Von Streithähnen zur starken Gemeinschaft

von Redaktion

Sechs Jahre nach dem Amtsantritt von Bürgermeister Simon Frank ist aus Aschau im Chiemgau eine friedliche Gemeinde geworden. Wo einst Misstrauen und politische Grabenkämpfe den Alltag bestimmten, prägen heute Respekt, Dialog und ein gemeinsames Ziel das Miteinander.

Aschau im Chiemgau – In Aschau wird heute nur noch selten um ein Thema gestritten: zum Beispiel um den Ersatzneubau der Kampenwandseilbahn. Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders. Es sei „wirklich schlimm“ gewesen, erzählen Ratsmitglieder, Besucher und Beobachter von einst. Jede Sitzung eine Kampfansage. Immer schlechte Stimmung. Dafür aber ein ausgebuchter Besucherraum, weil viele das Spektakel live miterleben wollten.

Mit politischen Querelen
in aller Munde

„Unsere Gemeinde war mit Knatsch und politischen Querelen in aller Munde“, erinnert sich Simon Frank (46). Damals war er noch nicht kommunalpolitisch aktiv, engagierte sich aber in Vereinen und der Feuerwehr seines Heimatortes. „Es gab überwiegend negative Schlagzeilen. Die Leute haben uns belächelt. Das konnte man sich wirklich nicht mehr länger mit anschauen.“

Also entschloss er sich, für den Gemeinderat zu kandidieren. Doch seine Frau Janina (38) bestärkte ihn darin, wenn schon, dann doch gleich richtig anzupacken und direkt fürs Bürgermeisteramt anzutreten. „Da war ich erst mal baff“, erzählt Simon Frank lachend. Also tagte der Familienrat, denn „in einer Familie hat jeder seine Rolle“, sagt Janina, die damals als Kauffrau für Tourismus und Freizeit in der Tourist-Info Bernau arbeitete.

Ihr Mann, erzählt sie, sei schon immer ein Macher gewesen. Zunächst arbeitete er als Gas- und Wasserinstallateur, bevor er sich mit zahlreichen berufsbegleitenden Qualifizierungen und Studien weiterbildete – vom staatlich geprüften Wassermeister über den Ausbilder bis hin zum Bachelor in Umwelt-, Verfahrens- und Energietechnik sowie zum Master in Europäischer Energiewirtschaft. Auch als die beiden Kinder Tobias und Verena bereits geboren waren, arbeitete Simon Frank im Tag- und Bereitschaftsdienst, engagierte sich als Zugführer bei der Feuerwehr und lernte abends zusätzlich für seine Studien.

Zur Kommunalwahl 2020 war er 39 Jahre alt und als verbeamteter Betriebsingenieur beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd für das Energie- und Gebäudemanagement von über 60 Dienststellen verantwortlich. Parallel dazu war er als freiberuflicher Ingenieur für Trinkwasserversorgungstechnik tätig und Dozent an der DVGW-Wassermeisterschule in Rosenheim. Genug Verantwortung, könnte man meinen.

Ein besonderes
Familienprojekt

Doch Familie Frank entschied sich bewusst für ein gemeinsames Projekt: „Unser Herz schlägt für unsere Heimat. Wir brauchen das Gefühl, etwas bewirken zu können“, sagt Janina. Auch die Kinder Tobias und Verena, damals zehn und acht Jahre alt, waren einverstanden: „Das passt schon.“ Und so packte die Familie es gemeinsam an.

Klar war für Simon Frank von Anfang an, dass er keiner Partei angehören wollte. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er daher die freie Bürgerliste „Zukunft für Aschau“ (ZfA). Als sich die Kandidaten erstmals vorstellten, war die Festhalle Hohenaschau bis hinauf zur Empore brechend voll. „All diese Menschen fühlten sich ausgegrenzt und wollten eine Veränderung – das war unheimlich beeindruckend“, erinnern sich Simon und Janina Frank.

Corona-Krise
überschattet Amtsantritt

Der Wunsch nach einem konstruktiven, wertschätzenden, transparenten und unparteilichen Miteinander von Bürgern, Gemeinderat, Bürgermeister und Verwaltung sowie nach einem Image der Gemeinde, das den Menschen gerecht wird, spiegelte sich im Wahlergebnis wider. Die ZfA erreichte auf Anhieb 34,1 Prozent der Wählerstimmen und damit sieben von 20 Sitzen im Gemeinderat. Simon Frank setzte sich gegen drei weitere Kandidaten mit 57,8 Prozent als Bürgermeister durch.

Einfach war sein Start in die Kommunalpolitik nicht – auch wenn ihm die Verwaltung zur Seite stand, er durch seine Arbeit die Funktionsweise von Behörden kannte und sich in kommunalpolitischen Seminaren auf sein neues Amt vorbereitet hatte. Die Corona-Krise erschütterte gerade das Land. Als Simon Frank im Mai 2020 sein Amt antrat, hatte die Pandemie im Landkreis schon fast 200 Leben gefordert. Auch in Aschau gab es Tote.

