Träume platzen wie eine „Soafabloasn“

von Redaktion

Pfarrstadl-Theater Großholzhausen entführt Zuschauer in die 1960er-Jahre

Großholzhausen – Brotzeit, Bier und Blasmusik im „Wohnzimmer“ der Theaterspieler, im Pfarrstadl, dann ist angerichtet für einen lustigen Theaterabend. Wenn die erwartungsfrohen Zuschauer gestärkt und die „Theatermusi“ zünftig zur Einleitung spielt, geht pünktlich der Vorhang auf: „Soafablosn“ wird heuer von den Laiendarstellern des Pfarrstadl -Großholzhausen auf die Bühne gebracht. Regisseurin Josef Kern kündigt an: „Seit Januar proben wir, es ist der Wahnsinn, für uns das Größte, wenn an den ersten beiden Aufführungen der Pfarrstadl bereits voll besetzt ist. Wir freuen uns riesig. Lassen Sie sich überraschen, es geht um Träumerei mit viel Musik und Gesang.“

Eine Studentenkneipe
im Jahr 1968

„Soafablasn“ von Reinhard Seibold ist ein Stück, das irgendwo in einer Musik- und Studentenkneipe im Jahr 1968 spielt. Die drei Musiker „Elvis“ (Michael Gruber), „Ringo“ (Lucas Pfob) und „Tchibo“ (Markus Gschwendtberger) träumen von der großen Karriere. In der Kneipe der frustrierten Barbesitzerin Zarah (Anna Stadler) nehmen die Träume von Brigitte (Agnes Gasteiger), vom Chege (Jakob Kreckl), von „Marylin“ (Christine Weyerer) und von „Charlie“ (Marianne Köllmeier) ungeahnte Ausmaße an.

Elvis-Darsteller Michale Gruber gab mit einer Interpretation eines Songs des „Kings“ sowie die anderen Musiker mit Gesangs- und Musikeinlagen den musikalischen Ton vor. Als der Koffer eines inzwischen abgereisten Übernachtungsgastes, den Brigitte als „Saubären“ bezeichnet, in der Kneipe zurückbleibt, ist die Spannung nach dem Inhalt groß, die Versuchung in zu lüften, noch viel größer. Schließlich öffnen ihn die neugierigen Freunde: Er ist bis oben hin mit Geldscheinen gefüllt – 500.000 D-Mark. „Jäh“ entfährt es dem „Tchibo“, wie so häufig in dem Stück. Schnell ist klar: Mit dem Geld ließe sich so mancher Traum erfüllen. „Chege“ will durch eine zurechtgezimmerte Ideologie alle Skrupel beiseiteschieben. „Schnauze!“ heißt es, wenn „Marylin“ Bedenken anmeldet. Sie sei ohnehin als Schauspielerin im Bayerischen Fernsehen nur dann geeignet, falls die eine Frauenleiche suchen. „Ringo“ träumt von der Schwerelosigkeit, die derzeit mit der Mondumrundung der Artemis 2 Rakete aktuell ist. „De Leit woin auf´n Mond fahr´n, dawei sans in 60 Jahr genau so blöd wia mia“, wird darüber gewitzelt.

Es beginnt die Suche nach den abgebliebenen 500.000 Mark. Das ruft „Kommissar Fährtenwahn“ (Tobias Kern) auf den Plan. Seine Ermittlungen kommen ins Straucheln, erst recht als eine Zeugin, „Frau Bartl“ (Liesi Magger), eine „flüsternde Stimme“ mitten in der Nacht gehört haben und sie wiedererkennen will. Eine stimmliche „Gegenüberstellung“ mit allen, die den Koffer geöffnet haben, wird angeordnet. „Man kann sich halt mal täuschen“, gibt die Zeugin kleinlaut zu und keinen zufriedenstellenden Anhaltspunkt für den Kommissar, der schließlich unter den Zuschauern einen „Verdächtigen“ zum Verhör bietet. „I war’s net“, kann dieser aufrichtig beteuern.

Seifenblasen fliegen
über die Bühne

Die Aufklärung folgt in den nächsten Vorstellungen, die Realität holt alle ein und am Ende platzen so manche Träume wie „Soafablasn“, die unzählig durch die Bühne flogen. Der kaum enden wollende Beifall war verdientes Lob, für eine beeindruckende Vorstellung.

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