20 Meerschweinchen am Straßenrand

von Redaktion

Unbekannter setzt Tiere in Kartons aus – Polizei ermittelt – Peta setzt Belohnung aus

Söchtenau – Es war ein etwas ungewöhnlicher Anruf bei der Rosenheimer Polizei: Am Mittwochvormittag meldete sich eine Autofahrerin bei der Dienststelle und gab an, dass sie auf dem Weg zur Arbeit einen „verdächtigen Gegenstand“ am Straßenrand gesehen habe. Die Rede war von zwei Kartons. Unbeschriftet. Von einem Besitzer fehlte jede Spur. Die Beamten machten sich daraufhin auf den Weg zu einer Bushaltestelle in Söchtenau.

Vor Ort angekommen, seien ihnen die beiden Kartons sofort ins Auge gefallen. „Im Inneren konnten wir insgesamt 20 Meerschweinchen vorfinden“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer auf OVB-Anfrage. Er vermutet, dass die Tiere um kurz vor 8.30 Uhr von einem bislang unbekannten Täter ausgesetzt wurden. Die Kartons seien mit etwas Stroh ausgelegt worden, Nahrung und Wasser hätten gefehlt. Überlebt haben die Tiere trotzdem. Wohl, weil sie so schnell gefunden werden konnten.

„Wir haben die Tiere erst ins Rosenheimer Tierheim gebracht“, sagt Maurer. Schnell hat sich jedoch herausgestellt, dass das Tierheim in Ostermünchen für Fundtiere zuständig ist, die in Söchtenau gefunden worden sind. „Unsere Kleintierärztin hat die Meerschweinchen aber trotzdem schon einmal durchgecheckt“, sagt Andreas Thomas, Vorsitzende des Rosenheimer Tierschutzvereins. Im Anschluss seien sie nach Ostermünchen transportiert worden. „Wenn Fundtiere bei uns ankommen, werden sie komplett durchgecheckt“, erklärt ein Mitarbeiter am Telefon, der dort für die Kleintiere zuständig ist. Überprüft werde auch, ob die Tiere trächtig sind. „Das kommt relativ häufig vor“, sagt er. Derzeit gibt es im Tierheim Ostermünchen keine Meerschweinchen. „Die Kleintierhaltung ist zurückgegangen“, sagt der Mitarbeiter. Viele Menschen hätten mittlerweile realisiert, wie viel Arbeit Kaninchen oder Meerschweinchen machen und wie viel Platz sie benötigen. „Zwei Kaninchen benötigen beispielsweise mindestens sechs Quadratmeter. Das überrascht viele“, sagt er. Etwas weniger Platz benötigen Meerschweinchen. Trotzdem vermutet der Tierheim-Mitarbeiter, dass es mit der Vermittlung schwierig werden könnte. „Es gibt nicht mehr ganz so viele Liebhaber“, sagt er. Wie es mit den 20 Fundtieren also weitergeht, wird sich zeigen.

Währenddessen sucht die Polizei mit Hochdruck nach dem Besitzer der Tiere. „Wir haben die Kisten jetzt nach möglichen Spuren untersucht“, sagt Hauptkommissar Robert Maurer. Ermittelt wird wegen eines Verstoßes nach dem Tierschutzgesetz. „Die Folge sind eine Geldstrafe oder aber eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren“, sagt Maurer. Immer wieder kommt es im Dienstbereich der Polizeiinspektion Rosenheim vor, dass Meerschweinchen ausgesetzt werden. Im Januar 2022 haben unbekannte Täter zwei Meerschweinchen an einer Wertstoffinsel ausgesetzt. Sie wurden in eine Plastiktüte verpackt. Trotz Minusgraden überlebten die Tiere. 2019 setzten Täter 13 Meerschweinchen aus, ebenfalls in Söchtenau. „In beiden Fällen konnten die Täter nicht ermittelt werden“, sagt Maurer.

Die Tierrechtsorganisation Peta hat jetzt eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt, für diejenigen, die Hinweise zum jüngsten Vorfall liefern können. „Wir möchten helfen aufzuklären, wer die Meerschweinchen einfach an der Bushaltestelle abgestellt und sich selbst überlassen hat“, sagt Monic Moll, Fachreferentin bei Peta. Der ehemalige Besitzer hätte Verantwortungsbewusstsein zeigen und ein Tierheim um Hilfe bitten müssen. „Die Tiere auszusetzen ist tierschutzwidrig und muss bestraft werden“, fügt sie hinzu.

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