Eggstätt – Es ist nicht der erste Anlauf: Die Gemeinde Eggstätt hat in den zurückliegenden Jahren schon des Öfteren bei der unteren Straßenverkehrsbehörde im Landratsamt Rosenheim angefragt, ob in der Seeoner Straße – einer Kreisstraße – eine 30er-Zone eingerichtet werden könnte. Dort befindet sich der katholische Kindergarten St. Georg: mit viel Hol- und Bringverkehr, mit dem Bedürfnis, die Straße auch unmittelbar nach der Kurve sicher überqueren zu können, und mit vielen schützenswerten Menschen.
Landratsamt und Polizei
sehen keine Gefährdung
Doch bislang, so berichtete der Eggstätter Verwaltungsleiter Johannes Halser in der jüngsten Gemeinderatssitzung, sei der Wunsch abgelehnt worden. Bei den Verkehrsschauen hätten Landratsamt und Polizei keine Gefährdungslage erkannt.
Jetzt nimmt die Gemeinde einen neuen Anlauf, denn mit der Novellierung der Straßenverkehrsordnung wurde auch das Einrichten von Tempo-30-Zonen auf überörtlichen Straßen erleichtert. Vor allem „im unmittelbaren Bereich von an diesen Straßen gelegenen Fußgängerüberwegen, Kindergärten, Kindertagesstätten, Spielplätzen, hochfrequentierten Schulwegen, allgemeinbildenden Schulen, Förderschulen, Alten- und Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen oder Krankenhäusern“. Der katholische Kindergarten unmittelbar an der Kreisstraße hat also gute Chancen, zumindest eine zeitlich befristete 30er-Zone zu erhalten.
Hinzu komme, so erläuterte Gemeinderat Florian Erb (FBE), dass bei der Ausfahrt aus der Kindergartenstraße der Verkehr aufgrund der Kurve der Seeoner Straße schlecht einsehbar sei. Zudem befinden sich die Parkplätze für die Eltern auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Kindergartens. Passieren die Fahrzeuge den Bereich mit nur 30 km/h, werde also auch das Überqueren der Straße sicherer.
Hans Plank (CSU) begrüßte den Vorschlag, denn vom Eingang des Kindergartens bis zur Straße seien es keine acht Schritte und damit nur drei Sekunden, in denen viel passieren könne. „Es wird höchste Zeit“, betonte Marianne Schönhuber (ÜWG) und machte die besondere Gefahr für Kinder aufgrund ihres Blickfeldes deutlich, das von Größe und Entwicklung abhängt.
Jacob Illi (Grüne) erinnerte daran, dass 30er-Zonen im Ort schon seit sechs Jahren auf der Agenda des Gemeinderates stehen, und begrüßte die Initiative der Verwaltung. Die will auch die Obinger Straße im Bereich vom Kirchplatz bis zur Hartseestraße mit 30 km/h sicherer machen: die Hauptverkehrsader für Schule und Jugendtreff, für die Besucher von Rathaus, Tourist-Info, Bibliothek, Hartseehalle, Kirche und Friedhof. Zudem entsteht am Kirchplatz gerade ein neuer Gasthof mit Biergarten. „Das Ortszentrum braucht eine Verkehrsberuhigung“, stimmte Jacob Illi der Verwaltung zu: „Eine 30er-Zone wäre super.“
Die Entscheidung trifft
nun das Landratsamt
Dass die Behörden das auch so sehen werden, bezweifelte Hans Plank, da die Obinger Straße eigentlich gut einsehbar sei. Katharina Weinberger (Grüne) hingegen war optimistisch, denn es gebe doch kaum einen Unterschied zur aktuellen Situation: „Durch die Baustelle am Gasthof ist die Geschwindigkeit schon jetzt gedrosselt. Die Leute müssen an der Ampel warten. Es geht doch.“
Der Gemeinderat stimmte beiden Vorschlägen einstimmig zu. Die Entscheidung trifft die untere Straßenverkehrsbehörde in Abstimmung mit der Polizei. Die Eggstätter sind guter Hoffnung und freuen sich auf einen sicheren Weg zum Kindergarten und auf mehr Aufenthaltsqualität im beruhigten Ortszentrum.