Das Leben stand still. Kindergärten, Schulen und Geschäfte waren geschlossen. Die Übernachtungszahlen brachen ein. Die Einnahmen fehlten. Nicht nur bei Gewerbetreibenden, auch in der Gemeinde. Kommunalpolitik war reine Krisenverwaltung. Im OVB-Interview sagte Simon Frank nach wenigen Tagen im Amt: „Das wird eine harte Zeit – wahrscheinlich sogar die härteste der Nachkriegszeit. Für uns alle.“ Und doch blieb er optimistisch.

Wie alte Konflikte
beigelegt wurden

Sobald es wieder möglich war, lud der neue Bürgermeister den Gemeinderat und die Verwaltung zur Klausurtagung ein. Begleitet von einem neutralen Mediator und mit dem Ziel, alte Konflikte hinter sich zu lassen und zur Sacharbeit zurückzufinden.

Es ist gelungen. In Projektgruppen arbeiten Bürger, Gemeinderäte und Verwaltung seitdem gemeinsam an den wichtigsten Themen der Gemeinde. Man dürfe unterschiedlicher Meinung sein, behalte aber immer das gemeinsame Ziel vor Augen, blicken Räte auf die erste Legislaturperiode von Simon Frank zurück.

Toleranz, Respekt und Sacharbeit bestimmen jetzt das gemeinsame Engagement für die Gemeinde. Und so wird es auch möglich, Krisen zu überstehen. Als die Kostenprognose für die Priental-Halle trotz massiver Einsparmaßnahmen im Verhältnis zur Planung der vorhergehenden Legislatur völlig überraschend auf über zehn Millionen Euro steigt, hat der Bürgermeister schlaflose Nächte. Und doch geht es weiter: mit Transparenz, sachlicher Diskussion und ohne „Nachtarocken“.

Sechs Jahre später ist die Gemeinde befriedet – und auf einem guten Weg. Die Priental-Halle ist längst eröffnet. Die Personalkrise in den Kitas ist überwunden, und die Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder gesichert. Der Weg für ein alternatives Wärmenetz wurde geebnet. Im Priental entsteht ein Pflege- und Gesundheitsnetzwerk.

Der Tourismus entwickelte sich wieder zu einem der wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Gemeinde. Und auch wenn die Entwicklung in Sachrang mit dem gescheiterten Maro-Wohnprojekt und einem neuen Sachranger Hof nicht wie erhofft vorankommt, bleibt Simon Frank ausdauernd dran.

Der Bürgermeister wird geschätzt: für seine Transparenz, seinen Intellekt, sein diplomatisches Geschick und seine klare Haltung. So stieg die Gemeinde im September 2025 aus dem Rufbus „Rosi“ aus, da das Projekt aus Aschauer Sicht nicht mit der „treuhändischen Verwaltung der Steuergelder der Bürger“ vereinbar war.

Auch die überstürzte Anwendung des sogenannten Bau-Turbos stellt Aschau zunächst zurück und möchte sich zum Wohle des Ortsbildes zuerst klare Leitplanken setzen. Zudem, die seiner Ansicht nach zulasten der Gemeinden geht. Er fordert weniger Machtgerangel und mehr Fokus auf den Dienst an den Bürgern.

Verantwortung
für 6.000 Menschen

Die Kommunalwahlen 2026 zeigen, dass sein Wirken anerkannt wird. Simon Frank wird mit 92,2 Prozent wiedergewählt. „Ohne meine Frau, die mir den Rücken stärkt und daheim alles managt, wäre all das nicht möglich“, würdigt er den familiären Rückhalt. Seine Frau Janina ist dabei seine größte Kritikerin und zugleich wichtigste Ratgeberin – durch ihren „konstruktiven Blick und den Perspektivwechsel“, wie Simon Frank betont.

Auch bei der Familie Frank hat sich in den vergangenen sechs Jahren vieles verändert. „Wir stehen mitten im Leben und kennen die Bedürfnisse aller Generationen“, sagt Simon Frank heiter. Mit Marlene (4) und Vinzenz (1) sind zwei weitere Kinder dazugekommen, während Tobias (16) und Verena (14) langsam eigene Wege gehen. Auch Eltern und Großeltern leben in der Gemeinde.

Die älteren Kinder sind stolz auf ihren Vater: „Weil er den Turnhallenbau geschafft hat“, sagt Tobias. „Und weil er sich die Wünsche der Jugendlichen anhört und nun auch ein Jugendtreff geplant ist“, ergänzt Verena.

Bei all den neuen Aufgaben und der Verantwortung für fast 6.000 Einwohner der Gemeinde Aschau hat sich der Alltag in Familie und Freundeskreis kaum verändert. Trotz der zahlreichen Termine für einen Bürgermeister liebt es Simon Frank noch immer, mit Freunden und Bekannten bei „schöner Musi entspannt im Bierzelt zu hocken“. Ganz privat aber ist er nie, sondern immer der Bürgermeister. „Das passt schon“, sagt er und lacht.

Simon Frank hat sein Ziel erreicht. Über die Aschauer lacht heute keiner mehr. Und auch im letzten öffentlichen Streit um die Kampenwandbahn wird letztlich die Vernunft siegen.

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