Gelebte Baukultur gewürdigt

von Redaktion

Gemeinde Stephanskirchen zeichnet Neubau und Sanierung aus – Preisverleihung im Schloss Innleiten

Stephanskirchen – Die Gemeinde Stephanskirchen hat zum dritten Mal ihren Baukulturpreis verliehen und damit erneut ein Zeichen für qualitätsvolles Bauen gesetzt. In den Kategorien Neubau und Sanierung wurden Projekte ausgezeichnet, die in besonderer Weise Ästhetik, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit vereinen. Einen passenden und zugleich eindrucksvollen Rahmen für die Preisverleihung bot der Festsaal von Schloss Innleiten – dem Anwesen eines Preisträgers – Familie Schneider.

Auszeichnung
soll Impulse geben

In seiner Ansprache betonte Bürgermeister Karl Mair die Zielsetzung des Preises: „Es geht um mehr als schönes Bauen. Es geht um eine gelebte, regionale Baukultur.“ Diese solle nicht nur erhalten, sondern aktiv weiterentwickelt werden. Der Baukulturpreis verstehe sich daher auch als Impulsgeber für künftige Bauvorhaben in der Gemeinde. Zugleich verwies Mair auf ein Spannungsfeld: Die aktuell diskutierte Liberalisierung von Bauvorschriften zur Schaffung von Wohnraum könne mit dem Anspruch an Qualität und Lebensraumgestaltung kollidieren. Für Stephanskirchen sei es daher wichtig, die Lebensqualität vor Ort faltig zu sichern.

Die Jury, vertreten durch den Bauausschuss des Gemeinderats, zeichnete in der Kategorie Neubau das Einfamilienhaus von Christine und Johannes Wieser in Schloßberg aus. Trotz der zunehmenden Kritik am Flächenverbrauch durch Einfamilienhäuser überzeugte das Projekt durch eine gelungene Neuinterpretation dieser Bauform. Besonders hervorgehoben wurde die Kombination unterschiedlicher Baumaterialien und moderner Technik, die konsequent auf Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit ausgerichtet ist.

In der Kategorie Sanierung fiel die Wahl auf Schloss Innleiten in der Innleitenstraße, das sich im Besitz von Peter Schneider befindet. Der Bausachverständige hatte die umfassende Sanierung mit großem Engagement vorangetrieben und dem historischen Gebäude neuen Glanz verliehen.

Das Anwesen blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Errichtet um 1870 unter dem Architekten Carl Baumann als Teil eines Landguts, wurde es zwischen 1883 und 1897 durch Thomas Gillitzer zum heutigen Schloss ausgebaut. Eine Besonderheit stellte die ursprüngliche Nutzung dar, wie Bürgermeister Mair erläuterte: Die einzelnen Stockwerke waren getrennt erschlossen und ausschließlich von außen zugänglich. Während im Erdgeschoss Nebenräume, Stallungen und die Küche untergebracht waren, befanden sich im ersten Obergeschoss die Wohnräume der Familie Gillitzer. Das zweite Geschoss diente als öffentliches Museum und Veranstaltungsort.

Architektonisches
Juwel bewahrt

Seit 1977 ist Schloss Innleiten im Besitz der Familie Schneider. Mit der behutsamen und zugleich eindrucksvollen Sanierung sei es gelungen, ein architektonisches Juwel zu bewahren, so Mair. Nicht unerwähnt ließ der Bürgermeister jedoch auch die aktuellen Herausforderungen: Die geplanten Baumaßnahmen im Zuge des Brennerbasistunnels könnten sowohl das historische Gebäude als auch das umliegende Naherholungsgebiet beeinträchtigen. Umso wichtiger sei es, die vorhandene Baukultur bewusst zu schützen und weiterzuentwickeln.

Mit der Verleihung des Baukulturpreises unterstreicht die Gemeinde Stephanskirchen einmal mehr ihren Anspruch, Bauprojekte nicht nur unter funktionalen, sondern auch unter gestalterischen und ökologischen Gesichtspunkten zu bewerten – und damit langfristig die Qualität des Lebensraums zu sichern.

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