Auch der Pater kommt mit dem Motorrad

von Redaktion

Hunderte von Zweiradfahrern treffen sich im Innenhof des Klosters Reisach, um sich Segen abzuholen

Kiefersfelden/Niederaudorf – Sonnenschein, rund 450 Motorräder, Mopeds, Roller, E-Bikes und mehrere hundert Besucher aus Bayern und dem nahen Tirol ließen die Motorradweihe im Innenhof des Klosters Reisach am vergangenen Samstag zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Eingeladen hatte der Kieferer Verein „Zwoadagda“, eine Interessengemeinschaft „Mopedverrückter“, wie Vorsitzender Thomas Kulot, überwältigt von dem Zuspruch, erklärte.

Wochenlange
Vorbereitungen

Er und seine Mitstreiter hatten wochenlang den Boden bereitet – jetzt holten die motorisierten Fans für sich und ihre Zweiräder den kirchlichen Segen ab. Den gab es durch Pater Matthäus, der, per Motorrad aus Regensburg kommend, „schon sehr aufgeregt“ war. Bei der von ihm zelebrierten, nicht alltäglichen heiligen Messe senkte sich andächtige Ruhe über die Besucher, und die Worte des Kirchenmannes zeugten auch von einiger Wehmut, die ihn „mit diesem Ort noch immer verbinden“.

Denn er, Gründungsmitglied des Motorradclubs „Karmelitos“, war der letzte Pater im Kloster Reisach und führte dort auch die Motorradweihe im Jahre 2019 durch. Die Aussage seiner Predigt war klar: „Segen auf alle unsere Reisen, damit wir das Ziel immer gesund erreichen.“ In einem großen Rundgang, sowohl im Innen-, als auch im Außenhof des Klosters, segnete er anschließend „nicht nur die Gottesfürchtigen, sondern auch die Wasserfürchtigen“, wie er lächelnd anfügte, und so bekam jeder Besucher und jedes Gefährt seinen feuchten Segen ab. Trotz der enormen Anzahl an Zweirädern wurden er und seine kirchlichen Helfer nicht müde, Gottes Beistand zu erbitten und an die Gespanne weiterzugeben.

Dabei nutzte er natürlich die Gelegenheit, das eine oder andere Fachgespräch mit den Fahrern zu führen. Am Ende der feierlichen Zeremonie gab es eine gemeinsame Ausfahrt, die beim Start der fein herausgeputzten Maschinen, von der legendären „Schwalbe“ bis zur kultigen „Harley-Davidson“, die ehrwürdigen Gemäuer des Klosters erzittern ließen. Der Moment für den Vorsitzenden der „Zwoadagda“, Thomas Kulot, durchzuschnaufen. Die Anspannung, aber auch die riesige Freude waren ihm anzusehen, war die Weihe doch ein gewaltiger Erfolg für seinen Verein, der, neben der Weihe, den vielen Gästen im Innenhof eine breite Auswahl an Speis und Trank angeboten hatte. Auch Pater Matthäus schwang sich nach schier unendlichem Händeschütteln auf sein Motorrad und begleitete die Fahrer nach Gottes Segen an ihrer ersten Ausfahrt, die über Brannenburg, Nußdorf, dem Tiroler Erl und Ebbs wieder zurück zum Kloster führte.

Unter dem Motto „Es wird wieder geknattert im Inntal“ gründete vor acht Jahren eine Anzahl „Mopedverrückter“ den Verein „Zwoadagda“, übersetzt „Freunde des Zweitaktmotors“, wie er bei Mopeds und Motorrädern verbaut wird. Dabei war es ungeschriebenes Gesetz im Verein, sich „nicht nur dem Fahren zu widmen, sondern sich auch um Pflege und Erhalt der alten Mopeds und Motorräder“ zu kümmern. „Unser Club ist in den letzten Jahren stark gewachsen und nahm an mehreren nationalen wie internationalen Mopedmarathons teil und wir konnten uns dabei in der recht großen Motorradszene etablieren“, so Thomas Kulot.

Großes Oldtimer-Treffen
geplant

Auch große Ausfahrten mit ihren knatternden Zweirädern standen auf der zurückliegenden Vereinsagenda. „Dabei hat uns unsere Leidenschaft auf den Großglockner, zur Zugspitze und durch die Schweiz und Italien geführt“, erinnert sich der Vorsitzende: „Für heuer ist eine viertägige Tour durch Slowenien in Planung.“ Seit dem Jahre 2023 veranstaltet der Verein jährlich ein großes Oldtimer-Treffen in Kiefersfelden, das auch heuer wieder am Samstag, 25. Juli, in der MTG-Arena stattfinden wird.

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