Eine höchst filigrane Leidenschaft

von Redaktion

Klosterarbeiten sind eine filigrane, jahrhundertealte Kunsthandwerksarbeit. Aus Goldfäden und Wachselementen entstehen kleine Figuren, die religiöse Abbilder verzieren. Roswitha Sigl aus Untersur bei Amerang hat diese Leidenschaft vor über 30 Jahren für sich entdeckt.

An Ostern steht vor allem die Karwoche im Fokus der Handwerkskunst. Die kleinen Kunstwerke sind oft eiförmig oder in aufwendig verzierte Eier eingepasst.

Amerang – Liebe zum Detail zelebriert Roswitha Sigl bei ihrem Handwerk, das Leidenschaft und Hobby zugleich ist: Seit 33 Jahren widmet sie sich den Klosterarbeiten. Damals ist die Faszination bei einem Klosterausflug des Frauenbunds auf sie übergegangen. Sie informierte sich in Büchern und tauschte sich mit anderen aus. So entstanden viele Ideen. Seitdem ergänzen die Klosterarbeiten ihr erstes Hobby, das Töpfern. Ihre handgemachten Werke stellt sie bei sich daheim in Untersur aus und gibt Kurse für Interessierte.

Zeit und Geduld
unabdingbar

Die Resonanzen ihrer Teilnehmer sind durch die Bank hindurch positiv: „Sie sind motiviert und haben Lust auf die filigrane Arbeit, deren Ursprung bis ins Mittelalter geht. Bis jetzt haben es alle durchgezogen. Wenn es mal fuchst bei Kleinigkeiten wie dem Zusammenbinden, bin ich freilich unterstützend zur Stelle. Aber man muss es schon gerne machen“, betont Roswitha Sigl und ergänzt mit voller Überzeugung: „Goldarbeit kann zu einer Sucht werden.“ Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt, das gefällt der 69-Jährigen besonders gut beim Anfertigen der Klosterarbeiten. Wenn die Kreativität sprudelt, kann sie Zeit und Raum um sich herum vergessen und sich ganz auf den Moment konzentrieren. „Ich liebe es, in die Arbeit einzutauchen, und nehme mir gerne die Zeit.“ Denn Zeit benötigt man bei der Klosterarbeit ebenso wie Geduld.

„Schnell schnell geht hier nichts“, betont die Amerangerin und wiegt ein fragiles, mit Gold verziertes Ei, in dessen Inneren vorsichtig ein kleiner brauner Wachs-Hase eingearbeitet wurde, in ihren Händen. Mit Pausen sitzt sie mehrere Tage an einem Objekt – je nach Größe und Aufwand, Gebinde herzustellen, Proportionen anzupassen und Einzelteile einzuarbeiten. Manchmal sind es auch Wochen. Unabdingbar ist natürlich ein guter Kleber, der das Werk ordentlich zusammenhält.

Zu Ostern dreht sich alles um die Karwoche – von der Kreuzigung bis zur Auferstehung und gerne in Verbindung mit der Madonna. Dementsprechend werden die Klosterarbeiten bevorzugt in Eiern verschiedener Größen und Formen angefertigt. Ob es sich dabei um das klassische Hühnerei, das größere Gänseei oder das große Emu- und Straußenei handelt, hängt von den Verfügbarkeiten ab. Auf Märkten in der Gegend wird Roswitha Sigl meist fündig, vereinzelt gibt es auch Märkte, die die größeren Exemplare anbieten.

Nicht fehlen dürfen die verzierenden Goldfäden – glänzend oder matt, Gold oder Silber. Bestimmte Geschäfte vertreiben die Rohmaterialien. Für die Rahmen lässt sich die 69-Jährige Leisten vom Schreiner fertigen, Plastik kommt ihr nicht ins Haus.

Alte Handwerkskunst mit all ihren Facetten zu erhalten, ist mit Herausforderungen verbunden: So sei es immer schwieriger, etwa den sogenannten Glassturz zu erwerben. Damit gemeint ist eine Glasglocke oder -haube, die als schützende Abdeckung über das Objekt gestülpt wird. Denn Luft und Feuchtigkeit können die Kunstwerke verändern. „Viele Glaser hören auf, ohne, dass es eine Nachfolge gibt“, erzählt Roswitha Sigl traurig. Sie ist froh, eine junge Glasbläserin an der Hand zu haben, die unter anderem rechteckige Formen herstellt. Auch den Wachsziehern fehlt der Nachwuchs. Nur noch ein von ihren ursprünglich drei Kontakten sei übrig. Ein Grund mehr, ihr Hobby aufrechtzuerhalten. Werke, die Roswitha Sigl besonders ans Herz gewachsen sind, sind zum einen der „gute Hirte“ oder das „Vierjahreszeiten-Ei“.

Besondere Motive
zum jeweiligen Fest

Zur Osterzeit gibt es Spielereien für die Palmzweige des Osterstraußes, woran kleine Kunstwerke mit einem Zwicker befestigt werden, an Weihnachten dreht sich alles um Engel und Nikoläuse, die auf Schlitten Platz genommen haben. Außerdem bietet Roswitha Sigl in ihren Kursen auch die Herstellung selbst gemachter Haarklammern an, die besonders junge Teilnehmerinnen zur Tracht tragen.

Ursprung der Klosterarbeiten

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