Rohrdorf – Jeder Mensch kennt das: Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen ist nicht einfach. Schließlich ist es ja nicht so, dass sich die Fallen, in die man schon mal getappt ist, eins zu eins wiederholen. Und man deshalb ein „STOP! Hier bist Du schon mal falsch abgebogen“ sehe.
Mit der Geschichte ist es nicht anders. Auch hier gilt der Satz, dass sich Ereignisse und historische Konstellationen nicht so einfach wiederholen. Aber: Man muss nur ein, zwei Schichten tiefer blicken, hin zu den Mechanismen, die darunter verborgen liegen.
Dieser Aufgabe hat sich die Volkskundlerin Dr. Anna Maria Willer verschrieben. Sie ergründet seit vielen Jahren in ihren Arbeiten und Untersuchungen, wie Nationalsozialismus auf dem Land funktionierte: Welche Prozesse, welche Denkstrukturen haben ihn ermöglicht und am Leben gehalten.
Sie wird am Freitagabend um 19 Uhr im Rohrdorfer Rathaus einen Vortrag halten über zwei Vertreter des nationalsozialistischen Mittelbaus, über Alexander von Wangenheim und Friedrich Schmidt. In Rohrdorf deswegen, weil die beiden schon während des Krieges aber auch noch danach in Rohrdorf lebten.
Davon abgesehen sind ihre Beispiele unabhängig von jeder Örtlichkeit: Es geht darum aufzuzeigen, welches Netzwerk, welche Seilschaften zu einer nationalsozialistischen Karriere führten, welche Rolle bei der Hinwendung zum Nationalsozialismus der Wunsch nach persönlicher Bereicherung und Besserstellung spielte und welche Einflussmöglichkeiten solche Funktionäre auch dort hatten, wo sie gar nicht selbst unmittelbar politisch tätig wurden.
Die Hoffnung, die nicht nur Anna Maria Willer, sondern auch Simon Hausstetter als Hausherr des Rathauses hat: Dass es hier wie beim eigenen Leben ist. Wer die Mechanismen erkannt hat, hat die Chance, nicht immer wieder den gleichen Fehler zu machen. jt