefallen ist aber, dass er auch theologische Expertise besitzt. Das aber muss so sein, denn Johannes Thusbaß hat jetzt verkündet, dass es in Prutting – wenn überhaupt – allenfalls eine lässliche Sünde sei, in der Karwoche Fleisch zu essen. Und da nach dieser Feststellung kein strafender Blitz auf ihn herniederfuhr, darf man annehmen, dass er für diese Ansage tatsächlich höheren Segen hat.
Freude über das
zweite Wunder
Grund für solches Wohlwollen gäbe es: Denn in Pruttings Dorfmitte ist nach der Wiederbelebung des Dorfwirtshauses ein zweites kleines Wunder gelungen – auch die Metzgerei ist wieder auferstanden. Sie wird am heutigen Mittwoch, dem sogenannten Karmittwoch, ihre Türen öffnen. Die Geschichte der Wiederbelebung ist auch ein Beispiel dafür, dass Platteln nicht nur volkstümliche Tradition, sondern auch eine ideale Gelegenheit zum Netzwerken ist. Es war nämlich beim letzten Gebiets-Preisplatteln in Prutting im Juli 2025, als Bürgermeister Johannes Thusbaß einem Banknachbarn so nebenbei von seinem Bemühen erzählte, wieder einen Metzger für den Ort zu finden. Und zwar möglichst einen echten. Also einen, der seine Produkte selber herstellt und nicht nur Eingekauftes weiterverkauft. Der Banknachbar meinte: „Wenn Du einen guten Metzger suchst, dann wende Dich an den Vinzenz, der sitzt da vorn.“
Zwar konnte der Handel an jenem Tag noch nicht perfekt gemacht werden, denn Vinzenz Leitner hatte ja bereits seine Metzgerei in Stephanskirchen. Allerdings behielt er den Vorschlag im Hinterkopf und als ihm im letzten November dort der Pachtvertrag gekündigt wurde, fragte er in Prutting nach, ob noch Interesse bestünde. Dem war so und deshalb wird Prutting ab dem heutigen Mittwoch wieder einen Metzger mit hervorragendem Ruf haben.
Denn Vinzenz Leitner steht mit seinen fünf Mitarbeitern für erstklassige Qualität, das hat er schon in Stephanskirchen, genauer gesagt am Schloßberg, bewiesen. Auch der Erfolg seines Cateringangebotes spricht für sich. Und mehr als noch in Stephanskirchen kann er in Prutting seinen Wurstwaren seinen eigenen Stempel aufdrücken. Denn der Platz in Prutting erlaubt es ihm, mehr als früher wirklich selbst herzustellen.
Der Vorgänger freut sich
über den Nachfolger
Pruttings neue Metzgerei also nicht nur eine als Metzgerei verkleidete Großhandelstheke, sondern, wie früher, vor der Schließung, auch, ein echter Handwerksbetrieb. Georg Maier, der bis 2024 30 Jahre lang Pruttings Metzgerei geführt hatte, bis er aus Altersgründen aufgab, freut sich deshalb nicht nur darüber, dass es in den Räumen weitergeht, sondern auch über die Tatsache, dass er einen „echten Metzger“ und damit einen würdigen Nachfolger haben wird. Und wenn Georg Maier mit Recht sagt, dass es nach rund 45 „Dienstjahren“ in Wirtschaft und Metzgerei einfach genug gewesen sei, dann ist solches bei Vinzenz Leitner auf absehbare Zeit nicht zu befürchten: Er ist gerade Mal 30 Jahre jung und voller Begeisterung über die Möglichkeiten, die ihm jetzt die „neuen“ Räume bieten.
Die einzigen, die von dieser Entwicklung nicht richtig begeistert sein dürften, sind die zahlreichen Stephanskirchener Stammkunden von Vinzenz Leitner. Die empfinden sein erzwungenes Weggehen – wie übrigens auch Stephanskirchens Bürgermeister – durchaus als Verlust. Ein Trost immerhin: Prutting ist von Stephanskirchen aus nicht aus der Welt und darüber hinaus, wie man seit letztem Jahr ministeriell bestätigt hat, eines der heimeligsten Dörfer Bayerns, also in jedem Fall eine „Reise“ wert.
Die Öffnungszeiten der Metzgerei werden übrigens wie folgt sein: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 16 Uhr, Freitag von 7 bis 18 Uhr, und Samstag von 7 bis 12 Uhr. Montag ist Ruhetag.