Wahre Fundgrube für Archäologen

von Redaktion

Projektleiter Mario Hölzl berichtet über die reichen Funde bei Ausgrabungen nahe Umrathshausen

Frasdorf/Umratshausen – Mehr als 1.100 archäologische Strukturen, darunter Pfostenstellungen von Hausgrundrissen, Feuerstellen, Öfen, Gräben und möglicherweise auch Urnengräber, 169 Kilogramm Fundmaterial, 7.700 Keramikscherben, mehrere hundert Detailfunde, insbesondere Reste einer intensiven Kupferverarbeitung – all das haben der Archäologe Mario Hölzl und sein Team von X-Cavate Archaeology aus Geretsried im vergangenen Jahr direkt neben der A8 bei Umrathshausen zutage gefördert. „Eine wahre Fundgrube“, frohlockte der Archäologe bei einem Vortrag in der Priental-Halle.

Großes
Publikumsinteresse

Gemeinsam mit dem Frasdorfer Heimat- und Kulturverein hatte der Aschauer Heimat- und Geschichtsverein zu dem Vortrag eingeladen. Detailliert und kurzweilig nahm Hölzl sein mehr als zahlreich erschienenes Publikum mit auf eine Entdeckungsreise in die beileibe nicht graue Vorzeit.

Das Untersuchungsareal umfasste ursprünglich eine Fläche von 2,3 Hektar. Allerdings wurden die archäologischen Strukturen aufgrund des nahenden Baubeginns für den Brückenneubau und die Verlegung der Straße zuletzt auf nur 7.000 Quadratmetern vollständig ausgegraben. Das teilweise bereits erkannte Befundaufkommen auf fast 10.000 Quadratmetern wurde hingegen in Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) wieder vollständig unter einer Kiesschicht von 0,75 Metern begraben und wird erst dann weiter untersucht werden, wenn die Bauarbeiten zur Verbreiterung der Autobahn in einigen Jahren aufgenommen werden, betonte Hölzl. In den südlich der Autobahn gelegenen Flächen (rund 6.000 Quadratmeter) habe sich auch tatsächlich nichts mehr gefunden.

Hölzl ging auf die Besiedelung des Prientals ein, die wohl schon Jahrtausende vor Christus begonnen hat. Entscheidend war der Zugang zu Wasser, zu Bau- und vor allem Brennmaterial und der Zugang zu nahen landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für die Eigenversorgung. Aber auch die Klimageschichte spiele eine entscheidende Rolle. Bislang bekannte Siedlungsareale im Priental sind eine Siedlung und Brandgräber der späten Bronzezeit und der Urnenfelderzeit bei Umrathshausen/Leitenberg sowie Brandgräber der römischen Kaiserzeit, eine Siedlungsstelle der römischen Kaiserzeit bei Seehaus, eine Siedlung der römischen Kaiserzeit sowie Körpergräber des Mittelalters oder der frühen Neuzeit bei Schaffelbach und eine Höhlensiedlung der späten Bronzezeit und der Urnenfelderzeit am Schloss Hohenaschau.

Die Urnenfelderkultur sei ein mitteleuropäisches Phänomen des 14. bis 8. Jahrhunderts v. Chr., bei der die Toten feuerbestattet wurden, so Hölzl weiter. Reste einer zerdrückten Urnenbestattung mit verbranntem Ringschmuck und einzelner Goldspirale um 1.000 v. Chr. fanden sich beispielsweise bei Seehaus, getriebene Goldscheiben und dünne Goldspirale auf einem Opferplatz auf einer Höhe von 1.200 Metern Höhe im Umfeld der Kampenwand. Im Ortsteil Weidachwies gefundene bronzene Alltagsgegenstände belegten, dass hier wohl ein Handwerker sein Depot hatte. Fazit: Das Priental war also schon in der älteren Urnenfelderzeit ein bedeutender Verkehrsweg, Handwerks- und Handelsplatz.

Untersuchungen und Veröffentlichungen des Archäologenpaars Drs. Zanier aus Aschau untermauerten diese Annahmen. Und der über die Grenzen der Region bekannte Aschauer Hobby-Archäologe Sebastian Aringer, der bedeutende Funde aus der Bronze- und Römerzeit machte und diese in seinem Museum in Höhenberg ausstellt, hat sich bei den Ausgrabungen von X-Cavate bei Umrathshausen eingebracht.

Die Vergangenheit
bewahrt ihre Geheimnisse

Noch seien viele Fragen offen, so Hölzl. Warum gibt es so gut wie keine Funde aus der älteren Eisenzeit/Hallstattkultur oder dem noch frühen Mittelalter? Warum wurden die Höhensiedlungen aufgegeben? Welche Funktion hatten die parallel zum Hang nördlich der A8 bei Umrathshausen angeordneten Gräben, die man bei den Ausgrabungen fand? Deuten die gefundenen Bruchstücke auf eine Brandkatastrophe hin oder sind sie Relikte eines Opferkults?

Er hoffe, weitere Ausgrabungen unternehmen zu dürfen, auch wenn er erst einmal seine Funde weiter auswerten und strukturieren wird. Die Funde werden an die Behörden abgegeben. Hölzl warb abschließend für einen Besuch des Museums in Höhenberg: Das Bewahren und Wertschätzen solcher Funde sei eine gemeinschaftliche Verantwortung.

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