Raubling – Wo ist in Raubling eigentlich der Ortskern? Das fragen sich nicht nur Auswärtige. Auch Einheimische können darauf keine klare Antwort geben. Raubling ist in seiner Struktur industriell geprägt und durch seine günstige Verkehrsinfrastruktur ein wichtiger Wirtschaftsstandort im Landkreis Rosenheim. Doch einen jahrhundertealten Ortskern wie seine Ortsteile Großholzhausen oder Pfraundorf hat Raubling nicht.
Kauf 2019 ebnet den Weg zu einem Ortskern
Das mit dem Ortskern könnte sich bald ändern: Mit dem Erwerb des Grundstücks an der Bahnhofstraße im Jahr 2019 samt der alten Bröckervilla hat die Gemeinde Raubling eine Möglichkeit geschaffen, perspektivisch zu bauen oder aber einen Ortskern zu gestalten. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde ein Leitbild für dieses Areal vorgestellt. Ein öffentlicher Ort für Mehrwert im Alltag und für Gemeinschaft ist angedacht.
Besonders interessant waren die Visualisierungen, die nachvollziehbar machen, wie durch Sitzgelegenheiten, sonnige und schattige Bereiche, Blickbeziehungen und eine freundliche, offene Gestaltung eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen werden könnte. Die Ortsmitte ist als ein Ort der Begegnung gedacht – für spontane Treffen ebenso wie für gemeinsame Veranstaltungen.
Mit dieser Gestaltung entstünde eine große Nutzungsvielfalt – etwa für Märkte oder Veranstaltungen. Trotzdem soll eine mögliche Nachverdichtung auf dem Grundstück zu einem späteren Zeitpunkt im Auge behalten werden. „Der Handlungsspielraum für eine Bebauung wäre nach wie vor gegeben“, sagt Bürgermeister Olaf Kalsperger. Er sieht im vorgestellten Konzept eine ideale Chance für einen Ortskern.
Mögliche Nutzungen und ein Raumprogramm wurden ausführlich aufgezeigt. Denkbar wären unter dem Aspekt der Aufenthaltsqualität beispielsweise ein grüner Bereich mit Sitzmöglichkeiten, Treffpunkten, kurzen Wegen und einer ruhigen Nutzung.
Auch Veranstaltungen und Märkte könnten in der neuen Ortsmitte geplant und durchgeführt werden. Als Beispiele wurden ein Weihnachtsmarkt oder Vereins- und Gemeindeveranstaltungen genannt. Als ergänzende Bausteine wären ein Café oder eine Freilichtbühne denkbar. Dabei, so der Vorschlag, sollten sich verschiedene Nutzungsbausteine überlagern können, ohne die grüne Mitte zu verlieren. Entscheidend sei eine robuste Grundstruktur für den Alltag und für Veranstaltungen.
Architektenwettbewerb für beste Ideen
Das präsentierte Leitbild für das Areal neben dem Rathaus diente als Inspiration für den Gemeinderat, denn bis zur Umsetzung ist es noch ein weiter Weg. Bevor die grüne Ortsmitte entstehen kann, müssen verschiedene Gutachten – etwa für den Immissionsschutz – erstellt und öffentlich-rechtliche Belange geklärt werden.
Danach müsste sich der Gemeinderat auf Kriterien für die Gestaltung der Ortsmitte einigen, auf deren Grundlage ein Architektenwettbewerb ausgelobt werden kann. Mit der Moderation dieses Prozesses müsste ein Büro beauftragt werden.
Die Entwürfe sollen, so der Tenor im Gremium, nicht nur vom Gemeinderat bewertet, sondern in einer Ausstellung auch den Bürgern zugänglich gemacht werden. Am Ende dieses Prozesses soll ein Siegerentwurf stehen, der bei Bedarf ergänzt werden kann und die Grundlage für den Planungsprozess bis zum Bebauungsplan ist.