Zwischen Festlichkeit und Filmmusik

von Redaktion

Die Musikkapelle Nußdorf bietet dem Publikum in der voll besetzten Turnhalle einen starken Konzertabend

Nußdorf – Für das Frühjahrskonzert der Musikkapelle Nußdorf hätten die Voraussetzungen kaum besser sein können. Die Begrüßung übernahm der Vorsitzende der Kapelle, Markus Weyerer, während Ehrenvorsitzende Josef Weyerer mit Humor und Charme durch das Programm führte.

Das Programm bot eine klug aufgebaute Folge von Stimmungen und Klangfarben. Festlichkeit, Unterhaltung und musikalischer Anspruch griffen überzeugend ineinander. Dass daraus weit mehr wurde als eine bloße Nummernfolge, war nicht zuletzt das Verdienst eines Dirigats, das die unterschiedlichen stilistischen Ebenen mit Übersicht, Präzision und Sinn für Proportionen zusammenhielt.

Schon mit Richard Strauss‘ „Festmusik der Stadt Wien“ machte die Kapelle klar, dass sie an diesem Abend auf Substanz setzte. Das Blech entfaltete Strahlkraft und Fülle; Trompeten und Hörner zeichneten die festlichen Konturen mit sicherem Ton, während der Gesamtklang auch in den breiteren Passagen durchhörbar blieb.

Mit Lukas Bruckmeyers „In Vita Optimum“ verschob sich der Akzent. Nun waren im Orchester Farbigkeit, Differenzierung und innere Bewegung gefragt. Vor allem die Holzbläser verliehen dem Werk Wärme und Geschmeidigkeit, während tiefes Blech und Schlagwerk das Fundament mit ruhiger Selbstverständlichkeit absicherten. Der musikalische Fluss blieb dabei stets gewahrt, die Übergänge wirkten organisch. Auch Walter Tuschlas „Die Welt der Oper“ gewann an Profil. Solche Bearbeitungen verlangen Beweglichkeit, Stilgefühl und die Fähigkeit, unterschiedliche Ausdruckswelten auf engem Raum plausibel miteinander zu verbinden. Die Kapelle löste diese Aufgabe bemerkenswert souverän.

Zu den stärksten Momenten des Abends zählte das Tubasolo „Them Basses“ von Getty H. Huffine. Gerade weil die Tuba im Orchester meist als Fundamentinstrument wahrgenommen wird, besitzt ein solistischer Auftritt besonderen Reiz. Der Solist nutzte ihn eindrucksvoll. Die technischen Anforderungen des Stücks – schnelle Artikulation, Beweglichkeit in den Läufen, sichere Tongebung auch in exponierten Passagen – wurden bemerkenswert souverän gemeistert. Der Vortrag entwickelte Witz, Leichtigkeit und Charme.

Die „Archivisten Polka“ von Markus Nimmervoll und der „Jubiläumsgruß“ von Gerald Atzl rückten wieder stärker das gemeinschaftliche Musizieren in den Mittelpunkt. Die Polka bewies, wie viel Präzision hinter scheinbarer Mühelosigkeit steckt. Der „Jubiläumsgruß“ setzte dem eine festlichere Klangfarbe entgegen und lebte von Geschlossenheit, ausgewogener Registerarbeit und einer Wärme, die nie ins Sentimentale abglitt.

Einen weiteren Höhepunkt bildete John Higgins‘ Bearbeitung von „The Lion King“. Filmmusik muss im Konzertsaal Atmosphäre erzeugen, ohne sich auf Bilder stützen zu können. Das gelang eindrucksvoll. Das Schlagwerk setzte markante Impulse, die tiefen Register sorgten für Gewicht und Erdung, während die melodieführenden Stimmen den bekannten Themen ihre emotionale Weite gaben.

Einen Ruhepunkt schuf anschließend Michael Korbs „Highland Cathedral“. Das Werk lebt von der Fähigkeit, eine große Melodie über längere Bögen zu tragen. Genau das gelang.

Mit Christoph Pichlers Bearbeitung von „Der Schuh des Manitu“ kehrte dann der Humor zurück als bewusst gesetzter Kontrast. Die Kapelle spielte diese Musik mit hörbarer Freude an prägnanten Akzenten, rhythmischer Schärfe und jenem kontrollierten Übermut, den das Stück braucht, um wirklich zu zünden. Dasselbe galt für den Schluss mit „Don’t Stop Me Now“ von Freddie Mercury. Blech, Saxofone und Schlagzeug trugen das Finale mit Präsenz, rhythmischer Stabilität und spürbarem Drive. So endete der Abend mit jener Mischung aus Präzision und Spielfreude, die ihn durchweg ausgezeichnet hatte.

Dass dieses Konzert so geschlossen wirkte, lag auch an der breiten und ausgewogenen Besetzung der Kapelle. Mit 46 Musikern präsentiert sie sich nicht nur klanglich stabil, sondern auch erkennbar zukunftsfähig. Dazu passte, dass drei neue Nachwuchskräfte vorgestellt werden konnten.

Neben dem Szenenapplaus für einzelne Programmpunkte honorierte das Publikum den Abend mit lang anhaltendem Schlussapplaus. Das war eine sehr deutliche Antwort auf ein Jahreskonzert, das musikalische Qualität, kluge Dramaturgie und echte Spielfreude überzeugend zusammenbrachte.

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